Edwards PoV
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte ich das Gefühl. mein Schädel müsste explodieren. Die unzähligen Whiskeys gestern Abend waren eindeutig zu viel. Mühsam setzte ich mich im Bett auf und schaute mich blinzelnd um. Wie in aller Welt war ich nach Hause gekommen? Die Erinnerung kam plötzlich und ich stöhnte gequält auf.
Tanya! Der Kuss!
Oh Scheiße, das hatte mir gerade noch gefehlt. Ich hatte mich meiner Freundin sexuell genähert und sie dann auch noch abgewiesen. Aber es hatte sich einfach so falsch angefühlt.
Was mich noch beunruhigte, war, dass es von meiner Seite her zu keinerlei körperlicher Reaktion kam. Tanya war wirklich eine wunderschöne Frau, aber ich hatte keinerlei Erregung verspürt. Wurde ich jetzt etwa impotent?
Oder hatte Bella mich für alle Frauen verdorben?
Allein der Gedanke an sie, zeigte mir, dass ich keineswegs impotent war. Frustriert hob ich die Bettdecke an und sah meine unmissverständliche Erregung. Warum reichte nur der Gedanke an sie, um mich zu erregen, während Tanya mit all ihrer Raffinesse nicht dazu imstande war? Stöhnend erhob ich mich, um müde ins Bad zu schlurfen.
Dort betrat ich die geräumige Duschkabine und drehte das kalte Wasser auf. Eisig prasselte es auf meinen Körper, und ich schüttelte mich schaudernd. Die Kälte des Wasserstrahls machte mich munter und ließ meine Erregung kläglich in sich zusammensinken.
Nach der Dusche und der Rasur verließ ich das Badezimmer, nur mit einem Handtuch bekleidet. ICh trottete in die Küche, ließ Leitungswasser in ein Glas fließen und schmiss mir ein paar Kopfschmerztabletten ein. Danach setzte ich mich auf einen Stuhl und wartete darauf, dass die Wirkung einsetzte. Erst danach fühlte ich mich imstande in meine Kleidung zu schlüpfen.
Während ich mir die buntgemusterte Krawatte umband, dachte ich darüber nach, wie ich mich bei Tanya entschuldigen konnte. Wir waren Freunde und nicht mehr! Keinesfalls wollte ich Hoffnungen in ihr wecken, die ich nie erfüllen konnte. Ich hing noch zu sehr hing an meiner Frau. Bis jetzt hatte ich es nicht über mich gebracht, an Bella, als meine Ex-Frau zu denken. Obwohl ich derjenige war, der die Scheidung eingereicht hatte, fühlte ich mich noch immer verheiratet.
Ich vermisste sie wahnsinnig! Alles an ihr fehlte mir!
Mittlerweile bereute ich zutiefst, dass ich so übereilt reagiert hatte. Aber der Schmerz über ihren Betrug, hatte mich völlig unvorbereitet getroffen. Alles kam wieder in mir hoch. Ich sah wieder das Gesicht meines Vaters vor mir, als meine Mutter mit gepackten Koffern vor ihm stand und ihm mitteilte, dass sie ihn verlassen würde. Ich erinnerte mich auch daran, wie ich mich an ihren Beinen festgeklammert hatte und weinend darum bettelte, dass sie mich mitnehmen sollte. Sie küsste mich zärtlich auf meine Wange und flüsterte mit tränennassen Augen, dass dies nicht möglich sei.Sie würde mich immer lieben, aber ich sollte auf meinen Papa aufpassen.
Mein Gott, ich war doch erst vier! Viel zu klein, um das alles zu verstehen. NAch ihrer Abreise war mein Dad nie mehr der Selbe. Zwei Jahre später nahm er sich mit Hilfe vonTabletten das Leben. Ohne meine Mutter, konnte er sein Leben nicht mehr ertragen.
