Zitternd löste ich mich aus Edwards Umarmung und ging ein paar Schritte in die Mitte des Zimmers. Fassungslos drehte ich mich einmal um die eigene Achse und betrachtete schockiert mein Wohnzimmer.
Nichts, aber auch wirklich nichts, stand mehr an seinem Platz. Die komplette Einrichtung, abgesehen von der Schrankwand, war von jemandem umgestellt worden.
Mein Sofa, welches sich normalerweise in der Mitte des Raumes befand, war nach hinten an die Wand gerutscht, zusammen mit meinem Glastisch, dessen Platte auf marmornen Steinen stand. Wer immer sich hier ausgetobt hatte, er mußte über körperliche Kräfte verfügen.
Mein Sideboard stand woanders, ja, selbst die Bilder waren umgehängt worden.
Im Hintergrund hörte ich Edward telefonieren.
"Hallo, hier ist Edward Cullen. Ich möchte gern Chief Lopez sprechen."
Ich sah Edward an.
"Warum rufst du die Polizei? Was willst du denen sagen? Hallo, in der Wohnung meiner Ex hat jemand Möbelrücken gespielt."
Ich stand wohl noch unter Schock, anders konnte ich mir die Ruhe, die ich noch empfand nicht erklären. Immerhin hatte sich jemand Zutritt in meine vier Wände verschafft, hatte meine persönlichen Sachen angefaßt und umgestellt.
Edward ging gar nicht auf meine Worte ein. Er sprach schon längst mit diesem Polizisten, den er offensichtlich gut zu kennen schien.
"Pablo, hier ist Edward. Du mußt mir einen Gefallen tun. Bei Bella ist eingebrochen worden, naja, nicht ganz. Es gibt keinerlei Spuren die auf ein gewaltsames Eindringen schließen lassen. Es muß aber jemand hiergewesen sein. Die komplette Wohnungseinrichtung ist umgestellt worden,aber es scheint nichts zu fehlen. Kannst du mir trotzdem jemanden vorbeischicken?"
Er horchte auf die Entgegnung und schüttelte den Kopf.
"Nein, ich glaube nicht, dass es ein Scherz von jemandem war. Glaub mir, ich würde dich nicht anrufen, wenn die Situation nicht ernst wäre. Ich habe einen Verdacht, aber ich kann den ohne Beweise nicht offiziell äußern. Ich will aber, dass dieser Vorfall aktenkundig und dokumentiert wird. Sollte sich mein Verdacht als richtig erweisen, werde ich den Einbruch als Beweis mitanführen."
Dieser Lopez schien einsichtig zu sein, denn Edward nickte zufrieden und verabschiedete sich dann von ihm.
Nachdem er das Gespräch beendet hatte, war er sofort bei mir und nahm mich in den Arm.
"Geht´s wieder? Das muß ein ganz schöner Schock für dich sein."
"Im Moment hab ich mich noch ganz gut im Griff. Aber der Gedanke, dass jemand Fremdes in meiner Wohnung war, ist schon erschreckend," flüsterte ich schaudernd und schmiegte mein Gesicht an seine Brust.
"Komm, wir sehen uns den Rest der Wohnung an. Faß aber bitte nichts an!"
Er zog mich an der Hand in Richtung Schlafzimmer. Auch dort wurde umgestellt. Erschüttert sah ich, dass sogar der überdimensionale Schlafzimmerschrank auf die andere Seite des Raumes gewandert war.
"Die waren mindestens zu Zweit," äußerte Edward hart.
Er sah sich vorsichtig um und lief durch den Raum, in der Hoffnung etwas zu entdecken, das ihn weiterbringen würde.
Bemüht, nichts anzufassen, schien er jeden Quadratzentimeter abzusuchen.
"Hier ist nichts," sagte er völlig ruhig," die haben ganze Arbeit geleistet. Es sind keinerlei Spuren zu entdecken. Wir sehen uns jetzt noch das Kinderzimmer an und warten dann auf die Polizei."
