Edwards PoV
Erwartungsvoll blickten wir alle auf Shelley, die sich gerade anschickte uns über Tanya zu informieren.
„Also, es ist folgendermaßen“, fing sie an und warf einen Seitenblick zu Peter, „ nachdem Peter ja so grandios mit seiner Verhörtaktik gescheitert ist, habe ich die Sache in die Hand genommen.“
Autsch, das tat weh und Peter schnaubte nur abfällig, über Shelleys bissigen Kommentar.
„Der Hausmeister war sehr gesprächig, nachdem ich ihm eine rührselige Story über eine Krankheit aufgetischt habe und meinen Wunsch nach Familienzusammenführung äußerte.“
Sie stoppte kurz, blickte in die Runde.
„Er kannte Tanya alias Rebecca Hogan!“, ließ sie die Bombe platzen.
„Er kennt ihren echten Namen?“, hauchte ich überwältigt.
Das war ein enormer Fortschritt und würde uns weiterhelfen, eine Erklärung für ihr abstruses Verhalten zu finden.
„Nicht nur das“, fuhr Shelley ernst fort, „ er hat mir quasi ihre ganze Lebensgeschichte erzählt und es war nicht gerade ein Zuckerschlecken für Rebecca.“
Ich musste mich setzen, denn ich spürte, dass die nachfolgenden Worte uns allen zusetzen würden. Bella schmiegte sich eng an mich und fasste nach meiner Hand, als wolle sie mir dadurch signalisieren, dass ich nicht allein war.
Trotz all dieser Geschehnisse war sie meine Schwester und ein winziger Teil in mir, bedauerte, sie nie richtig kennengelernt zu haben. Was war ihr wohl widerfahren?
„Erzähl bitte alles was du weißt, Shelley!“, bat ich sie ruhiger, als ich mich innerlich fühlte.
Sie holte tief Luft und fing an uns ins Bild zu setzen.
„Also, jetzt mal ganz von vorne. Ihr richtiger Name lautet Rebecca Hogan. Sie ist von einem protestantischen Pastor adoptiert worden, der in Maryville den Ruf eines Fanatikers hat. Die ganze Stadt ist extrem religiös, was an sich ja nicht verwerflich ist, aber dort in überzogenem Maß praktiziert wird. Dieser Hogan, sowie seine Frau, sahen in Rebecca wohl die Verkörperung des Teufels und der Versuchung. Ich weiß nichts näheres, aber der Hausmeister meinte, sie wäre wohl vom Kleinkindalter an körperlich und seelisch misshandelt worden. Dies ist zumindest Fakt. Was als Gerücht dort die Runde macht, war der sexuelle Missbrauch von Rebecca, aber man konnte ihm nichts nachweisen. Selbst wenn jemand die Wahrheit gewusst hätte, dann wäre er davongekommen, weil die dort alle viel zu feige waren, um sich gegen den hochangesehenen Pastor zu wenden.“
Dies musste ich erst verdauen. In mir wuchs die Bestürzung und auch Mitleid für Tan…nein…für Rebecca.
Was musste sie als kleines Mädchen alles durchmachen? Bella fing neben mir an zu schluchzen, erst ganz leise und schließlich immer lauter. Ich nahm sie fest in die Arme und versuchte sie zu trösten.
Rebeccas Schicksal ging ihr nah und obwohl sie uns soviel antat, war Bella ein zu warmherziger Mensch, um dauerhaft Hass gegen jemanden zu empfinden.
„Oh mein Gott!“, flüsterte sie, „ We konnten sie nur. Sie war doch noch ein Baby, ein kleines Mädchen. Wie konnten diese Leute nur im Namen Gottes solche Greueltaten verrichten. Hatten sie denn kein Mitleid? Das ist so furchtbar!“
Mit tränenverhangenen Augen sah sie zu mir auf.
„Ich kann sie nicht mehr hassen, Edward. Jetzt nicht mehr. Auch wenn es nicht rechtfertigt, was sie getan hat, so kann ich zumindest nachvollziehen, warum sie so böse wurde. Wieviel kann man einer Kinderseele antun, bevor sie zerbricht, bevor sie sich zur Wehr setzt und zurückschlägt.“
Ich verstand ihren Standpunkt, dachte ich doch auch nicht viel anders. Trotzdem musste man Rebecca finden und sie zur Strecke bringen. Sie war ein Monster geworden und sie brauchte dringend Hilfe. Jetzt war ich überzeugt davon, dass sie wahnsinnig war und dringend gestoppt werden musste.
