Bellas Pov
Nach und nach trudelten die Gäste ein und der Saal füllte sich zunehmend. Alice und Jasper waren die perfekten Gastgeber und begrüßten jeden Einzelnen persönlich, was nicht schwer war, da sie wie die Schweizer Garde neben der Eingangstür standen und alle abpassten.
Amüsiert beobachtete ich Alice, die sich sichtliche Mühe gab, ihre Nervosität zu unterdrücken, was ihr auch größtenteils gelang.
Sie schielte immer wieder nach draußen, da jede Sekunde Jaspers Mutter erwartet wurde.
Sie hatte einen Heidenrespekt vor Mrs. Whitlock, obwohl sie sie noch nie gesehen hatte. Ein kurzes Telefonat war der einzige Kontakt, den sie bisher hatten und das hatte Alice gereicht.
Mrs. Whitlock war eine sehr strenge Frau, das gab auch Jasper zu, aber ich war sicher, sie machte sich umsonst Gedanken. Jeder konnte sehen, dass Alice ihren Verlobten ehrlich liebte und das konnte auf Dauer keine Mutter ignorieren.
Ich stand am Buffet während Edward mir etwas Alkoholfreies zu Trinken besorgte, und begutachtete die vielen Leckereien.
Mein Teller quoll schon fast über, als Shelleys leises Lachen mich aufschauen ließ.
"Na, da hat aber jemand Hunger."
Ich verzog den Mund etwas unwillig.
"Wenn ich schon auseinander gehe wie ein Luftballon, dann will ich wenigstens wissen, wieso."
"Bella, du mußt dich nicht rechtfertigen. Iß, worauf immer du Lust hast. Jetzt schaut dich keiner schief von der Seite an, wenn du dir den Bauch vollschlägst. Das ist der Vorteil, wenn man schwanger ist. Was glaubst du, wie gern ich mir den Teller volladen möchte, aber Mum würde mich umbringen, wenn sie sie das sehen würde. Sie hält Disziplin beim Essen für eine große Tugend."
Seufzend strich sie sich über die perfekt geformten Hüften.
"Ich glaube nicht, dass es dir schaden würde, etwas mehr zu essen," erklang Peter´s Stimme.
Shelley und ich drehten uns in seine Richtung und sahen ihn verdutzt an.
Er kam näher und tippte Shelley an den Rippenbogen.
"Du bist dünn wie ein kleines Vögelchen. Wenn ich Einfluß darauf hätte, würde ich dich jeden Tag füttern, bis du hier ein wenig Speck angesetzt hast."
Shelleys Augen wurden zu schmalen Schlitzen.
"Leider hast du keinen Einfluß darauf. Was und wieviel ich esse, geht dich überhaupt nichts an," zischte sie
"Jetzt krieg dich wieder ein," sagte er belustigt.
Edwards Auftauchen verhinderte einen weiteren Streit der Beiden.
Er drückte mir ein Glas Orangensaft in die Hand und stellte sich an meine Seite.
"Gibt es wieder Stress?" fragte er in die Runde.
Shelley schnaubte eingeschnappt und Peter zuckte nur die Schultern.
"Die Lady ist heute ein wenig empfindlich. Ich denke, ich werde mich jetzt ein wenig unter die Gäste mischen. Wir sehen uns noch."
Er kehrte uns den Rücken und verschwand in der Menge.
Shelley sah ihm etwas traurig hinterher. Sie bedauerte wohl, dass sie so zickig reagiert hatte.
"Ich werd dann mal zu Alice gehen," sagte sie," sie braucht bestimmt Unterstützung, wenn Mum ankommt und sie unter die Lupe nimmt."
Wir waren wieder unter uns und Edward beobachtete, wie ich das Glas an die Lippen hob und genüßlich an dem kalten Getränk nippte.
"Frischgepresster Orangensaft," äußerte er verschmitzt," ich hoffe, er kann mit deinem mithalten."
Fast verschluckte ich mich, weil ich so lachen mußte.
"Du bist gemein, Edward. Als ob du nicht genau wüßtest, dass ich die blöde Saftpresse noch nie angerührt habe."
Mit breitem Lächeln sah er mich an.
"Natürlich weiß ich das. Ich wollte aber, dass du es selber zugibst. Bella, Liebling, es war nicht nett von dir, mich anzuflunkern. Ich werde mir eine Strafe für dich ausdenken müssen."
