Zitternd saß ich mit Joshua auf dem Schoß in einer Ecke seines Zimmers. Meine Angst beherrschte mich völlig, Tränen liefen mir die Wangen runter und ich war nur froh, dass mein Sohn wieder fest eingeschlafen war. Solange er bei seiner Mutter war, fühlte er sich geborgen und sicher. Der Gedanke, dass diese Irre Hand an meinen Sohn legen könnte, ließ mich fast verzweifeln und ich betete, dass Edward oder jemand anderes rechtzeitig käme, um mich und mein Kind aus dieser gefährlichen Situation zu befreien. Sie konnte unmöglich ins Zimmer gelangen, da die Kommode vor der Tür stand und auch wenn Cassandra über viele Methoden verfügte ihr angepeiltes Ziel zu erreichen, so hatte sie doch nicht die körperlichen Kräfte, um ins Schlafzimmer einzudringen.
Ich machte mir auch Sorgen, um Jake und Seth. Ich erinnerte mich daran, dass Jake in die Garage wollte, um sich einen Hammer zu besorgen, damit er ein Bild von Leah in seinem Zimmer aufhängen konnte. Das war das Letzte was ich von ihm hörte und eigentlich war ich der Meinung, er wäre schon lange wieder im Haus, was sich als Trugschluss erwies, denn sein Zimmer war ja leer. Konnte sie wirklich einen erwachsenen, zwei Meter großen Kerl überwältigen? Seth war nicht viel kleiner als sein Cousin, doch auch er war unauffindbar. Hatte er etwa nach Jake sehen wollen, als er nicht mehr aus der Garage auftauchte und war ebenfalls ein Opfer von Cassandra geworden? Waren sie überhaupt noch am Leben?
Solche und ähnliche Schreckensszenarien wirbelten durch meinen Kopf, machten es mir schwer die nötige Ruhe zu finden, um zu überlegen, was ich jetzt als nächstes tun sollte. Für Joshua war gesorgt und ich dankte Gott für meine Entscheidung ihn zu stillen, denn ich hätte ihn nicht lange ohne seine Milch hier einsperren können. Spätestens nach drei Stunden hätte er vor unerträglichem Hunger geschrien und ich hätte gar keine andere Wahl gehabt, als das Zimmer zu verlassen. So jedoch, hatte ich quasi das Essen immer bei mir und Joshua könnte stundenlang hier mit mir ausharren. Spätestens am Nachmittag würden die ersten wieder nach Hause kommen und ich hoffte sehr, dass es nicht meine Mutter sein würde. Die konnte mit so einer Situation gar nicht umgehen und würde sich nur selbst in tödliche Gefahr bringen, denn mittlerweile war ich davon überzeugt, dass Cassandra auch vor weiteren Morden nicht zurückschrecken würde. Sie tötete ihren leiblichen Vater, ließ ihn elendig in seinem Fahrzeug verbrennen, ohne Mitleid oder Gnade zu zeigen. Ein klirrendes Geräusch schreckte mich auf. Was war das? Wieder ein Klirren und mir wurde klar, was jetzt passierte.
Das Fenster! Sie schlug das Fenster ein! Mit Schrecken wurde mir bewusst, dass Dad sich eine hohe Leiter besorgt hatte, um nach dem Sturm auf das Dach zu steigen und es nach losen Ziegeln zu durchsuchen. Sie musste die Leiter gefunden haben, hochgeklettert sein und drang gerade durch das Fenster ein. Das Gepolter nahm zu und ein dumpfes Geräusch, verriet den Aufprall eines Körpers auf dem Teppichboden. Oh Gott, sie war im Zimmer! Ich hielt die Luft an und horchte angespannt auf weitere Laute.
„Bella!“, rief Cassandra, „Du brauchst dich nicht vor mir zu verstecken, ich werde dich sowieso finden. Komm heraus! Komm heraus! Komm heraus!“ Sie sagte es in singendem Tonfall und für einen kurzen Moment kam mir der Gedanke, dass sie definitiv zu viele Horrorfilme gesehen hatte
.
Ein kratzendes Geräusch an der Tür ließ mich nur noch mehr zur Wand zurückweichen und panisch wurde mir bewusst, dass nur noch zwei Zentimeter dickes Holz, mich und Josh von dieser Verrückten trennten. Das Kratzen war gleichmäßig, ohne Hast glitten die Nägel über die Tür und sie summte dabei ein Liedchen.