Mit sechs Jahren war ich ohne Vater und ohne Mutter. Mein Onkel Carlilse und seine Frau Esme erklärten sich bereit, mich aufzunehmen und so kam ich in die Obhut dieser zwei wundervollen Menschen. Die Kindheit die ich dort verbringen durfte, war wunderschön. Er und Esme liebten mich wie ein leibliches Kind, bald schon konnte ich wieder lachen und verdrängte meinen Kummer über den Verlust beider Elternteile. Meine Mutter meldete sich nie wieder bei mir und so war ich Carlilse und Esme doppelt dankbar, dass sie mich so sehr in ihr Herz schlossen.
Vergessen konnte ich jedoch nie! Immer nagte an mir die Ungewissheit, warum meine Mutter mich im Stich ließ. Wieso war ihr ein anderer Mann wichtiger, als ihr eigenes Kind? Dass sie Dad wegen ihres Liebhabers verließ, erfuht ich erst, als ich schon beinahe erwachsen war und es prägte mich fürs ganze leben. Nie würde ich sowas in meiner eigenen Beziehung tolterieren. Treue war für mich unabdingbar!
Ich hatte rot gesehen, als ich Bella unter James liegen sah. Meine ganzen nachfolgenden Handlungen waren geprägt von Wut, Enttäuschung und Unglauben.
Aber hatte ich sie nicht selbst in die Arme eines anderen Mannes getrieben? Nie hatte ich Zeit für sie, immer war irgendwas Anderes wichtiger als meine Bella. Über Monate hinweg, hatte sie versucht, mit mir darüber zu reden, aber selbst dafür war ich zu beschäftigt. Und wie musste sie sich gefühlt haben, wenn ich ihr von Tanyas toller Arbeit vorgeschwärmt hatte, während ich für ihre Eigene nur ein müdes Lächeln übrig hatte. Da musste erst eine Mrs. Stanhope kommen, um mir die Augen zu öffnen, welche Begeisterung ihre Bücher auslösten.
All diese Dinge waren sicherlich mit ein Grund für unsere Zerrüttung. Doch jetzt war es zu spät. Es gab kein Zurück mehr. Wir hatte einander zu sehr verletzt, trotzdem fühlte ich mich einsamer und verlorener als jemals zuvor in meinem Leben.
Ich verließ das Penthouse, das ich kurzfristig gemietet hatte und fuhr mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage. Nachdem ich in meinem Wagen saß, reihte ich mich zügig in den morgendlichen Verkehr ein. Heute stand ein weiteres Treffen mit meinem Mandanten Malloy an. Der Gedanke an ihn ließ mich schaudern! Ich wusste selbst nicht, was mich dazu bewogen hatte, ihn zu verteidigen. Der Kerl war schuldig! Da war ich mir ganz sicher. Auch wenn er es nach wie vor leugnete, spürte ich das er log. Was war nur aus mir geworden?
Früher hätte ich nie die Verteidigung eines solchen Kerls übernommen. Aber ich war so geblendet von der Möglichkeit, meine Karriere auf den Höhepunkt zu bringen, dass ich alle Skrupel fahren ließ. Außerdem hatte Tanya damals meine Zweifel zerstreut. Wenn wir ihn nicht verteidigten, würde es jemand anderes machen. Warum nicht selbst die Lorbeeren einheimsen? Das erschien mir logisch. Warum sollte nicht unsere Kanzlei von einem spektakulären Freispruch profitieren?
Doch in letzter Zeit kamen mir immer mehr Zweifel. Ich spürte, dass der Weg den ich eingeschlagen hatte, nicht der Richtige war. Aber jetzt konnte ich den Fall nicht mehr niederlegen. Das würde das Ende meiner Karriere bedeuten und auch das Ende der Kanzlei.
Es war an der Zeit, sich ernsthaft zu überlegen, was ich mit meinem Leben noch anfangen wollte.
In meinem Kopf regierte das Chaos und ich hatte keine Ahnung, wie ich dieses Durcheinnander an Gefühlen wieder ordnen sollte. Aber eines wußte ich mit absoluter Sicherheit.
Ich liebte Bella immer noch!
Bella Pov
Zusammen mit Alice betrat ich den Fernsehsender um mich mit Rosalie zu treffen. Ich musste mir das Konzept für die Show ansehen und mein Ok dazu geben. Dann würden die Räder ins Rollen geraten und "Lunas Märchenwald" würde bald an den Start gehen.
