Inhalt:

Edward Cullen ist ein erfolgreicher Staranwalt und seit fünf Jahren mit Bella verheiratet. Die beiden leben sich auseinander da er seine junge Frau zu oft alleine lässt. Als ihm auch noch seine attraktive Kollegin Tanya offen Avancen macht eskaliert die Situation. (Edward/Bella Pairing)Happy-End garantiert.

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Montag, 29. November 2010

Kapitel 43 - Geständnisse

Bellas PoV
Mit fester Stimme wiederholte Edward die Ereignisse der letzten Wochen und Monate. Es war nicht leicht für mich, das alles mit anzuhören, da mir dadurch erst wieder bewusst wurde, in welcher Gefahr ich eigentlich schwebte.

Schützend legte ich die Hand auf meinen gewölbten Bauch und betrachtete das angespannte Gesicht von Edward. Auch ihm fiel es nicht leicht darüber zu sprechen, aber es führte kein Weg daran vorbei, wenn wir irgendwie weiterkommen wollten.
Vielleicht konnte Carlisle uns irgendeinen Anhaltspunkt geben, der uns auf eine neue Spur brachte, denn bis jetzt hatten wir nichts Brauchbares.

Leise stand ich auf und stellte mich an die Seite meines Mannes,  der sofort meine Hand tröstend in seine nahm.

Es herrschte Stille im Wohnzimmer und während Esme sich entsetzt die Hände vor den Mund schlug und immer wieder leise aufschluchzte, wirkte Carlisle sehr gefasst. Sein Blick war fest und bestimmt, als er die nächsten Worte sprach.

„Edward, es ist furchtbar was euch widerfahren ist.  Leider kann ich dir auch nicht sagen, wer diese Tanya in Wirklichkeit ist. Trotzdem gibt es etwas, das du wissen solltest, denn es könnte durchaus ein Zusammenhang bestehen.“

„Du sprichst in Rätseln, Carlisle. Könntest du dich vielleicht etwas präziser ausdrücken?“, antwortete Edward.

„Das hier wird jetzt nicht leicht für dich, mein Junge. Ich hatte gehofft, dass du nie etwas davon erfahren müsstest, doch wie es aussieht, holt die Vergangenheit einen immer wieder ein“ ,meinte Carlisle nachdenklich.

Edward wirkte alamiert und auch ich spürte, dass die nächsten Minuten die entscheidende Wende  bringen würden.

Carlisle atmete tief durch und ging ans Fenster, wo er uns den Rücken zudrehte. Es schien fast so, als könnte er uns nicht in die Augen sehen.

„Es ist schon viele Jahre her, dass Esme und ich dich in unsere Obhut genommen haben. Wir konnten selber keine eigenen Kinder bekommen und eine Adoption war damals schwierig für uns, weil wir noch so jung waren. Das Drama um deinen Vater gab uns die Chance, uns unseren Kinderwunsch zu erfüllen. So traurig es auch für uns war, dass es nur durch den Tod meines Bruders möglich war, so schenkte uns deine Anwesenheit, doch das größte Glück unseres Lebens. Wir haben dich immer als unser eigen Fleisch und Blut angesehen und alles was wir taten, geschah aus Liebe zu dir.“

„Ich verstehe nicht. Was hat das alles mit Tanya und ihren Attacken zu tun?“ ,fragte Edward verwirrt.

Ich sah ihm an, dass er völlig ahnungslos war und auch ich selbst wusste nicht, wohin dieses Gespräch führen sollte. Eine dunkle Vorahnung stieg in mir hoch,  ich spürte instinktiv, dass etwas nicht stimmte und Edward in wenigen Minuten seine ganze Kindheit in Frage stellen würde.

„Edward, ich habe etwas Schreckliches getan und immer gebetet, dass du es nie erfahren müsstest.“

„Jetzt rede endlich, verdammt noch mal. Was hast du so Schlimmes getan, dass du dich nicht traust damit rauszurücken? “, schrie er völlig entnervt.

Beruhigend strich ich über seinen Rücken und erwiderte Esmes  verzweifelten Blick.

„Es geht um deine Mutter, Edward “, sagte er defensiv.

„Was ist mit ihr “ ,flüsterte er tonlos.