„Das ist noch nicht alles!“, warf Shelley gerade ein und besaß sofort wieder unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, „ Als Folge dieser Misshandlungen hat Rebecca eine zweite oder sogar mehrere Persönlichkeiten entwickelt. Das geschah wohl während der Pupertät, denn vorher hat niemand eine Veränderung bei ihr bemerkt. Ich schätze, dass zu diesem Zeitpunkt die sexuellen Übergriffe stattfanden und aus Schutz für sich selbst, hat sie eine neue Persönlichkeit entwickelt, die das für sie aushielt. Obwohl die Psychatrie bis heute den Beweis einer dissoziativen Identitätsstörung schuldig geblieben ist, so sind doch zahlreiche Fälle dokumentiert, die diese Störung beschreiben.“
„Kannst du das vielleicht ein bisschen genauer erklären?“ fragte ich etwas geschockt.
„Ich versuche es, aber ich kann auch nur wiederholen, was ich in der Fachliteratur nachgeschlagen habe, bevor wir herkamen. Die dissoziative Identitätsstörung – auch bekannt als Multiple Persönlichkeitsstörung – ist bis heute eine der umstrittensten psychiatrischen Diagnosen. Sie bezeichnet das Vorhandensein von zwei oder mehr unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen, die wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der betroffenen Person übernehmen. Als Ursache für die dissoziative Identitätsstörung wird wiederholter Missbrauch in der Kindheit angenommen. Die Aufspaltung in zwei oder mehr Teilidentitäten kann als Versuch verstanden werden, mit dem erlebten Trauma zurechtzukommen. Das reale Geschehen wird vom Bewusstsein abgetrennt. Die Behandlung dieser Identitätsstörung ist meist langwierig. Ziel ist es, eine größtmögliche Stabilisierung des Betroffenen zu erreichen. Neben der Alltagsbewältigung, stehen dabei das Kennenlernen und die Kooperation der Teilidentitäten untereinander im Vordergrund. Soweit möglich, sollte die Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse in die Therapie der dissoziativen Identitätsstörung mit einbezogen werden. Eine Integration und Verschmelzung der Teilidentitäten wird von vielen Betroffenen als Therapieziel abgelehnt. Bei Rebecca sah die Sache wahrscheinlich anders aus. Die neue Persönlichkeit hat überhand genommen und sie förmlich überwältigt. Normalerweise sollen diese Identitäten helfen, das erlebte zu verdrängen, aber in diesem Fall hat sie Rebeccas eigentlichen Charakter zurückgesetzt.“
„Was genau meinst du mit verdrängen?“, fragte Bella.
„Nun, in der Regel ist es so, dass die Betroffenen keinerlei Erinnerung daran haben, was die andere Persönlichkeit erlebt hat. Die meisten führen eine Art Tagebuch damit sie wissen, was während ihrer geistigen Abwesenheit geschehen ist.“
„Heißt das, man hat keinerlei Erinnerung daran, was man getan hat, wenn die andere Persönlichkeit Besitz von einem ergreift?“, fragte ich ungläubig.
„Ja, genau das heißt es. Vergleich es mit einem Blackout, du wachst plötzlich an einer bestimmten Stelle auf und weißt nicht, wie du dahin gekommen bist. So ungefähr ist es da auch.“
Das änderte alles. Man konnte sie nicht für ihr Verhalten zur Rechenschaft ziehen, da jeder Richter oder Psychiater ihr Unzurechnungsfähigkeit bescheinigen würde.
Im Moment wusste ich nicht mal, ob ich überhaupt wollte, dass sie bestraft wurde. Rebecca war eine arme Seele der grausames angetan wurde und sie bräuchte eher Hilfe, denn Strafe.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Bella etwas ratlos.
„Ich werde selbst nach Maryville fahren“, sagte ich entschlossen, „ ich will diesem Hogan Auge in Auge gegenübertreten. Erst wenn ich mit ihm gesprochen habe, kann ich weiter nach ihr suchen. Ich will diesem Schweinehund die Fresse polieren.“
Ich war außer mir vor Wut, die sich von Sekunde zu Sekunde steigerte. Am liebsten hätte ich diesen elenden Schweinehund blutig geprügelt und ihm sämtliche Knochen gebrochen, damit er nie wieder die Chance bekam, unschuldigen Kindern so etwas anzutun. Wie viele Opfer hatte er noch missbraucht und deren Leben unwiderruflich ruiniert?
