Edwards Pov
Ich trieb den Wagen zu Höchstgeschwindigkeit, um Bella so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone zu bringen. Immer wieder warf ich einen Blick auf sie und merkte, wie ihr ohnehin schon blasses Gesicht, so bleich wie frisch gefallener Schnee wurde. Ihre Lippen, auf denen sie unablässig herumkaute, waren schon blutrot und betonten ihr wächsern wirkendes Gesicht.
Sie stand unter Schock und ich machte mir große Sorgen um sie und das Baby. Bella war schon am Ende des siebten Monats und die Gefahr einer Frühgeburt allgegenwärtig. Die Ereignisse waren einfach zu drastisch und ich bekam Panik, dass Bella mir hier im Auto kollabieren würde.
„Bella, Schatz. Soll ich dich ins Krankenhaus bringen?“, fragte ich sie besorgt.
Sie schüttelte schwach den Kopf.
„Nein, kein Krankenhaus. Bitte sorg dich nicht! Bring uns einfach zurück nach Hause.“
Die leise hervorgebrachten Worte klangen unglaublich müde und ihre Stimme, sonst so fröhlich und lieblich, war dumpf und leblos.
Ich sollte mich nicht sorgen? Für den Rest meines Lebens würde ich nichts anderes tun! Bella war mein Leben und der einzige Sinn meines Daseins.
Doch die Vergangenheit ließ uns nicht ruhen. Das Schicksal bestrafte uns für die Sünden meiner Familie und machte uns das Leben zur Hölle.
Ich hatte Angst.
Angst, um Bella und das Baby. Angst, vor dem, was noch geschehen würde.
Nora Jenkins verspürte sie auch und das sicher nicht grundlos. Auch wenn ich immer noch Zweifel an ihrem Verstand hegte, nahm ich ihre Panik vor Tanya ernst. Offensichtlich war sie der festen Überzeugung, dass ihre Enkelin, wenn sie es denn war, ihren leiblichen Vater auf dem Gewissen hatte.
Sollten sich all unsere Vermutungen als richtig erweisen, dann war Tanya eine psychopatische Mörderin, die vor keinem Verbrechen zurückschreckte. Mit einem kurzen Blick über die Schulter sah ich auf den Stein, der auf der Rückbank lag. Ich machte jede Wette mit, dass auf dem Papier eine Nachricht zu finden war.
Ein Donnern und Grollen erfüllte die Luft. Ein Sturm zog auf und wir würden nicht mehr viel Zeit haben, bis der Himmel sämtliche Schleusen öffnete und literweise Wasser hinabschickte.
Nach wenigen Minuten passierten wir das Tor zu Carlisles Anwesen. Kein Licht erhellte die Fenster, alles war stockduster. Ich konnte Dad´s, halt nein, Carlisles Wagen nicht ausmachen. Vermutlich zogen sie es vor den Abend woanders zu verbringen, um mich nicht durch ihre Anwesenheit zu provozieren.
Schmerzlich zog sich mein Herz zusammen, es fühlte sich fast so an, als würde es ein paar Schläge lang aussetzten. Diese Offenbarung von den Menschen, denen ich vertraute wie sonst keinem auf der Welt, von Bella mal abgesehen, waren wie ein Dolchstoß.
Jahrelang ließen sie den Hass auf meine Mutter zu, obwohl sie mich ehrlich geliebt und um mich gekämpft hatte.
Ob ich ihnen diesen Verrat jemals verzeihen konnte, wusste ich nicht. Zu tief war die Wunde, die sie mir mit ihren Lügen zugefügt hatten. Der grenzenlose Egoismus meiner „Eltern“ wirkte sich jetzt auf mein eigenes Leben aus und ich musste um das Liebste fürchten, das ich besaß.
Sollte Bella und dem Baby etwas zustoßen, dann konnte keine Reue der Welt mich dazu bringen ihnen zu verzeihen.
Ich parkte den Wagen auf dem Kiesweg vor dem Haus und stieg aus, um Bella aus dem Auto zu helfen.
Fürsorglich legte ich den Arm um ihre Schultern und führte sie die Stufen hinauf, in das dunkle Haus hinein. Drinnen betätigte ich den Lichtschalter und warmes, helles Licht durchflutete den Raum.