„Dein Vater, musst du wissen, war ein sehr kranker Mann. Er hatte schon in jungen Jahren mit schweren Depressionen zu kämpfen und mehrere Selbstmordversuche hinter sich. Es wurde besser, nachdem er deine Mutter kennenlernte und er eine Therapie anfing. Sie haben geheiratet und Elisabeth wurde sehr schnell schwanger. Alles schien in Ordnung, doch dann brach dein Dad die Therapie ab.  Keiner wusste wieso, er ließ plötzlich niemanden an sich heran und wurde immer verschlossener.“

Er brach ab und drehte sich wieder zu uns herum.

„Deine Mutter hat lange durchgehalten, aber er wurde immer unberechenbarer und sie war noch so jung. Irgendwann lernte sie diesen Künstler kennen und begann eine Affäre mit ihm. Dein Vater ist ausgerastet, als sie es ihm gestand und ihn verlassen wollte. Er reichte die Scheidung ein und jagte sie aus dem Haus. Sie ist nicht freiwillig ohne dich gegangen, Edward. Wir ließen ihr gar keine andere Wahl. Sie war verliebt in diesen Typen und wollte mit ihm und dir ein neues Leben beginnen. Aber als Künstler war er völlig mittellos und sie selbst hatte auch kein Geld. Dein Vater ließ alle Zugänge zu den Bankkonten für deine Mutter sperren und da sie vor Gericht als Ehebrecherin galt, bekam sie nach der Scheidung, laut Ehevertrag, nicht einen Cent. Sie konnte nicht für dich sorgen und musste dich hier zurücklassen.“

Edward konnte seinem Ziehvater nicht mehr ins Gesicht schauen, so erschüttert war er über das Gehörte. Carlisle fuhr fort  von damals zu berichten .

„Dein Vater hat das alles nicht verkraftet und sich selbst das Leben genommen, wie du ja weißt. Doch er hat vorgesorgt. Sein gesamtes Vermögen ging an dich über und ich wurde als Treuhänder eingesetzt. Deine Mutter ging komplett leer aus, doch das war ihr egal. Sie wollte vor Gericht um dein Sorgerecht kämpfen.  Ich habe deinem Vater aber versprochen, sollte ihm jemals etwas zustoßen, dann würde ich verhindern, dass Elisabeth dich bekommt. Ich habe damals die besten Anwälte engagiert und ein bisschen im Dreck gewühlt. Wir haben sie als schlechte Mutter und lockeren Vogel dargestellt.  Nachdem wir mit ihr fertig waren, hätte kein Gericht der Welt ihr das Sorgerecht zugesprochen.“

In Edwards Augen standen Tränen und ich litt in diesem Moment mit ihm. Wie sehr musste es ihn schmerzen, dass er die ganzen Jahre angelogen wurde. Immer glaubte er, seine Mutter  hätte ihn im Stich gelassen, dabei tat sie damals alles Erdenkliche, um ihn wiederzubekommen.
Dass ausgerechnet Carlisle es war, der ihm die Chance auf ein Leben mit seiner Mutter genommen hatte, tat wohl am meisten weh. Er war immer sein Dad gewesen und er vertraute ihm rückhaltlos. Und jetzt das!

„Ich nehme an, das war noch nicht alles “, vermutete Edward.

„Nein! Es geht noch weiter. Durch den Prozess verlor deine Mutter nicht nur dich, sondern auch ihren guten Ruf. Der Künstler verließ sie und sie verlor ihren Job. Völlig mittelos war sie auf sich allein gestellt. Und jetzt kommen wir zu dem wohl schlimmsten Teil der Geschichte. Sie war damals schwanger, Edward.  Circa im sechsten Monat. Ich habe zu spät davon erfahren, dass der Typ sie sitzenließ und sie ohne Arbeit war. Das musst du mir wirklich glauben.“

„Weiter!“, forderte Edward mit harter Stimme.