Ich würde diesen Kerl anzeigen, koste es was es wolle. Das Verbrechen war noch nicht verjährt und selbst wenn er nicht verurteilt wurde, so wäre sein Ruf für alle Zeiten ruiniert.
Das wäre für ihn wahrscheinlich die größte Strafe!
„Ich komme mit dir!“, entschied Bella kurzerhand.
„Auf gar keinen Fall, Liebling. Du bleibst schön wo du bist und Jake wird auf dich aufpassen. Ich weiß es zu schätzen, dass du mir beistehen willst, aber ich will nicht, dass du und das Baby auch nur in die Nähe von diesem Monster kommt. Er ist tausend Mal schlimmer, als es Rebecca je sein könnte, weil er keine Skrupel besaß, sich an einem Kind zu vergehen.“
Ich redete mich immer mehr in Rage und mein Hass auf diesen Menschen wuchs ins Unermessliche. Sie war trotz allem meine Schwester, verdammt noch mal. Man hätte sie beschützen und lieben sollen, stattdessen wurde sie gequält.
Auch meine Wut auf Carlisle erwachte wieder, nachdem sie etwas abgeflaut war. Hätte er meine Mutter damals nicht so unter Druck gesetzt, wäre das alles nicht passiert.
Bella spürte, was in mir vorging.
„Nicht Edward!“, bat sie mich, „ Es hilft niemandem weiter, wenn du dich in deine Wut hineinsteigerst. Es wird dadurch nicht rückgängig gemacht, was ihr widerfahren ist.“
„Das vielleicht nicht, aber ich werde mich besser fühlen, wenn ich diesen Kerl zu Brei geschlagen habe.“
Verzweifelt sah Bella zu Peter.
„Würdest du ihn begleiten, sonst macht er irgendeinen Blödsinn?“
Peter nickte und so war es beschlossene Sache.
Das Haus von Pater Hogan war einfach und puristisch gehalten. Alles daran wirkte karg. Im Garten ließen die Blumen den Kopf hängen, was wohl daran lag, dass sie schon länger nicht mehr gegossen worden waren. Der letzte Regen war schon eine Weile her und die Familie des Pfarrers, schien keinen gesonderten Wert auf die Blumenpracht zu legen.
Peter schien denselben Gedanken zu haben und schüttelte den Kopf.
„Es ist wirklich eine Schande, dass sie den Garten so verkommen lassen. Ich dachte immer, Pfaffen seien so auf den äußeren Schein bedacht.“
„Vielleicht glaubt er ja, die Schönheit der Blumen wäre vom Teufel geschickt worden!“, stichelte ich ironisch.
Peter stieß ein Lachen aus und wir öffneten die Gartentüre, um das Grundstück zu betreten. Mein Magen zog sich zusammen und mir wurde leicht übel.
Hier hatte sie also gelebt! Hier war sie aufgewachsen, meine Schwester.
Ich konnte nicht anders, als sie in Gedanken als meine Schwester zu betiteln. Sah ich sie vorher als Monster, welches sie in gewisser Weise auch war, so fiel es mir jetzt unheimlich schwer. Ständig musste ich an die grausamen Dinge denken, die man ihr als Kind angetan hatte.
Als Anwalt waren mir schon viele solcher widerlichen Parasiten begegnet, die sich an Kindern und Jugendlichen vergingen. Dass auch sie Opfer eines solchen Verbrechens wurde, setzte mir unglaublich zu.
Wir liefen den schmalen Pfad entlang, der direkt zum Haus führte. Das Heim der Hogans war mit mausgrauer Farbe gestrichen und dunkle Fensterläden flankierten die Scheiben der Fenster. Das Dach selbst war auch mit dunklen Platten bedeckt. Alles in allem wirkte es sehr düster und beklemmend für das Zuhause einer Pastorenfamilie. Es war sicherlich kein schöner Ort, um hier aufzuwachsen.
An der Tür hing ein großes Kreuz und ich fand schon, dass es selbst für das Haus eines Pastors etwas übertrieben war. Ich klopfte an die Tür, da wir nirgends eine Klingel entdecken konnten und warteten.
Nach relativ kurzer Zeit öffnete sich die Tür einen Spalt breit und eine ältere Frau lugte heraus.
„Was wollen Sie?“, fragte sie unfreundlich und öffnete die Tür etwas weiter, als sie sah, dass wir beide gutgekleidet waren.
„Mein Name ist Edward Cullen und das hier ist mein Onkel Peter Cullen. Wir hätten ein paar Fragen zu Rebecca“, sagte ich ohne große Umschweife.
