Inhalt:

Edward Cullen ist ein erfolgreicher Staranwalt und seit fünf Jahren mit Bella verheiratet. Die beiden leben sich auseinander da er seine junge Frau zu oft alleine lässt. Als ihm auch noch seine attraktive Kollegin Tanya offen Avancen macht eskaliert die Situation. (Edward/Bella Pairing)Happy-End garantiert.

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Montag, 29. November 2010

Kapitel 56 - Plötzlich allein!

Es vergingen zwei Wochen nach dem nächtlichen Anruf von Tanya und ich hörte seitdem nichts mehr von ihr. Ich stand unter ständiger Überwachung, konnte keinen Schritt mehr tun, ohne dass Jake, Jasper oder Emmett an meiner Seite waren. Es ging mir tierisch auf die Nerven, doch meine Angst vor Rebecca oder wie immer sie sich gerade nannte, war viel größer, als mein Wunsch nach Privatsphäre.

Edward saß immer noch in Untersuchungshaft und die Anhörung rückte keinen Schritt näher, obwohl James wirklich alle Hebel in Bewegung setzte, um den Termin vorzuverlegen. Doch so langsam machte sich in mir die Angst breit, dass ich das Kind ohne ihn auf die Welt bringen musste. Auch Peter ging es unverändert schlecht. Es gab keinerlei Anzeichen, dass er aus seinem Koma erwachte und Shelley verzweifelte fast an der Situation. Nach außen hin, gab sie sich stark und gelassen, doch ich wusste wie es in ihrem Inneren tatsächlich aussah. An keiner Frau würde es spurlos vorrübergehen, wenn ihr Liebster sich in einem Dämmerzustand zwischen Leben und Tod befand.

Jake chauffierte mich zum Gefängnis, wo ich Edward einen erneuten Besuch abstatten durfte. Ich sah ihn alle zwei Tage, was sowieso schon über den erlaubten Besuchszeiten war. Doch James hatte seine Beziehungen spielen lassen und eine vermehrte Besuchserlaubnis erwirkt. Langsam gewöhnte ich mich an die kalte Atmosphäre der Haftanstalt und selbst die strengen Sicherheitskontrollen  konnten mich nicht mehr schrecken. Obwohl ich eine Frau und noch dazu schwanger war, blieben die Vollzugsbeamten misstrauisch, als würde ich Edward einen Kuchen mit einer Feile ins Gefängnis schmuggeln. Ich lächelte bitter. Als ob das was nutzen würde. Das Gefängnis war besser gesichert als Fort Knox und selbst wenn es einem Häftling gelang, das Gebäude zu verlassen, war spätestens an den Hochspannungszäunen und den hohen Mauern Schluss. Niemand kam hier raus, es sei denn, er wurde entlassen.

Edward wartete schon auf mich und schloss mich erleichtert in die Arme. Er versicherte mir zwar, dass es ihm gutging und sie ihn ordentlich behandelten, doch die Gefangenschaft setzte ihm zu, das war deutlich zu sehen. Er wirkte blass und ein wenig hagerer als sonst, sein schönes bronzenes Haar verlor seinen Glanz und  beim Lächeln, erreichte dieses seine Augen nicht, es sei denn, ich erzählte ihm von unserem Baby. Doch auch da spiegelte sich eine gewisse Traurigkeit in seinem Gesicht, weil er wieder einen wichtigen Teil in meinem Leben verpasste.

„Edward, Liebling! Hat James endlich was bewirken können, wegen der Anhörung. Es sind nur noch vier Wochen bis zum Geburtstermin und ich habe Panik, dass du nicht mehr rechtzeitig rauskommst.“

Er lächelte mich an und wirkte am heutigen Tag wesentlich aufgeräumter und zuversichtlicher, als sonst.