Frech sah ich ihn an und kicherte.
"Ich glaub dir kein Wort. Das bringst du eh nicht übers Herz."
"Wart´s nur ab. Ich bin härter als ich aussehe. Schließlich bin ich Staatsanwalt."
Arrogant hob er die Augenbrauen und sah mich überheblich an. Lange hielt er aber nicht durch und brach in schallendes Lachen aus, als er meinen zweifelnden Gesichtsausdruck bemerkte.
"Du bist unmöglich, Cullen," schimpfte ich.
Eine Stunde später war die Feier in vollem Gange. Jaspers Mum war in der Zwischenzeit angekommen und unterhielt sich leise mit ihrem Sohn.
Sie hatte Alice zwar nicht herzlich, aber immerhin freundlich aufgenommen, was diese erleichtert erwidert hatte. Seine Mutter brauchte eben ein bißchen, bis sie mit neuen Menschen warm wurde. Doch Jaspers Worte und sein glücklicher Gesichtsausdruck ließen die Kälte in ihrem Ausdruck langsam verschwinden und machten einem leichten Lächeln platz. Schließlich beendete sie die Unterhaltung mit ihrem Sohn und zog Alice an ihre Seite.
Gespannt beobachtete ich die Reaktionen der Beiden.
Zu meiner großen Überraschung lachte seine Mutter herzlich über Alice Worte und drückte ihr freundschaftlich die Schulter.
Was immer sie auch gesagt hatte, sie schien sie damit auf ihre Seite gezogen zu haben.
Freudestrahlend kam sie auf mich und Edward zu.
"Sie mag mich," sagte sie überglücklich.
"Hast du ernsthaft daran gezweifelt, dass sie das nicht tun würde? Jeder mag dich," fragte Edward ehrlich überrascht.
Sie sah ihn etwas erstaunt an. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass Edward eine so hohe Meinung von ihr hatte.
Ich nahm sie in den Arm und drückte sie fest.
"Jetzt genieß endlich die Party. Es ist dein Abend, Liebes."
Sie nickte und schrie dann aufgeregt.
"Oh, da kommt ja Joe. Er hat es tatsächlich geschafft, sich mit den Krücken nicht den Hals zu brechen."
"Er heißt ja nicht Bella," schoss es aus Edward raus.
Ohne nachzudenken verpaßte ich ihm einen Tritt, während Alice davoneilte, um ihn zu begrüßen.
"Es können ja nicht alle so perfekt sein wie du," schmollte ich.
"Bitte verzeih mir, Liebes," säuselte er mir ins Ohr.
Sofort schoß wieder Hitze in mir hoch. Ich kippte den kalten Saft in einem Zug hinunter und hielt ihm das Glas hin.
"Durst," sagte ich auf seinen fragenden Blick hin.
Er nahm mir etwas verdutzt das Glas ab und machte sich davon, um mir Nachschub zu besorgen.
Tief atmete ich aus. Solange er einen gewissen Abstand hielt, war alles in bester Ordnung, doch seine unmittelbare Nähe, machte mir doch schwer zu schaffen. Wie sollte eine Frau denn da vernünftig bleiben?
Suchend scannte mein Blick die Gäste.
Bisher konnte ich gar nicht Rose und Emmet entdecken.
Als Edward mit einem neuen Glas zurückkam, sprach ich ihn darauf an.
Er zuckte die Schultern.
"Bis jetzt hab ich keinen von beiden gesehen. Vielleicht verspäten sie sich nur."
Kaum ausgesprochen, polterte Emmet durch die Tür in Begleitung seiner wunderschönen Ehefrau. Rose sah wie immer wundervoll aus und beobachtete nachsichtig ihren Ehemann, der sich durch die Menge pflügte.
Ich winkte beiden zu und bald schon waren wir eine lockere Gruppe, die sich köstlich amüsierte. Peter war wieder zu uns gestoßen, sowie Jasper und Alice, nachdem sie ihre Gastgeberpflichten wahrgenommen hatten.
Joe war schließlich der Letzte, der sich der Runde anschloß.
Er war sowieso der Knaller des Abends. Er trug einen schrillen roten Anzug, das Haar hatte er zu einem Pferdeschwanz im Nacken zusammengebunden und er trug Unmengen an Schmuck, die seine Hände und den Hals zierten.
Hemmungslos flirtete er Peter an, der sich sichtlich unwohl fühlte.