„Mach doch endlich auf!“, schmollte sie, „Zeig mir den Kleinen, ich bin die einzige die ihn noch nicht gesehen hat.“
Kein Wort kam über meine Lippen und das Schaben an der Türe wurde schneller, hastiger, als würde es sich ihrer momentanen Stimmung anpassen.
„Mach endlich diese verdammte Tür auf, Bella, sonst weiß ich nicht, was ich tue!“, rief sie deutlich schärfer, doch noch immer rührte ich mich nicht und presste meinen Sohn fester an meine Brust. Dann, ohne Vorwarnung, stellte sie das Schaben an der Tür ein und es wurde totenstill. Mein ungleichmäßiger Atem war das einzige Geräusch, das noch zu hören war und ich wartete ängstlich, auf die nächste Attacke.
Bäm, bäm, bäm, bäm!
Sie hämmerte mit irgendeinem Gegenstand gegen die Tür, nicht fest, sondern mit dumpfen, lauten Schlägen, in einem monotonen immer wiederkehrenden Rhythmus, der mich langsam aber sicher an den Rand des Wahnsinns trieb.
Bäm, bäm, bäm, bäm!
Sie hörte einfach nicht auf und ein leises Kichern vermischte sich mit den hämmernden Tönen. Die Wucht ihrer Schläge wurde fester und das Knallen gegen die Tür dementsprechend lauter. Josh rührte sich, wachte auf und fing an zu weinen. Das Hämmern wurde lauter und Josh schrie wie am Spieß. Er kannte so ein Geräusch nicht, es war ihm fremd und er weinte bitterlich. Mir selbst stiegen erneute Tränen in die Augen.
„Hör endlich auf“, schrie ich sie an, „du machst ihm Angst!“
„Dann mach die Tür auf, Bella! Ich habe eine Waffe und ich werde das Schloss kaputtschießen, wenn du nicht freiwillig rauskommst.“
„Das sagst du nur so. Du würdest nicht riskieren Josh zu verletzen“, rief ich.
„Oh, willst du es wirklich darauf ankommen lassen, Bella. Du weißt doch, ich bin verrückt und Verrückte sind unberechenbar.“
Sie lachte gemein und ich wog verzweifelt alle Möglichkeiten ab, nur um festzustellen, dass ich keine hatte. Ich saß in der Falle und es konnte noch Stunden dauern, bis jemand nach Hause kam. Auch mein Fehlen in der Praxis würde keine größeren Wellen schlagen, sie würden höchstens hier anrufen, um sich nach meinem Verbleib zu erkundigen. Die Privatnummer war die einzige, die sie besaßen, da ja nie Veranlassung dazu bestand, Edwards Handynummer in ihre Listen aufzunehmen. Das Klopfen hörte nicht auf und zerrte an meinen Nerven. Ich griff mir an die Schläfe und versuchte nachzudenken, doch es gelang mir nicht.
„Bella. Das ich deine letzte Chance, ich schwöre dir, ich schieße auf das Schloss und du bist Schuld, wenn dem Kleinen was passiert. Er wird sich fürchterlich erschrecken und dieses Trauma wird ihn vielleicht bis ins Erwachsenenleben begleiten. Das willst du doch nicht. Oder?“
Sie versuchte mich zu erpressen und sie hatte Erfolg damit. Ich würde eine andere Lösung finden, denn ich würde nicht zulassen, dass sie Josh in ihre Hände bekam. Diese Psychopathin war nicht imstande für ein Kind zu sorgen und ich würde sie eher umbringen, als ihr mein Baby zu überlassen.
„Ich komme raus, aber du darfst nichts tun, um ihn zu erschrecken.“
„Bella!“, kam es vorwurfsvoll, „Als ob ich meinem kleinen Liebling ein Leid zufügen würde.“
„Du hättest nicht gezögert auf die Tür zu schießen und ihn damit in Gefahr zu bringen.“
„Das wäre allein dein Verschulden gewesen!“, sagte sie völlig überzeugt. Sie war sich keinerlei Schuld bewusst und verhielt sich total mitleidlos. „Ich habe dir gesagt, dass du rauskommen sollst. Was kann ich denn dafür, wenn du nicht gehorchst. Aber ich bin froh zu hören, dass du endlich zur Vernunft kommst.“ Wieder ein Kichern von ihr, dass sich mir sämtliche Haare auf dem Körper aufstellten.