„Ich habe gute Nachrichten, Bella. Es kann gut sein, dass die Anhörung nächste Woche stattfindet, da an Peters Anzug eine fremde Haarsträhne gefunden wurde. Es muss sich dabei, um ein Haar von Rebecca handeln, da es eine rote Färbung hat. Desweiteren sind auch auf dem Teppich, wo Peter lag, die gleichen Strähnen gefunden worden. Doch das Beste kommt noch“, fuhr er begeistert fort, „ der Nachbar, der auf Geschäftsreise war, ist mittlerweile verhört worden und er hat eine interessante Aussage gemacht.“

Er schwieg kurz und machte mich damit ganz zappelig.

„Rede schon weiter, Edward, du darfst mich nicht so auf die Folter spannen!“, drängelte ich.

„Er hat ausgesagt, dass ihm an jenem Tag auf dem Flur eine junge, sehr attraktive Frau mit roten Haaren begegnete, die sich am Schloss  einer Tür zu schaffen machte. Auf seine Frage hin, was sie da macht, meinte sie nur, dass sie ihren Schlüssel verloren hätte und der Hausmeister sei nicht zu erreichen. Er gab zu, dass er nicht wusste, wer in dem Apartment  wohnte und glaubte ihr. Sie besaß schon immer ein Händchen dafür, Leute für sich einzunehmen.“

„Aber wie konnte er ihr trotz allem glauben? Ich meine, da versucht jemand ein Schloss aufzubrechen und er glaubt ihr diesen Unsinn. Wo lebt der Kerl denn? Hat er noch nie von Einbrechern gehört? Selbst ihm muss doch bekannt sein, dass Einbrecher nicht zwangsläufig männlich sein müssen“, regte ich mich auf.

„Beruhige dich, Liebling!“, meinte er sanft und strich mir über den Rücken, „Was mich am meisten wundert, ist, dass sie so unvorsichtig wird. Erst ruft sie die Polizei an, um einen Schuss zu melden, den man unmöglich hören konnte wegen den Schalldämpfern, dann verliert sie Haarsträhnen, die ihre Anwesenheit in der Wohnung beweisen können und sie lässt sich beim Einbruch beobachten. Sie muss wirrer sein, als angenommen. Anfangs war sie so vorsichtig, doch je näher die Geburt rückt, umso weniger Vorsicht  legt sie an den Tag.“

Er wirkte einen Moment sehr nachdenklich und straffte sich dann.

„Lass uns jetzt nicht unsere kostbare Zeit mit Rebecca und ihren Machenschaften vergeuden. Komm her!“, forderte er mit heiserer Stimme, „ Ich sehne mich so danach, dich in den Armen zu halten.“

Ich brauchte keine weitere Aufforderung und schmiegte mich an ihn. Es war so unfair, dass wir unserer Leidenschaft keinen freien Lauf lassen konnten, denn obwohl der Polizist, der zur Edwards Bewachung abgestellt war, den Raum immer verließ, damit wir allein sein konnten, so war doch nicht daran zu denken, mehr als nur Küsse zu tauschen. Es musste eben reichen und ich war körperlich nun wirklich nicht mehr in der Lage, mich so zu verrenken, dass wir es im Stehen oder auf dem Stuhl tun konnten. Seufzend öffnete ich den Mund, damit er mir wenigstens mit seiner Zunge die ersehnten Liebkosungen schenken konnte. Tief und leidenschaftlich versenkte er sie in meinem Mund, zeigte mir mit seinen Lippen und seinem angespannten Körper, wie sehr er mich wollte und brauchte.

Ein Räuspern ließ  uns auseinanderfahren. Der Wärter stand in der Tür und grinste leicht verlegen, während mir die Tränen in die Augen stiegen. Es war immer so kurz und die Trennung fiel mir mit jedem Mal schwerer. Ein Blick auf meine Armbanduhr zeigte mir, dass man uns sowieso schon mehr Zeit zugestand, als erlaubt und ich war durchaus dankbar dafür. Jedoch tröstete es mich nicht darüber hinweg, dass ich diese Hallen jedes Mal ohne meinen Edward verlassen musste. Ihm ging es wohl ähnlich, denn er wirkte wieder sehr niedergeschlagen.