Immer noch war ich begeistert, dass jemand solches Interresse an meinem Buch gezeigt hatte. Finanziell hatte ich für immer ausgesorgt. Zumindest in dieser Hinsicht, konnte ich meinem Kind ein sorgenfreies Leben bieten. Noch sah man nicht viel von meiner Schwangerschaft. Ich war sehr schlank und zierlich und man bemerkte nur eine leichte Wölbung meines Bauches. für einen Außenstehenden würde es so aussehen, als hätte ich ein bisschen zugelegt.
Trotzdem wollte ich im Hintergrund bleiben. Keine Interviews und auch keinen großen Rummel um meine Person. Es war viel zu gefährlich! Sollte Edward rausfinden, dass ich schwnager war, würde er anfangen zu rechenen und natürlich zu dem Ergebnis kommen, dass er durchaus der vater des Kindes sein könnte. Er würde auf einem Vaterschaftstest bestehen, um so sicherzustellen, dass er der biologische Erzeuger des Kindes war.
Alice hüpfte neben mir auf und ab und war total begeistert von der Atmosphäre des Fernsehsenders.
Ich musste schmunzeln, als ich an ihre Reaktion auf meine Schwangerschaft zurückdachte.
Zu sagen, dass sie sich freute, wäre maßlos untertrieben. Sie war fast ausgerastet! Eine Stunde lang war sie mir ununterbrochen um den Hals gefallen und schrie immer wieder.
"Wir sind schwanger, wir sind schwanger."
Es war fast so, als würde sie selbst ein Kind bekommen. Wieder breitete sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus. Wenn sie weiterhin so oft mit Jasper schlief, würde selbst die Pille irgendwann entnervt aufgeben und ihre Wirkung verlieren. Ich kicherte belustigt und sie sah mich von der Seite an.
"Was ist denn so witztig?" fragte sie.
Gott sei Dank bewahrte mich Rosalies und Victorias Auftauchen vor einer Antwort.
"Hallo ihr Beiden", rief sie und winkte uns fröhlich zu.
Wir vier hatten alle spontan Freundschaft geschlossen. Wie Hühner saßen wir dann in der Kantine und kicherten und lachten. Es tat so gut, wieder etwas unbeschwerter zu sein. Ich war der Meinung, ich hätte genug gelitten und versuchte wieder ins normale Leben zurückzukehren.
"Nun Bella", sagte Rose," bald schon, ist es soweit.Ich kann es kaum erwarten, dass die erste Folge ausgestrahlt wird. Maggie ist schon ganz aus dem Häuschen. Sie möchte dich außerdem unbedingt kennenlernen. Aus diesem Grund möchten wir dich und Alice gerne zu uns übers Wochenende einladen. Ihr dürft natürlich jemanden mitbringen! Es ist nur eine kleine Feier, die dir zu Ehren stattfindet. Wir müssen doch den Vertragsabschluss gebührend einweihen."
Verblüfft sah ich sie an.
"Wow, das ist ja unglaublich! Ihr sollt euch doch nicht soviel Mühe machen."
"Ach was. Das ist doch keine Mühe! Victoria wird alles organisieren. Ohne sie wäre ich sowieso völlig aufgeschmissen. Ich frage mich manchmal, wie du es mit so einer Chaotin wie mir aushalten kannst?"
Sie lächelte die schüchterne Victoria warm an, die prompt errötete. Doch dann lächelte sie strahlend, was ihr Gesicht auf wundersame Weise bildhübsch machte. Das Lächeln erstarb jedoch gleich wieder, nachdem sie auf die Eingangstür der Kantine blickte. Ich drehte mich um und bemerkte das Eintreffen von James, zusammen mit einer wirklich atemberaubenden Blondine.