„Wie gesagt, als ich davon erfuhr, war es schon viel zu spät. Sie musste das Kind nach der Geburt zur Adoption freigeben, sie hatte gar keine andere Wahl. Ohne Geld, ohne familiäre Unterstützung und ohne Partner war sie nicht dazu in der Lage, das Kind großzuziehen.  Ich habe noch versucht irgendwie den Aufenthaltsort dieses Kindes zu ermitteln, doch es war unmöglich. Die zuständigen Behörden haben keinerlei Informationen mehr rausgegeben. Das Kind, ein Mädchen, wurde wohl schon sehr schnell adoptiert und wenn das geschehen ist,  hat man keine Chance mehr das Kind wiederzubekommen. Es war zu spät. Esme und ich sind beinahe daran zerbrochen, denn so etwas hatten wir auf keinen Fall gewollt. Deine Mutter hat die USA verlassen  und alle Brücken hinter sich abgebrochen. Seit damals haben wir nichts mehr von ihr gehört.“

Vorsichtig streichelte ich Edwards verhärtete Schultermuskulatur. Sein Kiefer war angespannt, die Lippen zusammengepresst und er kämpfte sichtlich um Beherrschung.  Ich konnte nur vage erahnen, wie er sich jetzt fühlen musste.
Ohne ein Wort stand er auf und verließ das Zimmer.

Entsetzt schüttelte ich den Kopf.

„Wie konntet ihr ihm das all die Jahre verheimlichen. Ihr habt doch beide gewusst, wie sehr er unter der vermeintlichen Zurückweisung seiner Mutter gelitten hat und trotzdem habt ihr die ganze Zeit geschwiegen.“

Esme weinte nun haltlos und Carlisle nahm sie in den Arm.

„Bella, wir haben immer nur das Beste für Edward gewollt. Wir haben einen großen Fehler gemacht und müssen damit bis ans Ende unseres Lebens zurechtkommen. Jeden Tag frage ich mich, was aus diesem Mädchen geworden ist. Ob es ihr gutgeht und die Leute, die sie adoptiert haben, auch anständig zu ihr waren. Und dann noch Elisabeth. Bevor die Sache mit Edwards Vater auseinanderbrach waren wir Freunde. Ich habe sie wissentlich ins Unglück gestürzt und wahrscheinlich ihr Leben ruiniert. Mit dieser Schuld Tag für Tag zu leben, ist eine Qual.“

„Verzeih mir, wenn es mir nicht gelingt Mitleid für dich zu empfinden. Das kann ich nicht. Natürlich machen Menschen Fehler und ich glaube dir auch, dass du nur an Edwards Wohl interessiert warst. Aber mach dir keine Hoffnungen darauf, dass er dir diese Geschichte so schnell verzeihen wird. Vielleicht kann er das nie!“

Esmes Weinen wurde lauter und ich ging hinaus. Zu gern hätte ich sie getröstet, aber ich musste mich jetzt um Edward kümmern. Genau jetzt brauchte er mich mehr denn je.

Er lag oben in unserem Bett und vergrub das Gesicht in einem Kissen. Seine Schultern zuckten unkontrolliert und mir wurde klar, dass er weinte. Noch nie hatte ich ihn eine Träne vergießen sehen, das hatte sein Ego nicht zugelassen. Doch jetzt lag dieser stolze Mann vor mir und weinte bitterlich.

So musste er geweint haben, als er sich an seine Mutter klammerte und sie bat, ihn nicht zu verlassen. Wie musste Elisabeth sich erst gefühlt haben? Gezwungen ihren geliebten, kleinen Sohn zurückzulassen, ihn nicht trösten zu können, wenn er Nachts einen bösen Traum hatte und ihm nicht den Schmerz wegküssen zu können, wenn er hinfiel.

Mein eigener Sohn war noch nicht mal auf der Welt und mir brach das Herz bei dem Gedanken, ihn nicht aufwachsen sehen zu können. Genau diese Chance wurde Elisabeth genommen.

Ich legte mich an Edwards Seite und streichelte sanft seinen Nacken. Er drehte den Kopf und präsentierte mir seine geröteten Augen, aus denen immer noch Tränen quollen.  Bei diesem Anblick stieg auch mir das Wasser in die Augen, ich konnte es kaum ertragen ihn so unglücklich zu sehen.

Mit einem Aufschluchzen vergrub er sein Gesicht in meinem Hals und presste sich eng an mich. Zärtlich drückte ich ihn, streichelte sein Haar und den Nacken, während ich ihm tröstende Worte zuflüsterte.  Sanft wiegte ich ihn hin und her, als wäre er ein kleines Kind und wartete darauf, dass die Tränen versiegten. Dabei verteilte ich kleine, süße Küsse auf seinem Gesicht, in der Hoffnung, dass ich ihm allein durch meine Anwesenheit etwas Trost spenden konnte.