„Bella, du musst kurz warten. Ich hole den Stein aus dem Auto.“
Sie nickte leicht und schlang fröstelnd die Arme um ihren Körper. Ich verließ das Haus und steuerte direkt auf das Auto zu. Nachdem ich die hintere Tür geöffnet hatte, langte ich mit zitternden Fingern hinein und schloss meine Faust um den Stein. Das dünne Papier, welches drumherum gewickelt war, knisterte und fühlte sich merkwürdig seidig an.
Mein Herzschlag beschleunigte sich rapide, der Schweiß brach mir aus und ich entfernte die Hülle von dem Stein.
Langsam faltete ich das Papier auseinander und las die Zeilen die in roter, krakeliger Schrift das Blatt zierten.
Schlafe, holder, süßer Knabe,
Leise wiegt dich deiner Mutter Hand;
Sanfte Ruhe, milde Labe
Bringt dir schwebend dieses Wiegenband.
Schlafe in dem süßen Grabe,
Noch beschützt dich deiner Mutter Arm,
Alle Wünsche, alle Habe
Faßt sie lieben, alle liebwarm.
Schlafe in der Flaumen Schoße,
Noch umtönt dich lauter Liebeston,
Eine Lilie, eine Rose,
Nach dem Schlafe werd' sie dir zum Lohn
Geschockt ließ ich das Blatt sinken. Sie wusste es! Sie wusste, dass wir einen Jungen bekommen würden und schickte uns ein unheimliches Wiegenlied.
„Edward?.... Edward, bist du da draußen. Warum kommst du nicht endlich rein?“
Bella stand an der Tür uns sah mich erwartungsvoll an. Sollte ich ihr die Nachricht verschweigen?
Langsam stieg sie die Stufen hinunter und betrachtete mich mit besorgter Miene. Ich bekam meine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle, als sie direkt vor mir stand.
„Was steht auf dem Zettel, Edward! “, fragte sie.
Ich schluckte und reichte ihn ihr. Sie las die unheimlichen Zeilen. Mit jedem Wort, das sie aufnahm schwand ihre Gelassenheit. Eine erste Träne entfloh ihren wundervollen Augen und ein Schluchzen brachte ihren Körper zum erbeben.
„Warum lässt sie uns nicht einfach in Ruhe!“, brach es aus ihr heraus und sie schmiegte sich schutzsuchend an meine Brust.
Fest zog ich sie an mich und versuchte ihr Geborgenheit zu schenken.
„Mein armer, kleiner Schatz“, flüsterte ich ihr zart ins Ohr, “ wein dich ruhig aus. Ich halte dich und lass dich nie mehr los. Tanya wird unser Glück nicht zerstören, das verspreche ich dir. Wir werden ihrem Treiben ein Ende bereiten und sie dahin bringen, wo sie hingehört. Ins Gefängnis.“
Engumschlungen standen wir am Fuß der Treppe und gaben uns gegenseitig Halt, als der Regen einsetzte.
Wir fuhren auseinander und das Blatt mit dem unheimlichen Text segelte wirbelnd zu Boden. Gleichzeitig bückten wir uns danach und bemerkten, dass die Buchstaben verschwammen. Viel zu schnell für normale Tinte.
So etwas Ähnliches hatte ich bei einem meiner Fälle schon mal gesehen und schaudernd wurde mir klar, warum sich das Geschriebene so schnell auflöste.
Es war Blut!
Am nächsten Tag fuhren wir zu Charlie und Renée. Das Papier nahmen wir vorsichtshalber mit, um Charlie darum zu bitten, es in ein Labor zu schicken. Es musste unbedingt geklärt werden, wessen Blut da klebte. Ob es menschlichen oder tierischen Ursprungs war!
Sollte es menschlich sein, würde der nächste Schritt sein, die DNA zu entschlüsseln, um es einer Person zuordnen zu können.
Vielleicht hatten wir Glück und erfuhren so Tanyas wahre Identität.
Liebevoll strich ich über Bellas Handrücken. Ihre Handfläche ruhte währenddessen auf meinem rechten Oberschenkel, als würde allein dieser Kontakt ihr Stärke und Mut geben. Sie hatte dunkle Ringe um ihre Augen und war blasser als gewöhnlich. Den Mundwinkeln war kein Lächeln mehr zu entlocken und sie wirkte extrem abgekämpft.
„Schatz, wenn wir den Besuch bei deinen Eltern hinter uns haben, fahren wir heute noch nach Hause. Ich fühle mich in der Stadt einfach sicherer und werde erste Sicherheitsmaßnahmen einleiten. Du bekommst einen Bodyguard, denn ich lass dich nicht allein durch die Gegend laufen, solange diese Irre noch auf freiem Fuß ist.“
Endlich kam wieder Leben in ihre Züge und entrüstet schnaubte sie mich an.