Ihr Gesicht erstarrte zu einer regungslosen Maske und sie bewegte die Lippen, ohne dass auch nur ein Wort herauskam. Sie trat zurück und ließ uns eintreten, während ihr Blick immer wieder nach oben Richtung Treppe huschte.
Ich sah mich neugierig um und kam mir vor wie in einem schlechten Film. Die Wände des gesamten Flurs waren bedeckt von Bildern mit christlichen Motiven. Die meisten von ihnen zeigten die armen Sünder, die Gottes Zorn erfuhren, weil sie sich nicht an die Regeln der heiligen Kirche hielten. So interpretierte ich es zumindest.
Mir wurde immer beigebracht, dass Gott seine Kinder liebte und ihnen alle Sünden vergab. Es war schon merkwürdig, wie unterschiedlich die Menschen mit ein und derselben Sache umgingen.
Sie führte uns in ein Wohnzimmer, wo sich der Eindruck in einem Fanatikerhaushalt gelandet zu sein, festigte.
Auch hier befanden sich überall christliche Motive. Kreuze in verschiedenster Ausführung hingen an den Wänden und ein großes Bücherregal, war gefüllt, mit den unterschiedlichsten schriftlichen Lehren der baptistischen Glaubensbewegung.
„Warten Sie hier, ich werde meinen Mann holen.“
„Heilige Mutter Gottes!“, sagte Peter und bekreuzigte sich lustigerweise, „ Die Bude hier sieht aus wie in „Carrie“(ein Film über ein Mädchen mit telekinetischen Kräften, deren Mutter eine religiöse Fanatikerin war).“
Innerlich stimmte ich ihm zu. Unbehaglich schaute ich mich weiter im Raum um. Es gab absolut nichts Warmes und Freundliches in diesem Zimmer. Die Wände waren mit sehr dunklem Holz vertäfelt und schluckten alles Licht, welches; durch das mit dunklen Gardinen verhängte Fenster schimmerte.
Alles war sauber und ordentlich, doch es wirkte, als würden hier keine Menschen leben, so akkurat stand alles an seinem Platz.
http://blog.christianitytoday.com/ctmovies/upload/2009/02/kane.jpg Hier mein Pater Hogan, na, erkennt ihn jemand?
Die Türe öffnete sich lautlos und ich sah eine dunkle Schuhspitze die in schwarzen Hosenbeinen steckte. Mein Blick glitt an dem Bein nach oben, über einen extrem dürren knochigen Körper. Der obere Teil war in eine bis obenhin verschlossene Pastorenuniform gehüllt und versteckte größtenteils den faltigen Hals. Das Gesicht des Mannes war erschreckend.
Pastor Hogans Gesicht war von dunklen Altersflecken bedeckt und die Haut spannte über den Knochen, so dünn war er. Die Zähne standen aufgrund seines abgemagerten Äußeren leicht nach vorne und gaben ihm einen lauernden Ausdruck.
Er grinste scheinheilig und es schüttelte mich. Nicht auszudenken, dass dieses widerwärtige Schwein Rebecca berührt hatte. Sie tat mir unendlich leid, denn solchen Menschen ausgeliefert zu sein, ohne Hoffnung auf Erlösung, musste jede Kinderseele brechen.
„Ich habe mir von meiner Frau sagen lassen, dass Sie über unsere liebe Rebecca sprechen möchten. Sagen Sie mir, werter Herr, haben Sie eine Ahnung wo sie ist. Wir vermissen unseren kleinen Engel so sehr“, wisperte er züngelnd.
Selbst seine Stimme war beängstigend. Zischend und leise klangen seine Worte, die der dünnlippige Mund formte. Er hob die Hände und die langen, dünnen Finger, die wie Spinnenbeine wirkten, legten sich an den Fingerspitzen zusammen und formten ein Dach.
„Nein, ich weiß nicht wo sie ist, doch ich weiß Bescheid über Se und Rebecca.“
Sein Grinsen erstarb augenblicklich und ein hässlicher Laut entkam seinem Hals.
„Es ist alles Lüge!“, schrie er beinahe und die Augen traten ihm schier aus den Höhlen, „Alles Lüge, hören Sie. Diese gottlose Hexe Satans, hat mich beschuldigt unaussprechliches getan zu haben. Aber wir haben sie nur für ihre Sünden bestraft.“
Sein kalkweißes Gesicht rötete sich vor Wut und er fing an am ganzen Körper zu zittern.