„Wie konnten sie mich nur so belügen?“, fragte er verzweifelt.

Darauf konnte ich ihm keine Antwort geben. Wer wusste schon, was in den Menschen vorging, wenn sie in extreme Situationen gerieten. Ich wollte mir kein Urteil erlauben, da ich nicht wusste, ob ich damals anders reagiert hätte. Hinterher war man immer klüger und es war leicht, dann mit dem Finger auf andere zu zeigen. Doch sollte man nicht lieber vor der eigenen Haustür kehren?

„Edward, ich kann nicht von dir verlangen, dass du ihnen verzeihst. Aber ich bin überzeugt davon, dass sie nur aus Liebe zu dir so gehandelt haben. Es entschuldigt das Ganze nicht, aber du solltest dir erlauben, ihnen eines Tages zu vergeben.“

„Ich weiß nicht, ob ich das kann“, flüsterte er unglücklich.

„Du wirst es schaffen, davon bin ich überzeugt“, erwiderte ich mit fester Stimme.

Er richtete sich langsam im Bett wieder auf und zerzauste sich die ohnehin schon völlig derangierte Frisur.

„Ist dir eigentlich klar, was das bedeutet? Ich habe da draußen irgendwo eine Schwester, die ich nicht kenne.“
Ich schluckte hart, bevor ich ihm antworten konnte.

„Ich denke, du kennst sie besser als du glaubst “, presste ich hervor.

Ungläubig sah er mich an.

„Du denkst doch nicht….nein….das ist absurd….“, stotterte er kopfschüttelnd.

„Überleg doch mal“, rief ich beschwörend, “das würde alles erklären. Wer weiß, wie es ihr ergangen ist bei ihrer Adoptivfamilie.  Viele suchen nach ihren leiblichen Eltern und Tanya ist nicht auf den Kopf gefallen. Sollte sie rausgefunden haben, wer ihre Mutter ist, dann musste sie doch nur noch zwei und zwei zusammenzählen. Der Prozess ist aktenkundig und es gab bestimmt einige Pressemitteilungen dazu. Sie weiß somit, dass sie durch Carlisles Schuld im Heim gelandet ist und nie ihre leiblichen Eltern kennenlernen konnte. Sie entwickelte einen stetig wachsenden Hass auf die Cullens und fing an Rachepläne zu schmieden. Sie ist trotz all ihrer Verschlagenheit ein labiler Charakter und die ganze Geschichte lief eventuell aus dem Ruder. Vielleicht hat sie den Bezug zur Realität verloren und kann richtig und falsch nicht mehr auseinanderhalten.“

„Wenn das stimmen sollte, Bella, dann haben wir es hier mit einem weitaus gefährlicheren Gegner zu tun, als bisher angenommen. Immerhin war sie bereit dazu, mit ihrem eigenen Bruder ins Bett zu steigen, um an unsere Familie ranzukommen.“

Er wirkte bei diesen Worten unglaublich angewidert.

„Jetzt wird mir auch klar, warum ich trotz ihrer offenkundigen Schönheit nie die Frau in ihr sehen konnte. Ich muss gespürt haben, dass da was nicht in Ordnung ist. Gott, ich habe beinahe mit meiner Schwester geschlafen.“

Schräg sah ich ihn an.

„Willst du mir vielleicht irgendetwas beichten?“

Er schüttelte den Kopf.

„Nein, da gibt es nichts zu beichten. Ich habe sie einmal im Büro geküsst nach unserer Trennung, aber ich schwöre, es ist nichts weiter passiert.“

Ich wollte nicht weiter darauf herumreiten, dazu war die Situation viel zu ernst.

„Wir müssen rausfinden wie dieser  Künstler hieß. Vielleicht hat sie versucht Kontakt zu ihm aufzunehmen und wenn wir richtig viel Glück haben, dann hat sie es unter ihrem richtigen Namen getan.“

„Dann lass uns nochmal zu Carlisle und Esme gehen, ich bin sicher, sie wissen genau wie er heißt “, bat ich ihn sanft.

Nickend stimmte er mir zu und wir begaben uns wieder hinunter, um Antworten auf unsere Fragen zu bekommen.

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