„Das ist doch wohl nicht dein Ernst, Edward. Ich will keinen Babysitter. Es reicht doch, wenn ich mich immer in der Nähe von Menschen aufhalte. Ich will mein Leben nicht so sehr einschränken, dann hat Tanya doch ihr Ziel erreicht.“
Ich musste wohl drastischere Worte wählen, um Bella zur Vernunft zu bringen.
„Bella! Ich habe in meinem Beruf schon mit einigen Verbrechern zu tun gehabt und kenne ihre Verhaltensmuster. Tanya hat anscheinend völlig den Bezug zur Realität verloren und ich fürchte, es war erst der Anfang. Alles was sie tut, ist geplant und die Vorbereitung zu ihrem nächsten Schritt. Sie wird nicht aufhören, nur weil du unter Menschen bist. Im Gegenteil, wir bringen vielleicht sogar unser Umfeld damit in Gefahr, wenn sie ihr im Weg sind. Sei bitte vernünftig und hör auf mich! Ich mache das nicht aus Spaß, sondern es ist eine absolute Notwendigkeit.“
Frustriert verschränkte sie die Arme vor der Brust und starrte stur geradeaus auf die Straße, doch es kam kein Einwand mehr von ihrer Seite.
Wir hielten vor Charlies Haus und ein mulmiges Gefühl beschlich mich. Der örtliche Polizeichef war schon immer der Überzeugung gewesen, ich sei nicht gut genug für seine Prinzessin und das wurde ihm, nach meinem dämlichen Verhalten vor ein paar Monaten, bestätigt.
Mir klangen noch seine Drohungen in den Ohren nach der Scheidung. Er würde mich erschießen, wenn ich Bella nochmals zu nahe kommen sollte.
Bella spürte meine leisen Zweifel und zum ersten Mal an diesem Morgen lächelte sie.
„Er wird dich schon nicht umbringen, Edward!“, sprach sie meine Gedanken laut aus.
„Du hast seine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter nicht gehört. Er würde mich mit dem größten Vergnügen kastrieren und auf dem nächsten Baum aufknüpfen, oder die andere Variante, mich erschießen und auf dem Grund des Meeres versenken.“
Jetzt musste sie richtig lachen und mein Herz erwärmte sich bei diesem Anblick. Sie war so wunderschön, wenn ihre Züge gelöst und glücklich wirkten. Bella war die schönste Frau meiner Welt und ich dankte Gott jeden Morgen auf Knien dafür, dass sie mir verziehen hatte.
„Gott Edward, er macht doch nur Witze. Du weißt selbst am besten, dass er einen ausgeprägten Beschützerinstinkt mir gegenüber hat und dabei ein bisschen übers Ziel hinausschießt. Er will nicht, dass mir wehgetan wird und reagiert manchmal über. Du darfst ihm deshalb nicht böse sein.“
„Ich bin ihm nicht böse“, erwiderte ich, “ sondern eher dankbar dafür, dass er so auf dich aufpasst. Aber ich hab schon kurz überlegt, ob ich mir eine schusssichere Weste zulegen sollte “ ,schloss ich grinsend.
Mittlerweile waren wir am Haus angelangt und Renée riss schon die Tür auf.
„Bella, oh wie schön dich wiederzusehen!“, rief sie überglücklich, “ Komm in meine Arme, Liebes.“
Überschwänglich drückte sie ihre Tochter an die Brust und wollte sie gar nicht loslassen.
Meine Begrüßung hingegen, fiel um einiges kühler aus.
„Edward.“, sagte sie mit einem förmlichen Kopfnicken.
Puh, das würde nicht einfach werden. Ich hatte zwar keinen Staatsempfang erwartet, doch zumindest von Renée, die mich immer mit liebevoller Nachsicht behandelte, hatte ich mir schon einen wärmeren Empfang erhofft.
Wir folgten ihr ins Wohnzimmer und blickten auf Charlie, der am Tisch saß und seine Dienstwaffen reinigte.
Okaaay, das war deutlich! Er gab mir wortlos zu verstehen, dass er seine Drohung, mir fürchterlich wehzutun, keineswegs vergessen hatte.