Ich stand auf, ging an die Verbindungstür, drehte den Schlüssel um und legte die Hand an die Klinke. Jetzt war der Moment gekommen, vor dem ich mich seit Monaten fürchtete. In wenigen Sekunden stand ich meiner ärgsten Feindin gegenüber, der Frau, die mir und Edward seit Monaten das Leben zur Hölle machte, der Frau, die versuchte mir mein Kind zu stehlen, der Frau, der jedes Mittel recht war, um ihr Ziel zu erreichen. Sämtlichen Mut ansammelnd, drückte ich die Klinke hinunter, öffnete die Tür und stand ihr gegenüber.
Ich erschrak bei ihrem Anblick! Nichts war mehr übrig von der Frau, die so strahlend schön und charmant meinen Mann umgarnt hatte. Vor mir befand sich eine Person, die dem Irrsinn verfallen war. Ihr einst so glänzendes, rotblondes Haar, war jetzt stumpf und strohig. Einen Frisör hatte sie wohl seit Monaten nicht mehr aufgesucht, da der Schnitt völlig herausgewachsen war und die Strähnen traurig an ihrem Kopf herabhingen. Das Gesicht war fahl und bleich, die einst so vollen Lippen schmal vor Verbitterung und dunkle Augenringe rundeten das Bild einer verwirrten, geschundenen Persönlichkeit ab. Nur die Augen, ein smaragdgrünes Feuer, waren noch lebendig in diesem Antlitz und zeugten von unbändigem Hass und schierer Willenskraft. Es war fast so, als würde die Persönlichkeit von Cassandra sich in ihrem Gesicht manifestieren und all die schlimmen Dinge, die ihr während ihrer Kindheit angetan wurden, erhoben sich zu einer gigantischen Welle, die jetzt über ihr zusammenfiel. Beinahe tat sie mir leid, doch dieses Mitleid war fehl am Platz und ich musste auf der Hut sein. Irgendwie musste ich sie dazu bringen, mich mitzunehmen, damit sie nicht einfach Josh packte und verschwand.
„Gib mir mein Kind!“, befahl sie begierig und ich musste beinahe würgen bei ihren Worten. Langsam lief ich auf sie zu, Josh in meinen Armen, der aufgehört hatte zu schreien. Auf einmal bekam sie einen ganz weichen Gesichtsausdruck, es schien fast, als wäre sie eine andere Person.
„Oh, mein kleiner Liebling“, flüsterte sie liebevoll und streckte die Arme nach ihm aus.
Ich beobachtete sie genau, schätzte die Lage ein und versuchte nicht in Panik auszubrechen, als ich ihr mein Kind in den Arm legte. Sie wich sofort mit ihm zurück und sah mich scharf an.
„So, du wirst jetzt die Kommode wegschieben, damit ich mit Josh zusammen gehen kann. Ich werde dir nichts tun, aber solltest du irgendeinen Versuch starten abzuhauen, werde ich dich erschießen.“
Ich sah die Waffe, die sie in einem Halfter an der Seite trug. Ein Griff und sie wäre schussbereit. Unter anderen Umständen hätte ich vielleicht sogar versucht sie zu überwältigen, doch ich wollte Joshua nicht in Gefahr bringen. Also schob ich die Kommode weg und sah sie dann an.
„Du kannst nicht ohne mich gehen!“, sagte ich dann ernst. Sie sah mich an, die Augenbraue hochgezogen und lächelte spöttisch.
„Und warum nicht, wenn ich fragen darf?“
„Kannst du ihn stillen? Joshua verträgt keine der handelsüblichen Milchnahrungen und es würde zu allergischen Reaktionen führen. Du kannst bei meinem Arzt anrufen. Er wird es dir bestätigen.“
Ich bluffte und hoffte einfach darauf, dass sie mir glaubte. Unsicher sah sie mich an, offenbar kam sie gar nicht auf die Idee, ich könnte sie anlügen. Der Wahnsinn hatte schon so von ihr Besitz ergriffen, dass sie zu keinem rationalen Gedanken mehr fähig war.
„Würdest du denn bleiben, bis er feste Nahrung zu sich nehmen kann?“ Sie sah mich erwartungsvoll an und ich konnte es nicht glauben, dass sie den Köder geschluckt hatte.