Oh je, sie hatte sich also doch in ihn verguckt. Auch wenn ich persönlich froh war, dass er ihr keine Beachtung schenkte, tat sie mir doch sehr leid. Sie fühlte sich sowieso schon als Mauerblümchen unter all den attraktiven Fernsehdamen, dass James nun anscheinend Gefallen an einer von diesen fand, war sicherlich nicht leicht für sie zu verkraften.
Er kam an unserem Tisch vorbei und blieb höflich stehen, um uns zu begrüßen. Ich traute ihm immer noch nicht weiter, als ich ihn werfen konnte. Trotzdem musste ich zugeben, dass er sich sehr professionell verhielt. Aber verzeihen würde ich ihm sein würdeloses Verhalten nicht. Dazu war es noch deutlich zun früh.
"Hallo meine Damen, ich wünsche ihnen einen wunderschönen Tag."
Er lächelte strahlend in die Runde und die Röte auf Vickys Gesicht vertiefte sich. Der Mistkerl konnte ja schon charmant sein, wenn er wollte.
"James, gut das ich sie sehe. Wir haben die Einzelheiten durchgesprochen und brauchen jetzt noch das juristische Okay. Wir wollen ja keinem auf die Füße steigen. Vicky kann ihnen die genauen Einzelheiten noch mitteilen. Sie macht das sowieso besser als ich."
Rosalies Worte ließen Vicky entsetzt Aufkeuchen, was ihr einen belustigten Blick von James einbrachte.
"W...w..wieso de..denn i...ich", stotterte sie verzweifelt.
Man sah ihr an, dass ihr der Gedanke, Zeit allein mit James zu verbringen, einen Heidenschreck einjagte.
"Victoria", sagte der nun sanft, " ich verspreche, ich werde sie nicht fressen."
Sein Blick ruhte auf ihr, und ich sah das erste ehrliche Lächeln auf seinem Gesicht, seit ich ihn kannte.
Scheu sah Vicky ihn an und sein Lächeln vertiefte sich. Ihre Mundwinkel hoben sich und sie erwiderte es. Seine Reaktion darauf war unglaublich. James schien plötzlich wie verzaubert.
Wir alle spürten, dass hier etwas Besonderes vorging und zum ersten Mal war ich mir sicher, dass bei James noch nicht alles verloren war. Seine Begleitung war etwas beleidigt, dass sie so ignoriert wurde und drängte zum Aufbruch. Er verabschiedete sich hastig,, aber nicht ohne Vicky noch einen tiefen Blick zu schenken.
"Na das war jetzt sehr aufschlußreich", meinte Alice trocken," Vicky wir müssen dich unbedingt aufmöbeln. Wann hast du Zeit zum Shoppen?"
Wir alle brachen in Gelächter aus. Das war mal wieder typisch Alice.
Ein paar Stunden später wurde ich selbst Opfer von Alice Shoppingwahn. Nachdem ich mich entschlossen hatte die Wohnung zu nehmen, gab es noch Tausend Dinge zu erledigen. An erster Stelle standen die Möbel. Während wir durch die Schlafzimmerabteilung eines Möbelgeschäftes liefen, sah mich Alice plötzlich ernst geworden an.
"Sag mal Bella, was ist das eigentlich mit dir und Peter? Wirst du dich weiter mit ihm treffen?"
"Ich weiß nicht, was daraus wird. Ich genieße seine Gesellschaft. Aber mehr als Freundschaft empfinde ich nicht für ihn. Ich weiß selbst, dass es nicht klug ist, sich weiter mit ihm zu treffen. Über kurz oder lang werde ich ihm von der Schwangerschaft erzählen müssen. Es wird ja bald nicht mehr zu übersehen sein."
"Ich möchte nur nicht, dass du wieder verletzt wirst. Außerdem wäre es nicht fair ihm gegenüber, seine Hoffnungen aufrechtzuerhalten. Ich glaube, du siehst es als Möglichkeit, indirekt Kontakt zu Edward zu halten, und das wäre das Letzte, was du tun solltest."
Ich sah Alice an. Sie hatte ja recht. Es war Peter gegenüber wirklich nicht fair. Ich würde mit ihm reden müssen. Aber würde ich es schaffen, die letzte Brücke zu Edward zu kappen?
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