„Ich komme übermorgen wieder“, versprach ich mit zitternder Stimme und er drückte mir einen letzten Kuss auf die Lippen.

„Bis bald, mein Engel. Ich zähle jede Minute, bis wir uns wiedersehen.“

Er wurde vor mir, durch einen separaten Eingang der zu den Zellenblocks führte, rausgebracht und ich blieb verzweifelt zurück. Irgendwann raffte ich mich auf und verließ den Raum, um mich von Jake ins Krankenhaus fahren zu lassen. Jake wirkte irgendwie elend, das fiel mir schon den ganzen Tag auf, doch bisher hatte er alle meine Bedenken zerstreut. Jetzt konnte er aber nicht mehr leugnen, dass es ihm nicht gut ging. Seine Haut verfärbte sich grünlich und er presste die Hand an seinen Magen, wenn er dachte, dass ich es nicht sah. Das Ganze sah mir sehr nach einem Magen-Darm-Infekt aus und als er bei der Fahrt ins Krankenhaus am Standstreifen halten musste, um sich äußerst geräuschvoll zu übergeben, hatte ich genug.

„Jake!“, schimpfte ich, als er wieder im Wagen saß und das Lenkrad krampfhaft umklammerte, „Du bist krank! Wenn wir in der Klinik sind, suchst du dort einen Arzt und lässt dich gefälligst untersuchen. So kannst du auf keinen Fall weitermachen. Du fällst ja fast um!“

„Blödsinn!“, murrte er widerspenstig, „Ich musste mich übergeben, na und! Das ist kein Weltuntergang und es geht mir schon viel besser.“

Ich seufzte geschlagen. Wenn Jake nicht wollte, dann wollte er nicht. Es schien ihm tatsächlich besser zu gehen, doch als wir  den Eingangsbereich des Krankenhauses passierten, da griff er sich plötzlich an den Bauch und sackte in sich zusammen. Er krümmte sich vor Schmerzen und erschrocken ging ich neben ihm auf die Knie.

„Jake! Oh Gott, Jake! Was hast du denn?“, sorgte ich mich.

Er konnte mir nicht mal antworten. Schweiß strömte ihm aus den Poren und sein Gesicht  war gezeichnet von den Schmerzen die er verspürte. Es musste furchtbar wehtun, denn Jake war normalerweise nicht der wehleidige Typ. Eine Schwester und ein Sanitäter schoben mich zur Seite und er wurde auf einer Trage zur Notaufnahme gebracht. Hilflos schaute ich ihm hinterher, unschlüssig was ich jetzt tun sollte. Ich beschloss eine Schwester zu fragen, was mit ihm jetzt passieren würde und sie parkte mich auf den Stühlen, direkt am Eingang des Behandlungsraumes, in den man Jake gebracht hatte. Nach wenigen Minuten wurde er auf einem Krankenbett hinausgefahren und in Richtung Aufzug gebracht. Hastig stand ich auf und folgte ihnen, um herauszufinden was mit Jake los war.

„Miss, Ihr Freund hat einen Blinddarmdurchbruch und muss sofort operiert werden. Bitte, gehen Sie jetzt aus dem Weg, wir müssen ihn in den Operationssaal bringen. Sie können jetzt nichts tun, außer zu warten und seine Angehörigen zu verständigen.“

„Er wird doch wieder gesund?“, fragte ich ängstlich, erhielt aber keine Antwort, weil sich die Türen des Aufzuges mit einem Summen schlossen.