Kurz darauf standen wir vor dem Kinderzimmer und Edward betrat den Raum ohne Zögern. Erleichtert stellten wir fest, dass zumindest hier nichts umgestellt worden war, doch etwas im Kinderbett ließ mich erstarren.
"Was ist das?" flüsterte ich und ein dicker Kloß bildete sich in meinem Hals.
"Da liegt was im Kinderbett," keuchte Edward.
Vorsichtig näherten wir uns und sahen ein Päckchen darin liegen.
Edward zögerte nur kurz, bevor er das Paket an sich nahm. Er schüttelte es und horchte nach irgendwelchen Geräuschen. Vergessen war seine Anweisung nichts anzufassen, wir waren einfach zu neugierig.
"Sollen wir es aufmachen?" fragte ich ihn leise. Ich traute mich nicht mal laut zu sprechen.
Er nickte und ich öffnete die längliche, schmale Schachtel. Das erste was ich sah, war ein heller schimmernder Stoff, der einbebettet in Seidenpapier vor mir lag. Vorsichtig griff ich hinein und holte den Inhalt heraus. Fließend breitete sich der Stoff vor mir aus und zum Vorschein kam eine Art Kleid.
"Das ist ja ein Taufkleid, Edward!" rief ich entsetzt und ließ es sofort fallen.
Es fiel lautlos zu meinen Füßen und bauschte sich um meine Schuhe. Ich trat sofort zurück.
"Was soll dieser Mist?," schrie ich," Das ist mein Baby. Ich kaufe das Taufkleid und nicht diese verrückte Hexe. Warum kann sie mich nicht in Ruhe lassen?"
Ich merkte wie sich mein Herzschlag rapide beschleunigte, mein Atem ging immer schneller, trotzdem bekam ich kaum noch Luft. Der Schweiß brach mir aus und ich spürte, dass ich kurz vor einer Panikattacke stand.
Edward versuchte mich in die Arme zu ziehen.
"Bella, Darling....," setzte er an, doch weiter kam er nicht.
Ich schlug wütend seine Arme weg, während Tränen wie Sturzbäche meine Wangen hinunterliefen.
"Hör auf mich Darling zu nennen," schluchzte ich verzweifelt," du bist doch Schuld an alledem. Hättest du sie nicht so nah an dich herangelassen, wäre das alles nicht passiert. Wir wären noch verheiratet und glücklich. Ich müßte nicht Angst davor haben mein Kind allein großzuziehen und es würden keine Verrückten in meine Wohnung eindringen und alles umstellen. Vor allem müßte ich keine Angst davor haben, was diese Irre mit meinem Baby machen wird, wenn es erst auf der Welt ist."
Weinend brach ich zusammen. Die ganzen Ereignisse waren zuviel für mich und ich konnte die Fassade von Selbsbewußtsein und Stärke nicht mehr aufrechrhalten. Ich ließ mich jetzt doch in seine Arme ziehen und weinte in sein Hemd, bis keine Tränen mehr kommen wollten.
Er wiegte mich wie ein kleines Kind hin und her, während er mir beruhigend übers Haar strich. Als nur noch ab und an ein Schniefen von mir zu hören war, nahm er mein Gesicht in seine Hände und sah mir schmerzlich in die Augen.
"Es tut mir unendlich leid," wisperte er mit belegter Stimme," du ahnst nicht wie sehr ich meine Dummheit bereue. Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es tun, aber ich kann es nicht. Bitte, laß das nicht für immer zwischen uns stehen. Verzeih mir Liebes und laß mich dich beschützen. Ich werde niemals zulassen, dass diese Teufelin dir oder unserem Baby zu nahe kommt."
Ich sah ihm in die Augen und spürte die Ehrlichkeit hinter seinen Worten. Mein Ausbruch vorhin tat mir jetzt leid, da er wirklich nicht allein Schuld war an der Situation. Hätte ich nicht alles in mich hineingefressen, wäre vieles anders gelaufen. Meine eigenen Fehler lagen mir schwer im Magen und wir schenkten uns in dieser Hinsicht nichts.
