Bellas PoV
"Guten Morgen ", zwitscherte mir eine fröhliche Stimme ins Ohr, " die Sonne lacht, das Frühstück ist fertig und die Arbeit ruft."
Alice war morgens immer so ekelhaft gut gelaunt, während ich selbst, immer ein paar Minuten brauchte, bis ich ansprechbar war. Verschlafen setzte ich mich auf und schielte zum Wecker.
"Alice es ist noch mitten in der Nacht!"
Ich ließ mich stöhnend in die Kissen sinken. Es war erst halb sieben, was für mich hieß, dass die Nacht noch lange nicht vorbei war.
"Ach was, stell dich nicht so an. Ich hab ein tolles Frühstück für uns vorbereitet. Nach der ganzen Heulerei gestern Nacht, brauchst du was Anständiges im Magen. Der Nährwert der Schokolade, die du gestern vertilgt hast, war doch gleich Null. Also, husch, husch, raus aus den Federn."
Geschlagen erhob ich mich und tapste ins Bad.
Die Wohnung war wie Alice selbst. Winzig.
Ein Blick in den Spiegel ließ mich zurückschrecken, und ganz getreu dem Motto, "Ich kenn dich zwar nicht, aber ich wasch dich trotzdem", begann ich mich einigermaßen präsentabel zu machen. Eine viertel Stunde später, gesellte ich mich frisch geduscht und in bequemen Klamotten, zu Alice in die Küche. Ich betrachtete skeptisch den kleinen Eßtisch.
"Alice, wer soll das alles essen?"
Massen an Rührei mit Speck, Pfannkuchen mit Sirup und Croissants bedeckten die Oberfläche des Tisches. Ein Wunder, dass sie das Geschirr noch untergebracht hatte.
"Na du und ich, Baby", trällerte Alicce singend und fing an zu grinsen, als mein Magen lautstark knurrte.
Ich musste lachen.
"Okay du hast gewonnen. Ich glaube, ich habe meinen Hunger doch unterschätzt."
"Das wußte ich", äußerte Alice zufrieden und fing an unsere Teller vollzuladen.
Schweigend widmeten wir uns den Köstlichkeiten und hingen jeder für sich den Gedanken nach.
Mir ging es heute Morgen bedeutend besser, da Alice der beste Seelendoktor war, den man sich wünschen konnte. Sich auszusprechen, hatte richtig gutgetan und ich fühlte mich, wie von einer großen Last befreit.
"Alice, ich wollte dir nochmals danken. Ich weiß nicht, was ich ohne dich gemacht hätte."
Meine Freundin betrachtete mich ernst.
"Das ist doch selbstverständlich. Freunde sollten in Zeiten der Not da sein und du kannst immer mit meiner Unterstützung rechnen. Bleib hier, solange du willst! Wenn ich daran denke, wie oft du mich wegen Jasper getröstet hast,wenn er mal wieder mit einer neuen Blondine aufgekreuzt ist, dann ist es doch klar, dass ich auch dir zuhöre, wenn du Kummer hast."
Gerührt blickte ich sie an. Eine solche Freundin zu haben, erwärmte mir mein Herz und ich fühlte mich nicht mehr so einsam und allein.
Natürlich war ich todunglücklich, ohne Edward, doch ich bereute meinen Weggang nicht. Er konnte und durfte nicht so mit mir umspringen, da ich immer noch seine Frau war. Ich hatte an erster Stelle zu stehen! Nicht etwa seine Arbeit, oder seine supertolle Tanya.
Mit weniger würde ich mich nicht zufriedengeben. Das Leben war zu kurz, um ständig die zweite Geige zu spielen.
Kurz vor acht, waren wir dabei den Tisch abzuräumen, als ein lautes Hämmern uns unterbrach.
"Alice mach die Tür auf! Ich weiß das sie bei dir ist " ,hörte ich Edwards Stimme rufen.
Hatte er vergessen wie man eine Klingel benutzt?
"Soll ich ihn für dich verhauen ", fragte Alice mich ganz lieb.
Ich legte den Kopf schräg.
"Das würdest du für mich tun."
"Klar doch", rief sie heroisch.
Seufzend schüttelte ich den Kopf.
"Lass ihn rein, Alice. Irgendwann muss ich dieses Gespräch hinter mich bringen."
Verständnisvoll sah sie mich an und ging mit ihrer Handtasche bewaffnet zur Tür. Diese schwang auf und ich erblickte Edward.
Ich hätte fast gelacht, wenn ich nicht so traurig gewesen wäre, den
er sah grauenhaft aus. Das Haar stand in allen Richtungen ab, er war nicht rasiert und unter seinen Augen lagen tiefe Schatten. Eine gewisse Genugtung erfüllte mich bei diesem Anblick. Sollte er ruhig auch ein bißchen leiden!
Meine kleine Freundin unterbrach die Stille.
"Ich werde jetzt gehen, aber ich sag dir eins, Edward Cullen. Wenn du ihr wieder weh tust, komme ich höchstpersönlich und trete dir in den Hintern. Verstanden?"
Nach dieser ernstgemeinten Ansage schwebte sie dramatisch aus der Wohnung, aber nicht ohne ihm noch einen bitterbösen Blick zu schenken.