So einer Situation war er wohl noch nie ausgesetzt, aber er war viel zu höflich, um dem armen, verliebten Joe eine direkte Abfuhr zu erteilen. Hilfesuchend sah er sich um, als plötzlich Shelley an seiner Seite war und ihn zärtlich auf die Wange küßte.
"Schatz, da bist du ja," säuselte sie veführerisch," wie ich sehe, hat Joe gut auf dich aufgepaßt, solange ich weg war."
Sie richtete den Blick auf Joe.
"Weißt du, egal wo wir hinkommen, wird er von Frauen belagert. Es ist wirklich lästig. Umso glücklicher bin ich, dass du ihn heute davor bewahrt hast."
"Ähm, ja...also...gern geschehen," erwiderte er etwas enttäuscht.
Peter sah Shelley durchdringend an und schlang den Arm um ihre Hüfte. Sie war nicht in der Lage, ihn anzusehen oder sich zu wehren.
In die Situation hatte sie sich selbst gebracht und kam nicht mehr raus, ohne als Lügnerin dazustehen.
Eins war klar. Peter würde das weidlich ausnützen, was unschwer an seinem diabolischen Lächeln zu erkennen war.
Müde lehnte ich mich an Edward und unterdrückte ein Gähnen. Es war schon recht spät und der lange Tag forderte seinen Tribut.
Meine Beine taten weh, der Rücken schmerzte und ich wollte eigentlich nur noch meinen geplagten Körper ausstrecken und mich keinen Milimeter mehr bewegen.
"Soll ich dich heimbringen?"
Die Frage kam von Edward, der mich musterte und merkte, wie abgekämpft ich war.
"Glaubst du, es wäre unhöflich, wenn wir jetzt gehen?"
Immerhin war es Alice Verlobungsfeier, da sollte man meinen, ich würde ein bißchen länger durchhalten.
"Blödsinn, sie würde dir die Leviten lesen, wenn sie wüßte, wie müde du bist. Komm, wir verabschieden uns und ich fahr dich nach Hause."
Alice zeigte großes Verständnis und war kein bißchen böse. Sie und Jasper wünschten uns noch eine gute Nacht. Nachdem wir uns noch von den anderen verabschiedet hatten, saß ich auch schon in seinem Wagen und schloß die Augen.
"Es war eine wundervolle Feier. Alice war so glücklich, ich gönne ihr das von ganzem Herzen. Keine hat es mehr verdient als sie," murmelte ich.
"Das seh ich aber anders. Du bist diejenige, die das meiste Glück verdient. Ich hoffe, dass ich es bin, der es dir eines Tages wieder schenken darf."
Die Lider öffnend blickte ich in seine grünen Augen und versank darin. Er hatte den Wagen in der Zwischenzeit gestoppt und betrachtete mich intensiv.
Jetzt, genau in dieser Sekunde, wurde mir klar, wie sehr ich ihn wirklich liebte.
Sehnsüchtig streckte ich die Hände nach ihm aus und er kam mir sofort entgegen.
Unsere Lippen verschmolzen zu einem endlosen Kuss. Ich wollte nicht mehr warten, ich hatte es so satt.
"Komm mit rauf, Edward. Ich will dich," stieß ich errregt hervor.
Die Müdigkeit war wie weggeblasen, unablässig strichen meine Lippen über sein geliebtes Gesicht und ich versuchte, mit den Händen, soviel wie nur möglich von ihm zu erreichen.
Heftig erwiderte er die Liebkosungen und verlor ebenfalls sämtliche Kontrolle. Seine Hände strichen über meinen Körper, seine Zunge spielte mit wild und doch zärtlich mit meiner.
Wir stiegen aus dem Wagen und hasteten in Richtung Aufzüge.
Kaum schlossen sich die Türen hinter uns, stürzten wir uns wieder aufeinander. Er wölbte eine Hand um meine Brust, drückte sie und rieb die Handfläche an der Spitze.
Der Aufzug öffnete sich und wir polterten den Gang entlang zu meiner Wohnungstür. Mit zitternden Händen steckte ich den Schlüssel ins Schloß, während er meinen Nacken küßte. Die Tür öffnete sich und wir stolperten in die dunkle Wohnung.
Mit einem gezielten Schlag drückte ich auf den Lichtschalter, öffnete kurz die Augen und schrie entsetzt auf.......
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