Er stand auf und nahm seine Tochter in die Arme. Sie war schon immer Daddys Liebling, da sie ihm unheimlich ähnlich war. Nicht nur optisch, sondern auch vom Naturell her. Sie waren sehr liebevoll und liebten die Ihren von ganzem Herzen, gleichzeitig konnten sie aber auch unheimlich stur und aufbrausend sein. Bei Bella war dieser Zug nicht ganz so stark ausgeprägt, aber durchaus vorhanden. Mit leichtem Lächeln, erinnerte ich mich an ihre Vasen- und Geschirrattacke. Sie konnte eine ganz schöne Kratzbürste sein, wenn sie wollte.
Schließlich stand Charlie direkt vor mir. Er sah mir fest in die Augen, jeder Blick eine unausgesprochene Warnung, ihr niemals wieder so wehzutun.
Ohne Zögern und gleichermaßen fest, erwiderte ich den Augenkontakt und gab ihm so zu verstehen, dass ich verstanden hatte. Diese stille Konversation wurde von Bella unterbrochen.
„Dad, wir sollten uns setzen. Es gibt einige Dinge die wir euch erzählen müssen und wir brauchen dringend deine Hilfe.“
Charlie löste seinen Blick von mir und wandte sich an sein einziges Kind.
„Dann schieß mal los, Engelchen.“, bat er sie.
„Ich denke, es ist besser, wenn Edward die ganze Geschichte erzählt.“, widersprach sie sanft.
Unwillig brummte Charlie und setzte sich an den Tisch zu Bella und Renée. Ich folgte seinem Beispiel und ließ mich neben meiner Frau nieder. Sofort legte sie die Handfläche auf meinen Handrücken und klammerte sich daran fest, etwas das Charlie sofort registrierte.
„Dann fang mal an, Ex-Schwiegersohn!“, sagte er fast schon provozierend.
Renée trat ihm wohl unter dem Tisch ans Schienbein, denn er zuckte kurz mit schmerzerfülltem Stöhnen zusammen und schickte Renée einen bösen Seitenblick.
Es fiel mir schwer die ganze Geschichte zu erzählen, da es auch ein Beweis für meine eigene Dummheit war, dass ich so auf Tanyas Schmierenkomödie reingefallen war. Doch es blieb mir nichts anderes übrig, denn sie mussten die ganze Wahrheit erfahren, um die Sachlage zu verstehen.
Charlie hörte aufmerksam zu, während sein Gesicht bei jedem Satz eine Nuance blasser wurde. Als ich ihm dann noch von dem Brief erzählte und besagten aus dem Umschlag holte, ergriff er ihn mit zitternden Händen, um ihn sich genau anzusehen.
„Das sieht tatsächlich nach Blut aus!“, sagte er nach eingehender Betrachtung, “ wenn du erlaubst, schick ich ihn ans Labor in Port Angeles. Ich habe einen guten Freund dort, der mir sicherlich gern helfen wird.“
„Ich hoffe, wir können rausfinden, von wem es stammt.“, sagte ich.
„Wenn es das Baby war, das deine Mutter geboren hat, werden wir es bald wissen. Allen Kindern wird nach der Geburt Blut abgenommen und es wird viele Jahre lang in den Kühllabors aufbewahrt. Da wir den Namen der Mutter haben, ist es möglich, diese Blutprobe ausfindig zu machen und mit dem Blut dieses Schriftstückes zu vergleichen. Damit wären wir zumindest einen Schritt weiter, auch wenn wir immer noch keinen Namen haben werden.“
Bella hörte bisher still zu, doch dann stellte auch sie eine Frage die ihr unter den Nägeln brannte.
„Dad, du kanntest doch bestimmt Arthur Jenkins und seine Mutter. Sie hat angedeutet, dass er nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Weißt du was darüber?“
Prüfend wurde Bella von ihrem Vater beobachtet, als wollte er herausfinden, ob sie für seine Antwort stark genug sei.
„Es gab damals eine Menge Spekulationen über seinen Tod. Leider wurde ich nicht mit dem Fall betraut, da er außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs zu Tode kam, daher weiß ich keine genauen Einzelheiten. Aber es gab Zweifel, ob es wirklich ein Unfall war. Er ist damals in seinem Wagen verbrannt und keiner konnte rausfinden, warum sich die Zentralverriegelung des Autos nicht öffnen ließ. Der Ford war so verkohlt, dass sich nicht mit Sicherheit feststellen ließ, ob der Wagen manipuliert wurde. Der Fall wurde dann schnell zu den Akten gelegt. Mrs. Jenkins hat damals getobt und immer wieder behauptet, seine uneheliche Tochter hätte ihn auf dem Gewissen. Das erschien allen dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass ihr niemand Beachtung schenkte. Doch jetzt, macht das alles einen Sinn“, stellte er überaus nachdenklich fest.