Er trat endgültig über die Schwelle und schloss vorsichtig die Tür, um dann nach ein paar Schritten, groß und breit vor mir zu stehen. Er sah mich nur eindringlich an und sagte keinen Ton. Langsam wurde ich unruhig.
Sein Blick war voller Schmerz und als er seine Hand hob, um sie mir auf die glühende Wange zu legen, wehrte ich mich nicht.
"Bella, es tut mir alles so leid. Mir war nicht klar, dass ich dich mit meinem Verhalten so verletzt habe."
"Ein bißchen spät für Reue, findest du nicht?", erwiderte ich kalt und entzog mich seiner Berührung.
"Geh doch zu deiner Tanya und lass dich von ihr trösten. Gestern war sie dir ja auch wichtiger. Und erzähl mir nicht, da wäre niemand gewesen der sie hätte abholen können. Wenn dir der Abend mit mir wirklich wichtig gewesen wäre, hättest du einen Weg gefunden, um sie nicht selbst versorgen zu müssen. Gerade, weil du weißt, wie empfindlich ich auf sie reagiere."
"Ich weiß, dass du sauer bist, aber gib mir eine Chance, dir zu beweisen, wie wichtig du mir bist", rief er verzweifelt.
"Ich weiß nicht", sagte ich ," du hast mir wirklich weh getan und kannst nicht einfach kommen, und meinen, mit einer Entschuldigung wäre alles aus der Welt geschafft. Es geht hier um grundsätzliche Dinge, die in unserer Ehe schieflaufen. Für dich bin ich doch selbstverständlich geworden und genauso hast du mich auch behandelt."
Schuldbewußt sah er mich an.
"Du hast recht. Ich habe mich benommen wie ein Vollidiot.Doch wenn du mir eine Chance gibst, werde ich dir beweisen, was du mir bedeutest. Ich will mich ehrlich ändern, Bella."
"Ich weiß nicht recht", erwiderte ich.
"Bitte, Bella", bettelte er.
"Und wie stellst du dir das vor?"
Nervös fuhr er sich durchs Haar. Er wirkte auf einmal unsicher.
" Also...also ich ...ich möchte. Also ich möchte dich um...um ein Date bitten", stieß er dann hervor.
"Ein Date! Du bittest mich um ein Date?"
Plötzlich lächelte er strahlend, und dieses Lächeln traf mich mit der Wucht einer Abrißbirne. Ich konnte ihm einfach nicht widerstehen, wenn er den Verführer rauskehrte. Das wußte er aber auch!
Trotzdem konnte ich mich seinem Charme nicht entziehen.
"Na gut. Ein Date. Aber wenn du es wieder versaust, siehst du mich nie wieder", drohte ich ihm.
Er lächelte siegessicher und trotzdem zärtlich.
"Glaub mir du wirst es nicht bereuen."
Alice PoV
Langsam schlenderte ich die ruhige Seitenstraße entlang und war in Gedanken bei Bella. Hoffentlich konnten die beiden sich aussprechen!
Im Grunde waren die zwei ein wundervolles Paar. Edward war nur ein wenig vom Weg abgekommen.
Melancholisch dachte ich an mein eigenes nicht vorhandenes Liebesleben. Seit ich Jasper kannte, waren andere Männer bedeutungslos geworden. Ich wußte, aus uns beiden würde nie etwas werden, dazu war ich nicht glamourös genug, trotzdem machte ein einziges Lächeln von ihm mich glücklicher, als jede Beziehung vorher. Aber langsam fing es an wehzutun. Gab es etwas schlimmeres als unerwiderte Liebe?
Ein schnurrendes und brummendes Geräusch neben mir störte meine Gedankengänge. Gleichgültig sah ich zur Seite, nur um entsetzt zu quieken.
Jasper Whitlock fuhr langsam in seinem Porsche Cabrio neben mir her.
"Guten Morgen, Alice! So früh schon unterwegs?", fragte er mich grinsend und schob sich die Sonnenbrille nach oben.
Oh mein Gott sah er sexy aus. Das war so unfair.
"Guten Morgen! Naja, ich bin auf dem Weg zur Arbeit."
Klasse Alice, endlich ein Satz ohne zu stottern.
"Soll ich sie mitnehmen?", fragte er mich verführerisch.
Verführerisch! Was war denn in den gefahren? Sonst hatte er mich auch nicht näher beachtet. Waren ihm seine Blondinen zu langweilig geworden und er suchte Abwechslung. Dazu war ich mir dann doch zu Schade.
"Das ist sehr nett von Ihnen, aber ich glaube ich werde laufen", sagte ich freundlich aber bestimmt.
Für einen Moment entgleisten ihm die Gesichtzüge. Damit hatte er wohl nicht gerechnet.
"Nun, wie sie wollen", antwortete er gezwungen.
Er war sauer.
Jasper gab Gas und brauste mit einem Höllenlärm davon.
Traurig blickte ich ihm nach. Wie gern wäre ich mitgefahren, doch ich mußte vernünftig sein und mein kleines Herz beschützen, bevor es endgültig zerbrach.
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