Hilflos stand ich da und versuchte zu begreifen, was hier geschah. Mit einem Schlag stand ich ohne besten Freund und Leibwächter da und wusste nicht mal, wie gut oder wie schlecht es um ihn stand. Ich rief Leah an, damit auch sie informiert war und sie sagte, sie würde alles stehen und liegen lassen, um zu Jake ins Krankenhaus zu kommen. Es dauerte nicht lange und sie stürzte völlig außer Atem auf mich zu.
„Hast du schon was gehört“, fragte sie nach Luft schnappend.  Ich verneinte und sie setzte sich neben mich. Nervös pustete sie sich immer wieder den Pony aus der Stirn und zappelte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Sie waren zwar noch nicht offiziell ein Paar, es war jedoch klar, dass sie zusammengehörten. Jake gestand mir erst gestern Abend, wie blind er all die Jahre war, als er sie nicht als Frau beachtete.

„Leah, dein Gezappel macht mich ganz nervös!“, antwortete ich so ruhig wie möglich, „  Sorg dich nicht! Ich bin wirklich zuversichtlich, dass sie ihn wieder hinbekommen. Es ist ein gutes Krankenhaus mit hervorragenden Ärzten.“

Sie nickte und knetete fast ein Loch in ihren Pullover, weil sie nicht wusste, wohin mit ihren Händen. Endlich kam ein Arzt und brachte uns die erlösende Nachricht von Jakes gut verlaufener Operation. Es würde zwar einige Wochen dauern, bis er wieder völlig auf dem Damm war, aber er würde gesund werden. Erleichtert atmeten wir auf und Leah wollte sofort zu Jake in den Aufwachraum. Ich beschloss sie allein gehen zu lassen, um ihnen etwas Zweisamkeit zu gönnen, wenn er aus der Narkose erwachte. Kurz überlegte ich, ob ich gleich nach Hause sollte, entschloss mich dann aber doch, Shelley einen Besuch abzustatten.

Peter war in der Zwischenzeit von der Intensivstation in ein Einzelzimmer verlegt worden, indem Shelley sich ein Bett aufstellen ließ, um immer an seiner Seite sein zu können. Sie wollte auf keinen Fall  den Moment seines Aufwachens verpassen und quartierte sich kurzerhand im Krankenhaus ein, ging nur noch in ihre Wohnung, um ihre Wäsche zu waschen und ihre Pflanzen zu versorgen. Leise trat ich ein und sah auf das herzzerreißende Bild, das sich mir bot.

Shelley lag halb auf Peter und küsste liebevoll sein blasses Gesicht.

„Liebster, so wach doch endlich auf“, flüsterte sie voller Verzweiflung und fuhr mit ihren Fingerspitzen zärtlich über sein Gesicht. Kein Zucken verriet, ob er die liebevolle Berührung spürte und einzelne Tränen tropften auf seine Lippen, die sie ihm wieder zärtlich wegküsste. Er rührte sich in keinster Weise und sie legte ihren Kopf auf seiner Brust ab. Alle Schläuche waren entfernt worden, da er wieder selbstständig atmen konnte und es sah zumindest optisch nicht mehr ganz so schlimm aus. Doch der Schein trug. Je länger sein Koma andauerte, umso schlechter standen seine Chancen, jemals wieder aufzuwachen. Shelley, selbst ausgebildete Krankenschwester, wusste dies besser als jeder andere.

„Shelley“, sagte ich leise und sie hob widerwillig den Kopf von seiner Brust.

„Bella!“

Sie setzte sich auf und fuhr sich glättend, über ihre zerzausten Haare. Sie sahen aus, als wäre ein stürmischer Liebhaber wild durch sie hindurch gefahren, doch wir wussten beide, dass die einzig dafür in Frage kommende Person, dazu nicht in der Lage war.