Bella schloss die Augen, als wir hörten, dass Arthur Jenkins wohl auch zu Tanyas Opfern gehörte. Nora Jenkins Satz kam mir wieder in den Sinn.
„Wer Böses tut, dem ist Böses widerfahren.“
Was hatte man Tanya angetan, dass sie zu so einem Monster wurde?
Wir mussten dringend herausfinden, wer sie adoptiert hatte, sonst würden wir ewig im Dunkeln tappen.
„Charlie, wenn du dich an deine Freunde bei der Polizei in Port Angeles wendest, um was über das Blut herauszufinden, werde ich versuchen, über das Waisenhaus die Familie ausfindig zu machen, die Tanya aufgenommen hat. Bella“, wandte ich mich an meine Frau, “ du kannst Peter anrufen und ihn bitten, etwas über die echte Tanya Denali rauszufinden. Wer sie war, wo sie gelebt hat, Freunde, Schule ect.“
Sie nickte und schien erleichtert, auch etwas tun zu können. Sie hasste es, außen vor zu sein und tatenlos zusehen zu müssen.
Charlie sah mich einigermaßen beeindruckt an.
„Nun, du bist zumindest in der Lage die Situation und die Gefahr richtig einzuschätzen. Ich kümmere mich um die Blutprobe und versuche noch an Details über Jenkins Unfall zu kommen. Ich werde dich auf dem Laufenden halten und du pass mir gut auf meine Tochter und mein Enkelkind auf."
Er legte den Arm um Renées Schultern, die völlig schockiert dasaß und mit den Tränen kämpfte. Charlie küsste sie zart auf die Schläfe und flüsterte ihr beruhigende Worte zu.
Ich erhob mich und zog Bella mit mir.
„Ich hoffe ihr seid uns nicht böse, wenn wir gleich starten, aber ich möchte vor Einbruch der Dunkelheit zurück in Seattle sein. Nach dem Sturm sind bestimmt etliche Straßen gesperrt und wir müssen einige Umwege in Kauf nehmen und brauchen daher länger.“
„Das ist durchaus vernünftig.“
Auch er erhob sich mit seiner Frau zusammen.
Nach der tränenreichen Verabschiedung zwischen Mutter und Tochter, waren wir unterwegs nach Hause. Leise telefonierte Bella mit Peter und informierte ihn über den Stand der Dinge. Nachdem sie aufgelegt hatte, lehnte sie sich seufzend zurück.
„Er wird sich gleich darum kümmern.“
„Fühlst du dich jetzt ein wenig besser?“, fragte ich sie.
„Naja, ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich keine Angst habe. Aber zumindest haben wir jetzt eine Spur.“
Sie strich sich zärtlich über den Bauch.
„So hatte ich mir meine Schwangerschaft nicht vorgestellt, Edward. Was mich am meisten ängstigt, ist, dass sie zu wissen scheint, welches Geschlecht unser Kind haben wird. Es kommt mir so vor, als würde sie über jeden Schritt den wir tun Bescheid wissen und schon im Voraus planen, was sie als nächstes macht“, meinte sie schaudernd.
Ich wusste, wie sie sich fühlte, auch mir machte es große Sorgen, dass sie anscheinend so leicht an private Informationen herankam. Dass Bella so eine dramatische Schwangerschaft erleben musste, tat auch mir weh. Wir konnten diese so schöne Zeit gar nicht richtig genießen.
„Ich verspreche dir, beim nächsten Baby wird es anders sein, Schatz.“
Jetzt lächelte sie ein bisschen verlegen.
„Vielleicht sollte ich erst dieses Kind zur Welt bringen, bevor wir uns an die Planung eines zweiten machen. Willst du wirklich noch mehr Kinder?“, fragte sie errötend.
Gott, ich liebte es, wenn sie so schüchtern wurde.
„Ich will mindestens eine Fußballmannschaft“, grinste ich und sie erwiderte es.
„Ich hoffe, du bist dann mehr zu Hause als früher, sonst wird da nichts daraus“, feixte sie.
Wir mussten beide lachen und ich beschleunigte das Tempo des Wagens, um uns endlich nach Hause zu bringen.
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