„Ich kann mit dir kommen“, sagte ich und versuchte sie freundlich anzusehen, „du wirst Hilfe brauchen die erste Zeit, schließlich ist Babypflege nicht so einfach, wie es aussieht. Ich kann dir alles beibringen, was du wissen musst und wenn du soweit bist, dann werde ich wieder gehen.“
Sie dachte ernsthaft über meine Worte nach. Offenbar hatte sie nicht bedacht, dass sie ja nicht viel Ahnung von kleinen Babies hatte und sah sich jetzt mit einer Situation konfrontiert, die sie überforderte.
„Okay, du wirst mit mir kommen. Pack ein paar Sachen zusammen, aber beeil dich.“
Erleichtert darüber, dass ich etwas Zeit gewonnen hatte, packte ich alles Notwendige in eine Reisetasche und schmuggelte mein Handy mit hinein, während sie Joshua herzte. Danach schob ich die Kommode wieder zur Seite, keuchte wie nach einem Marathon und stellte die Frage, die mir auf der Seele brannte.
„Wie hast du es geschafft, Jake und Seth zu überwältigen?“
Sie lachte stolz.
„Oh, das war mein Meisterstück. Ich wusste, ich hätte keine Chance an ihnen vorbeizukommen und ich musste eine Gelegenheit abwarten, in der ich einen von ihnen allein in einem Raum erwischen würde. Deswegen hat es auch solange gedauert, bis ich endlich zuschlagen konnte. Es war, als würden Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, als ich sah, dass er allein in die Garage kam. Weißt du, ich habe ein Betäubungsgas benutzt. Lautlos, geruchlos und schon eine kleine Menge in einem geschlossenen Raum reicht schon aus, um einen Elefanten lahmzulegen. Ich habe eine winzige Öffnung im Mauerwerk, das Gas durch einen Schlauch, in den Raum laufen lassen und er fiel um, wie ein Baum. Als dann der andere kam, um nach ihm zu sehen, hatte er nicht mal genug Zeit, um auch nur einen Schrei loszulassen. Er ist in Ohnmacht gefallen, sowie er drinnen war. Danach war alles einfach. Deine Lieben sind einer nach dem anderen ausgeflogen, weil sie dich in guter Obhut wähnten und du saßt in der Falle.“
„Werden ….werden……werden sie wieder aufwachen?“, fragte ich ernsthaft besorgt. Sie winkte nur ab.
„Mach dir keine Sorgen, es ist nur eine Betäubung. Allerdings sind sie für die nächsten paar Stunden lahmgelegt. So, jetzt aber hopp hopp, liebe Bella. Lass uns endlich dieses Haus verlassen.“
Sie scheuchte mich die Treppe runter, zu meinem Wagen und zwang mich Joshua in seinem Babysafe anzuschnallen. Danach setzte sie sich zu ihm nach hinten, während ich ans Steuer musste.
„Jetzt fahr los und ich warne dich. Keine überhöhte Geschwindigkeit oder sonstige Auffälligkeiten. Du weißt, was dann passiert.“
Schluckend nickte ich und drehte den Zündschlüssel um. Wir fuhren schon eine Weile auf dem Highway, als sie mir befahl auf eine einsame Landstraße abzubiegen. Sie schien genau zu wissen, wo sie hinwollte und ich beobachtete sie durch den Spiegel. Sie wirkte auf einmal seltsam zufrieden und glücklich, als wäre Josh die Erfüllung ihrer Träume. Immer wieder strich sie dem schlafenden Kind zärtlich über die zarten Pausbäckchen und summte ein kleines Schlaflied. Jetzt klang es gar nicht mehr gruselig, weil es nicht geschah um mich zu ängstigen und aus der Fassung zu bringen, sondern weil sie Josh was Gutes tun wollte.
Nach einiger Zeit erreichten wir ein Waldstück und sie wollte, dass ich hineinfuhr. Es rüttelte ein wenig, da mein Auto nicht gerade geländetauglich war. Nachdem ich schon tief in den Wald hineingefahren war, musste ich auf ihren Befehl hin stehenbleiben. Jetzt sah ich auch wieso. Dort stand ein Geländewagen bereit und wir stiegen aus, um das Fahrzeug zu wechseln. Im hinteren Bereich war alles voll mit Babyutensilien. Windeln, Feuchttücher, Babynahrung, eine Babywanne, einfach alles, was man für ein Kind benötigte.