„Entschuldige bitte, ich habe dich gar nicht reinkommen hören. Wo hast du denn Jake gelassen? Der folgt dir doch sonst immer wie ein Schatten.“

„Jake liegt im Aufwachraum eures Krankenhauses und erholt sich von seinem Blinddarmdurchbruch. Es war sehr knapp, aber er wird wieder gesund werden.  Er ist mitten im Eingangsbereich zusammengebrochen!  Zumindest hat er sich den besten Ort dafür rausgesucht, um mit dem Boden Bekanntschaft zu machen. So ein sturer Esel, es ging ihm den ganzen Tag schon furchtbar schlecht, aber er wollte partout nicht zum Arzt. Das hat er jetzt davon!“

Fassungslos sah sie mich an.

„Aber dann bist du ja völlig schutzlos!“
„Nein, das stimmt nicht. Ich habe eine bombensichere Alarmanlage!  Keiner kommt rein oder raus, ohne registriert zu werden und du brauchst die Zugangscodes, um ins Hausinnere zu gelangen. Wenn nicht, schlägt sie augenblicklich an und die Polizei steht nach ein paar Minuten vor der Tür. Sie wird nicht einbrechen, um mir etwas anzutun. Solange das Kind nicht auf der Welt ist, wird sie nichts unternehmen, weil es  ihr gar nicht um mich geht.“

Shelley schüttelte resignierend den Kopf.

„Wie du meinst! Du wirst deinen Dickschädel sowieso durchsetzen.“

„Mach dir keine Sorgen. Morgen kümmere ich mich als Erstes, um Ersatz für Jake. Ich bin nicht so verrückt, dass ich ohne Schutz durch die Gegend laufe. Es geht doch nur um heute Nacht. Ich schließe mich im Schlafzimmer ein und lasse die Jalousien runter. Morgen früh werde ich mich dann von Jazz und Alice abholen. Bist du jetzt beruhigt?“

„Nur halbwegs. Du weißt doch, wie gefährlich sie ist. Sieh dir nur Peter an.“

Wieder strich sie ihm zärtlich durchs Haar.

„Weißt du was am schlimmsten für mich ist?“

Ich schüttelte verneinend den  Kopf.

„Wenn er aufwacht, wird wahrscheinlich alles so sein wie vorher. Er wird sich bedanken und mich wieder wegschubsen. Er hat solche Panik davor, eine feste Bindung einzugehen, dass ich mich frage, was ihm passiert ist. Es muss doch einen Grund dafür geben, dass er so vehement einer Beziehung aus dem Weg geht.“

Traurig ließ ich den Kopf hängen. Ich wusste ganz genau, warum er solche Angst hatte, sich fallen zu lassen. Neun Jahre lang war er der festen Überzeugung, dass er verliebt in mich sei und nach einem Kuss wurde ihm klar, dass er komplett falsch lag. Er empfand Verehrung für mich, vielleicht reizte ihn auch meine damalige Unschuld, aber es war niemals Liebe. Er traute sich selbst nicht und hatte wahrscheinlich Panik davor, eines Tages neben einer Frau aufzuwachen und zu merken, dass er wieder einen Fehler machte. Doch bei Shelley lag der Fall ganz anders. Ich konnte lange genug beobachten, wie er sie ansah, mit ihr sprach und mit ihr umging. Da waren tiefe Gefühle im Spiel, die aus tiefster Seele erwidert wurden.

„Shelley, es gibt da etwas in Peters Vergangenheit, was ihn sehr vorsichtig gemacht hat. Ich weiß nicht, ob es ihm recht wäre, wenn ich es dir erzähle, deshalb halte ich es für besser, wenn du ihn selbst danach frägst, sobald er wieder genesen ist. Ich glaube nicht, dass er dich nach so einem Erlebnis wieder fortstoßen wird. Du gibst dich ja fast selbst auf, um ihn zu pflegen und bei ihm zu sein. Welchen größeren Liebesbeweis könnte er noch erwarten? Er wird merken, was er an dir hat und sich zu dir bekennen, da bin ich mir sicher.“

Sie sah mich mit neuer Hoffnung an und strich sanft über seinen Handrücken.