„Sie haben sie bestraft?“, höhnte ich, „Ist es in Ihren Augen richtig, ein kleines Kind stundenlang auf einer Bank knien zu lassen, bis die Haut wundgescheuert ist. Wollte Ihr Gott tatsächlich, dass Sie sie strafen, weil sie schön war?“
Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen.
„Sie war meine Prüfung, die mir auferlegt wurde. Ich wurde getestet, ob ich ihrer Versuchung standhalten könnte. Diese Schönheit ihres Leibes ist der Hölle entsprungen und ich musste sie züchtigen, damit sie Vergebung für ihre Sünden erlangen konnte.“
Der Kerl war wahnsinnig und seine Frau stand nur mit verkniffenem Gesichtsausdruck daneben und sagte keinen Mucks. Die ganze Situation war grotesk und die Anwesenheit von diesen Karikaturen nahm mir die Luft zum Atmen. Noch nie war mir solche Niedertracht begegnet, denn er sprach hier von einem menschlichen Wesen, ohne es als solches zu sehen.
„Ich sage Ihnen was, Hogan!“, das Wort Pastor brachte ich nicht mehr über die Lippen, „ Sie sind eine Schande für Ihren Berufszweig und für die komplette christliche Welt. Ich weiß, dass Sie sich an Ihrer Adoptivtochter vergangen haben und dafür werde ich Sie ins Gefängnis bringen, Sie widerwärtiges Schwein. Dieses Mal werden Sie sich nicht herauswinden, denn ich habe im Gegensatz zu diesen Menschen in dieser Stadt, keine Angst vor Ihnen.“
„Das können Sie nicht machen!“, schrie er tobend, „ Diese Hexe hat es nicht anders verdient, sie wollte es doch selbst und ich war schwach. Doch ich habe sie gestraft für ihre Verführung. Das Balg, das der Teufel ihr eingepflanzt hat, habe ich herausschneiden lassen.“
„Halt den Mund, du Idiot!“, brüllte seine Frau, „ Ich habe nicht tausende Dollar bezahlt, damit die Leute die Klappe halten, nur damit du alles ausplauderst.“
Sie schlug sich die Hand vor den Mund und schaute entsetzt, als ihr klar wurde, was sie gerade hier von sich gab. Vor mir und einem weiteren Zeugen!
„Sie werden von der Staatsanwaltschaft in Ihrem Bezirk hören, Pastor Hogan. Die Anklage wird auf Missbrauch und Vernachlässigung Schutzbefohlener lauten. Durch Ihre eigene mündliche Bestätigung vor zwei Zeugen, wird es sicherlich zu einer Verurteilung kommen und Sie werden bestraft werden, gemäß den Gesetzen, des Bundesstaates Washington“, verhieß Peter ruhig.
„Nein!“, schrie er, „ Nein, das können Sie nicht tun. Sie war selbst schuld. Die Hure Satans war doch selbst schuld. Sie können mich nicht anzeigen, ich bin Pastor und ein Vertreter Gottes. Kein Richter wird es wagen mich zu verurteilen“, brüllte er voll des Hohnes in der Stimme.
„Oh doch, Mr. Hogan! Sie werden verurteilt werden“, antwortete Peter triumphierend, „ Sie und Ihre Gattin haben soeben zugegeben, dass Rebecca von Ihnen missbraucht wurde. Die Gerichte sind nicht mehr zimperlich, da die Missbrauchsfälle der sogenannten Kirchenmänner immer öfter aufgedeckt werden und für große Empörung unter der Bevölkerung sorgen. Sie werden es nicht wagen, sie NICHT zu verurteilen.“
Er sah mich an.
„Komm Edward, wir haben genug gehört. Ich will diese Monster nicht eine Sekunde länger ertragen.“
Wir verließen das Haus der Hogans, ihr ohrenbetäubendes Kreischen und Jammern folgte uns und begaben uns wieder in unser Auto.
„Puh, was für ein unheimlicher Kerl“, sagte Peter.
„Das kannst du laut sagen!“, erwiderte ich.
Das Starten eines Wagens erweckte unsere Aufmerksamkeit und wir sahen eine Limousine, die in unsere Richtung steuerte, direkt auf uns zu.
„Sag mal, spinnt der! Der Kerl wird uns rammen“, schrie ich entsetzt.
Das Auto kam immer näher und näher und schrammte seitlich an uns vorbei, während wir für Sekunden in Rebeccas flackernde Augen blickten.
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