Überrascht sah ich sie an, doch sie ließ mir keine Zeit und drängte zur Weiterfahrt. Wir verließen den Wald nicht, sondern fuhren nur noch tiefer hinein. Irgendwann kamen wir am Ziel an. Es handelte sich um eine Blockhütte, die ziemlich geräumig wirkte. Wo hatte sie denn die aufgetan? Wem gehörte sie? Wir stiegen aus und Josh wachte auf. Er öffnete immer wieder suchend seinen kleinen Mund, ein untrügliches Zeichen dafür, dass er Hunger hatte.
„Was hat er denn?“, fragte sie irritiert, als er anfing wie am Spieß zu brüllen.
„Er ist hungrig“, antwortete ich und knöpfte mir die Bluse auf. Die Hand nach ihm ausstreckend, setzte ich mich auf einen Stuhl und nach kurzem Zögern, legte sie ihn mir in die Arme und sah fasziniert zu, wie er anfing an meiner prallgefüllten Brust zu saugen. Als er endlich satt und zufrieden war, schlief er zufrieden ein und ich sah mich nach einer Möglichkeit um, ihn hinzulegen.
„Hast du eine Babywiege hier in der Hütte?“
Empört sah sie mich an.
„Natürlich! Komm mit, ich zeige dir sein Zimmer.“
Sie stand auf und ließ mich vorauslaufen. Cassandra war nicht dumm, sie kehrte mir nie den Rücken zu. Eine Tür führte in einen Raum, der wie ein Kinderzimmer eingerichtet war. Offensichtlich hatte sie sich viel Mühe gegeben ihm den Raum liebevoll auszustatten, denn er wirkte richtiggehend einladend. Es stand eine teuer aussehende Wiege darin, ein Wickeltisch mit einem Heizstrahler darüber und das ganze Zimmer war mit weichem Teppichboden ausgelegt. Eine Lampe spendete warmes Licht und viele Kuscheltiere und Spielzeuge, mit denen Josh natürlich noch nichts anfangen konnte, standen noch zusätzlich herum.
„Wieso haben wir hier Elektrizität?“, fragte ich neugierig, „Wir sind doch mitten in den Wäldern.“
„Ich habe einen Generator der uns mit Strom versorgt. Da wir eine Weile bleiben werden, war der notwendig.“
Ich legte Josh in das Bettchen und er schlief seelenruhig weiter. Abwartend sah ich sie an. Ihr Blick war emotionslos, als sich ihre Augen in meine bohrten.
„Du wirst das Schlafzimmer bekommen. Leider werde ich dich nachts festbinden müssen. Ich traue dir nicht und ich will nicht riskieren, dass du mit Michael abhaust.“
„Michael?“, fragte ich irritiert.
Sie sah mich an, als wäre ich diejenige, die nicht ganz richtig im Kopf war.
„Na, mein Sohn, du Dummchen! So, du kannst jetzt in das Bad, im Boiler ist warmes Wasser und du kannst duschen, bevor du das Essen für uns kochst. Eigentlich ist es gar nicht so übel, dass du dabei bist. Ein wenig Gesellschaft ist doch ganz nett.“
Himmel, sie wirkte fast schon freundlich, jede Aggression war von ihr abgefallen uns sie lächelte mich warm an. Ich musste versuchen, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie in Sicherheit wiegen, dazu musste ich aber tun was sie wollte und ihr keinen Grund geben an mir zu zweifeln, Geduld war jetzt angesagt, bis sie unvorsichtig wurde und ich mit Josh zusammen verschwinden konnte. Es bereitete mir auch große Sorgen, dass sie ihm schon einen eigenen Namen gab. Ob sie ihr totes Kind so nennen wollte?
Ich duschte, machte was zu essen und wurde dann am Bett festgebunden. All dies ließ ich über mich ergehen, ohne zu murren. Ich lag wach und konnte endlich meine Tränen laufen lassen, nachdem ich allein im Zimmer lag. Oh Edward, dachte ich, bitte komm und hol uns hier raus. Voller Ängste verbrachte ich die Nacht, nur unterbrochen, wenn sie mir Josh zum Stillen brachte. Doch ich musste jetzt stark sein. Für Josh!
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