„Das wäre schön“, sagte sie schlicht.

Ich gab ihr ein Küsschen  auf die Wange und ging zur Tür.

„Bella!“, hielt sie mich zurück. Ich stoppte und wandte mich ihr wieder zu.

„Ja?“

„Sein vorsichtig, versprichst du mir das?“

Gerührt nickte ich und ließ sie dann mit Peter allein.

Ich ging noch zu Leah, um mich zu verabschieden und um nach Jake zu sehen. Er lag immer noch im Tiefschlaf und es würde dauern, bis er erwachte. Jetzt war ich zu müde und abgekämpft, um mich noch weiter auf den harten Krankenhausstühlen zu quälen. Nachdem ich auch Leah das Versprechen gab, mich morgen um adäquaten Ersatz für Jake zu kümmern, setzte ich mich in Bewegung, um zu meinem Auto zu gelangen.

Zuhause duschte ich und machte mich bettfertig. Jetzt, wo ich so ganz allein war, wurde mir doch ein wenig mulmig zumute. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, gleich zu Alice und Jasper zu fahren. Sie hätten mich sicher mit Freuden aufgenommen! Draußen war es bereits dunkel, der Mond wurde von düsteren,  schwarzen Wolken teilweise verdeckt und ein leichter Wind bog die Bäume hin und her, während die Blätter der selbigen  flatternd von den Ästen fielen. Wir wohnten etwas außerhalb von Seattle und der nächste Nachbar war einige Kilometer entfernt. Mir wurde bewusst, wie leichtsinnig es von mir war, mich völlig allein nach Hause zu begeben. Rebecca oder besser gesagt Cassandra war unberechenbar und man konnte nie wissen, was ihr als Nächstes einfiel.

Ich verspürte Hunger, da ich heute noch nichts Anständiges gegessen hatte, wegen der ganzen Ereignisse. Mir selbst Mut zusprechend, schlich ich mich runter in die Küche und plünderte den Kühlschrank. Diese alltägliche Handlung beruhigte mich ein wenig und meine Angst ließ nach. Schnell verschlang ich ein Sandwich und trank dazu ein Glas Milch, da ich mich nicht lange aufhalten wollte, um so schnell wie möglich  mein Bett aufzusuchen. Ein leises Prasseln an den Fensterscheiben, verriet den angekündigten Regen und der Wind verstärkte sich zunehmend. Ein pfeifendes und klagendes Geräusch zog durch die Abzugshaube unseres Ofens und ließ mich zusammenzucken. Es hörte sich unglaublich unheimlich an, da ich allein und mit einer blühenden Fantasie ausgestattet war. Das erste Donnern des Gewitters verstärkte mein Unbehagen und ich fragte mich ernsthaft, warum ausgerechnet immer dann ein Sturm aufzog, wenn ich allein war. Hatte sich denn selbst der Wettergott gegen mich verschworen?

Innerhalb weniger Minuten stürmte es draußen, was das Zeug hielt. Abgeknickte Äste knallten gegen die Fenster, auf der Terrasse fiel durch die Wucht des Windes ein großer Terracottatopf um,  während der Regen die Blumen im Garten niederpeitschte. Wieder ein mächtiges Donnern und ich hörte kurz darauf etwas im Wohnzimmer zu Bruch gehen. Zu Tode erschrocken, spürte ich plötzlich ein schmerzhaftes Ziehen im Unterleib und krümmte mich gepeinigt zusammen. Keuchend stütze ich mich an der Küchenzeile ab, ein Blitz schlug in den Baum im Garten ein und das Haus lag Sekunden später in völliger Dunkelheit, weil vermutlich alle Sicherungen durchbrannten. Die Küche lag im Halbdunkel, nur erhellt von den Blitzen am Himmel und mein Entsetzen erreichte seinen Höhepunkt, als ich eine schemenhafte Gestalt erkannte, die sich mit mir im Raum befand.

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