"Ich hab es nicht so gemeint, Edward. Ich war wütend und verängstigt und hab es an dir ausgelasssen. Du bist nicht allein Schuld, auch ich hab viele Fehler gemacht. Was soll ich denn jetzt machen?"
Hilflos und von dem Ganzen überfordert blickte ich ihn an.
"Die Polizei wird bald kommen. Sobald wir die Anzeige erstattet haben, packst du das Nötigste zusammen und kommst zurück nach Hause. Ich laß dich hier keine Sekunde mehr allein bleiben."
Sein Tonfall ließ keine Widerrede zu und ich hätte ihm auch nicht widersprochen. Es war nur vernünftig diese Wohnung zu verlassen, da ich hier nicht mehr sichr war. Es fügte sich alles zu einem Bild zusammen und ließ nur einen Schluss zu. Tanya wollte mich fertigmachen!
Alles ergab jetzt einen Sinn! Sie hatte eine Menge krimineller Energie in sich, davor hatte auch James mich gewarnt. Man hatte ihm auch deutlich eine gewisse Angst vor ihr angemerkt. Warum hatte ich das Alles nur so auf die leichte Schulter genommen? Immerhin hatte sie mich narkotisiert, einen Mann dazu gebracht mich gegen meinen Willen festzuhalten und sie steckte bestimmt hinter dem Anschlag in der Tiefgararge. Auch Joe´s Unfall war kein Zufall.
Was sie sich jetzt geleistet hatte brachte das Faß zum überlaufen und ich bekam ehrlich Angst vor ihr.
Ich wollte hier nicht mehr allein bleiben, auch wenn ich mir die Rückkehr zu Edward etwas anders vorgestellt hatte.
"Ich komme wieder zurück Edward. Du hast völlig Recht, ich bin hier nicht mehr sicher."
"Ich hätte mir das anders gewünscht, Bella. Das mußt du mir glauben. Aber deine Sicherheit hat oberste Priorität."
Er strich mir sanft einige Haarträhnen aus der Stirn.
"Ich werde Tanya und ihre Vergangenheit mal näher unter die Lupe nehmen. Irgendwas stimmt da nicht, das spüre ich einfach. Es kann nicht sein, dass sie nur aus verletzter Eitelkeit so reagiert. Das ist nicht normal! Es muß mehr hinter dieser Sache stecken, als wir bis jetzt annehmen und ich werde es rausfinden."
"Bitte Edward sei vorsichtig;" bat ich ihn," sie ist gefährlich und schreckt selbst vor Mord nicht zurück. Überlaß das doch der Polizei und halt dich da raus."
"Die Polizei kann uns da nicht helfen, Bella. Wir haben keinerlei Beweise gegen sie und vorher können sie nichts ausrichten. Ich werde vorsichtig sein, das verspreche ich dir. Ich will ja nur ein paar Informationen sammeln und schauen ob was brauchbares dabei ist. Jeder hat eine Leiche im Keller und ich werde auch Tanya´s finden."
Das Klingeln an der Tür unterbrach unsere Diskussion.
"Die Polizei ist da," sagte er unnötigerweise, " komm wir bringen es hinter uns.Und kein Wort über Tanya. Die bringt es sonst fertig und verklagt mich wegen Verleumdung. Bevor wir nichts in der Hand haben, halten wir ihren Namen aus der Sache raus."
Ich nickte verstehend. Es war Tanya durchaus zuzutrauen, dass sie auf diese Weise reagierte und die Flucht nach vorn ergriff.
Wir ließen die Polizisten ein und beantworteten ihre Fragen. Sie machten uns keinerlei Hoffnungen, dass die Täter gefaßt werden konnten. Auch würde es bei einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch bleiben, da ja nichts gestohlen worden war und Möbelverrücken zwar nicht in Ordnung, aber auch nicht strafbar war. Nach ihrem Weggang packte ich schnell eine Tasche mit dem Notwendigsten ein und verließ mit Edward zusammen meine Wohnung. Eine gewisse Wehmut beschlich mich, da ich wußte, dass ich nie wieder dorthin zurückkehren würde.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen