Inhalt:

Edward Cullen ist ein erfolgreicher Staranwalt und seit fünf Jahren mit Bella verheiratet. Die beiden leben sich auseinander da er seine junge Frau zu oft alleine lässt. Als ihm auch noch seine attraktive Kollegin Tanya offen Avancen macht eskaliert die Situation. (Edward/Bella Pairing)Happy-End garantiert.

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Montag, 29. November 2010

Kapitel 44 - Die Sünden der Väter

Bellas Pov


Die Beiden  waren noch im Wohnzimmer und schienen sich keinen Zentimeter von der Stelle bewegt zu haben. Carlisle hielt seine untröstliche Frau fest in den Armen, und kämpfte selbst mit den Emotionen,  die dieses schwere Gespräch heraufbeschworen hatte.

Edward erging es nicht anders,  das spürte ich überdeutlich.  Die Enttäuschung  über die Lügen saß tief und riss einen tiefen Graben zwischen ihnen auf.  Es war ein Hindernis, welches  kaum zu überwinden war, doch es war nicht unmöglich. Immer noch spürte man  die tiefe Verbundenheit, die diese drei Menschen zusammenhielt und nichts auf dieser Welt  würde das ändern .

Edward räusperte sich vernehmlich.

„Wir hätten da noch ein paar Fragen an Euch?“, sagte er leise.

Carlisle richtete seine Augen auf ihn und schluckte hart.

„Ich werde dir jede Frage beantworten, die du mir stellst, mein Sohn. Dieses Mal, werde ich nichts vor dir zurückhalten und vollkommen ehrlich sein “, flüsterte er bedrückt.

Ich merkte, dass Edward sich sehr zusammennehmen musste,  um die Wut nicht wieder hochkochen zu lassen.

„Ich brauche noch Informationen, über den Liebhaber meiner Mutter.“, sagte er bestimmend, „Es ist immens wichtig,  dass wir soviele Details wie möglich erfahren.  Tanya,  oder  wie immer ihr Name auch sein mag,  hat vielleicht Kontakt zu ihrem leiblichen Vater aufgenommen.  Wenn wir ihn finden und befragen können,  dann wäre ein Teil des Puzzles zusammengesetzt.“

„Sein Name war Arthur Jenkins und hat hier als Bildhauer gearbeitet. Er war sehr verschlossen und nie der Typ des romantischen Liebhabers “, antwortete Carlisle sofort, „ sondern wirkte eher etwas introvertiert. Trotzdem hat er es geschafft, dass deine Mutter sich in ihn verliebte. Er war das komplette Gegenstück zu deinem Vater, das hat wohl den größten Reiz auf sie ausgeübt, denn mit ihm schien es keine unvorhergesehenen Überraschungen zu geben. Sie wollte wieder Normalität in ihrem Leben und war felsenfest überzeugt,  dass er ihr das bieten konnte. Arthur hat hier in Forks gelebt,  mit seiner Mutter zusammen. Nach den Ereignissen von damals,  ist er erst verschwunden, um dann nach jahrelanger Abwesenheit zurückzukommen. Vor ein paar Jahren ist er verstorben, die einzige Person, die vielleicht etwas weiß, ist seine Mutter.“

Edward kniff die Augen zusammen.

„Sie muss schon ziemlich alt sein!“, stellte er fest, „Es würde schon an ein Wunder grenzen, wenn die alte Dame noch einen vernünftigen Satz herausbringen könnte.“

„Täusch dich da nicht! “, erwiderte Carlisle sogleich, “ Sie ist zwar alt, aber noch völlig klar im Kopf. Allerdings, ist sie aus verständlichen Gründen, nicht gut auf unsere Familie zu sprechen. Sie wird dich hochkant aus ihrem Haus jagen, wenn du ihr gestehst, wer du bist.“

„Lass das mal meine Sorge sein. Sag mir einfach, wo ich sie finde!“


„Sie wohnt am äußersten Rande von Forks, in einem freistehenden, alten Haus,  am Ende der  langen Straße die an der Kirche vorbeiführt.  Du wirst es nicht übersehen können. Es ist schon ziemlich heruntergekommen, und da sie dort allein lebt und sich nicht helfen lassen will, sieht die Kiste dementsprechend aus.“

Edward nahm die Information gleichmütig hin, doch in ihm brodelte es, das konnte ich deutlich an der kleinen Ader erkennen, die an seiner Schläfe heftig klopfte.
Er nahm meinen Arm und führte mich langsam zur Tür.

„Danke Carlisle, ich weiß die Info zu schätzen.“

Erst wollte er wohl, ohne ein weiteres Wort das Zimmer verlassen,  doch kurz bevor wir dieses Vorhaben ausführen konnten,  ließ uns Esmes zarte Stimme  innehalten.

„Edward,  bitte verzeih uns diesen Fehler. Wir waren noch so jung und besaßen überhaupt keine Lebenserfahrung. Heute wissen wir,  dass wir euch nicht hätten trennen dürfen. Aber jetzt ist es zu spät und wir können  dieses Unrecht nicht ungeschehen machen,  auch wenn es unser sehnlichster Wunsch wäre.“

Edward knirschte mit den Zähnen.  Er versuchte mit aller Macht  die Selbstbeherrschung zu wahren, um ihnen nicht den Schmerz  und die Wut entgegenzuschleudern .  Denn einmal ausgesprochen, konnte er das Gesagte nie wieder rückgängig machen.  Sein ungezügeltes Temperament brachte ihn oft dazu, erst zu reden und dann zu denken,  und  Edward war sich dieser Schwäche durchaus bewusst. Sein Adamsapfel hüpfte hektisch auf und ab, die Hände fuhren fahrig durch sein Haar und er hatte alle Mühe den Anschein von Ruhe aufrechtzuerhalten. Doch ich kannte ihn besser! Mich konnte er nicht täuschen und ich wollte ihm diese schwere Last so gerne abnehmen.


„Ich hoffe, ihr versteht, dass ich jetzt nicht in der Stimmung bin für Diskussionen und Entschuldigungen. Ich will eure Erklärungen  nicht hören, denn allein der Gedanke daran, was ihr getan habt, ist unerträglich für mich und ich weiß nicht, ob ich euch jemals verzeihen kann. “

Esmes hoffnungsvoller Blick trübte sich wieder und sie ließ geschlagen den Kopf hängen.

Sie tat mir leid, aber ich konnte Edward nicht in den Rücken fallen und Partei  für sie ergreifen. Die Zwei hatten sich die Suppe eingebrockt, sie mussten sie auch wieder auslöffeln.

„Komm, Bella!“, sagte Edward jetzt mit fester Stimme, “ wir sollten uns auf den Weg machen.  Ich möchte diese Frau heute noch sprechen, das hat keine Zeit bis morgen.“

Energisch zog er mich mit sich. Er konnte es kaum erwarten den Raum zu verlassen und damit die Menschen, die ihn maßlos enttäuscht hatten.

Ich wartete, bis wir im Wagen saßen, bevor ich das Wort an ihn richtete.

„Hältst du es für eine gute Idee, diese Frau ausgerechnet heute aufzusuchen? Du bist sehr aufgewühlt! Schlaf doch noch eine Nacht darüber und mach dir Gedanken, was du sie fragen willst. Es bringt doch nichts, alles zu überstürzen.“

Er schüttelte den Kopf.

„Ich weiß, dass es klüger wäre zu warten.  Aber  ich stehe kurz davor auszuflippen, Bella.  Wenn ich jetzt nichts unternehme, dann explodier ich noch.“

Seufzend gab ich nach. Er würde sich ja doch nicht davon abbringen lassen! Manchmal war er einfach stur wie ein Maulesel und niemand schaffte es dann zu ihm vorzudringen.

Es wurde langsam dunkel und die Sonne verschwand nach und nach hinter dem Horizont. Die Bäume warfen unheimliche Schatten auf die einsame Landstraße und ich versuchte das beklemmende Gefühl abzuschütteln, das in mir hochstieg.

Edward stoppte den Wagen schließlich und wir befanden uns direkt vor dem kleinen Häuschen, welches Carlisle so treffend beschrieben hatte.

Wir stiegen aus und liefen den kleinen Schotterweg entlang. Edward stütze mich, da ich Mühe hatte, auf dem holprigen Untergrund mein Gleichgewicht zu halten. Ständig drohte ich umzuknicken und hinzufallen.

Ich registrierte seine Hilfestellung kaum, zu schockiert war ich bei dem Anblick des baufälligen Gebäudes. Lebte diese alte Dame ernsthaft hier?

Es wirkte völlig heruntergekommen.  Durch die Außenfassade zogen sich, in langen Schlangenlinien, breite Risse, ein Teil der Wände war von Moos bewachsen, welches das schmutzige Weiß der Wände überdeckte. Der Lack an den Holzrahmen der Fenster, war vermutlich schon ewig abgeblättert und Fäulnis fraß sich unaufhaltsam durch das Holz. Der kleine Garten war völlig verwildert. Wie Dickicht wucherten die Büsche auf der Fläche, das Unkraut bedeckte jeden freien Zentimeter und ließ auch das zarteste Blümchen untergehen.

Die Ausstrahlung des Hauses war bedrückend und ich fühlte eine seltsame Mischung aus Faszination und Widerwillen.  Vor der Tür hielten wir und suchten vergeblich nach einer Klingel.

Wir sahen uns an, keiner wagte es auch nur einen Laut zu sagen. Es war wie eine Szene in einem Horrorfilm.

Mittlerweile war die Sonne völlig verschwunden und die Dunkelheit verschlang die Umgebung. Durch das Licht einer Straßenlaterne, war nicht alles in komplette Dunkelheit gehüllt, sie schien gerade hell genug, um die unheimlichen Einzelheiten wahrzunehmen.

Der Wind zog durch das löchrige Dach und verursachte ein klagendes, pfeifendes Geräusch, und die Bäume, die raschelten und  ständig in Bewegung schienen, taten ein Übriges, um uns kalte Schauer durch den Körper laufen zu lassen.

„Wir sollten es schnell hinter uns bringen, Bella. Ein Sturm zieht auf und wir müssen so schnell wie möglich wieder zurück.“

Ich nickte schlotternd. Es gab keinen größeren Angsthasen als mich und diese Umgebung ließ mich meinen gesunden Menschenverstand vergessen. Ich erwartete jeden Moment, dass Michael Myers um die Ecke bog und seine Kettensäge schwang.

Energisch klopfte Edward an die morsche Tür und ein merkwürdig schleifendes Geräusch, als würde jemand einen Sack hinter sich herziehen, war zu hören.

Wir sahen uns schluckend an. Edward war eigentlich nicht ängstlich, aber auch ihn nahm die Atmosphäre des Augenblicks gefangen, und mit großen Augen sahen wir zu, wie sich die Tür mit einem ächzenden Knarren langsam öffnete.

Vor uns stand eine kleine, zierlich Frau und das schleifende Geräusch wurde durch eine Gehhilfe verursacht, deren Reifen wohl etwas klemmten.

Mit zusammengekniffenen Augen starrte sie uns an. Das Gesicht war unglaublich alt und runzlig, jede Falte tief in der Haut vergraben und man konnte kaum noch etwas von ihren früheren Gesichtszügen ausmachen.

„Was wollt ihr hier?“, fragte sie. Ihre Stimme war krächzend und verstärkte den Eindruck einer alten Kräuterhexe.

„Mein Name ist Edward Cullen, Madam! Die Dame neben mir ist meine Frau Bella und ich hätte ein paar Fragen an Sie.“

Misstrauisch beäugte sie uns, doch als ihr trüber Blick auf meinen Bauch fiel, wurde der Ausdruck ein wenig weicher.

„Cullen!“, rief sie mit gackerndem Lachen, “ ich wundere mich, dass du jetzt erst kommst. Ich warte schon seit sehr langer Zeit auf dich.“

Sie drehte sich um und schlurfte mühsam zurück ins Innere des Hauses.

Wir folgten ihr einfach nach und betraten den Flur. Nur das Licht einer alten Öllampe erhellte den Gang und tauchte ihn in ein gelbliches Licht.

Merkwürdigerweise war hier drin alles sauber und ordentlich. So kaputt und dreckig das Haus von außen auch war, hier drinnen wurde alles liebevoll in Ordnung gehalten.

Sie winkte uns in ein kleines Wohnzimmer. Dunkle Holzmöbel bildeten den Ausganspunkt der Einrichtung und ein altmodisches Sofa war die einzige Sitzgelegenheit im Raum.

„Setzt euch“, forderte sie uns harsch auf.

Wir leisteten der Bitte folge und blickten auf diese komische, alte Frau.

„Mrs. Jenkins, wir sind aus einem bestimmten Grund hier“, fing Edward an und wurde rüde unterbrochen.

„Ich weiß, warum du hier bist. “, schnappte sie, “ Es geht um Arthur und deine Mutter.“

Ihre Augen verdrehten sich nach oben und sie griff sich schwer atmend  an die Brust. Erschrocken sprang Edward auf, doch sie fing sich wieder und winkte gereizt ab.

„Mach keinen Aufstand, Junge!“, fauchte sie böse, “ Ich hab noch nicht vor zu sterben. Nicht bis eure Familie bekommen hat, was sie verdient.“

Die Stimmung war gekippt und ihre Bösartigkeit förmlich spürbar. In ihren Augen flackerte eine glühende Flamme und sie beugte sich mit einem gemeinen Lächeln zu uns.


„Wer Böses tut, dem ist Böses widerfahren! Denk an meine Worte! Du und deine feine Familie, ihr haltet euch für was Besseres und habt über meinen Arthur gelacht. Aber er war kein schlechter Kerl, er war nur zu schwach. Warum hat dein Onkel nicht nachgegeben. Arthur wäre dann bei Elizabeth geblieben und SIE wäre niemals so böse geworden.“

Edward  war plötzlich hellwach und sah die Alte scharf an.

„Wen genau meinen Sie damit?“, fragte er scheinheilig.

„Willst du mich für dumm verkaufen?“, schrie sie plötzlich. Wut rötete ihr Gesicht und der Wahnsinn verzerrte es zu einer hässlichen Fratze. „Du weißt, genau wen ich meine. Aber ihr werdet ihr nicht entkommen. Keiner von euch!“, schrie sie und ballte die Fäuste.

Mein Hals wurde ganz trocken und das Schlucken fiel mir schwer.  Dieser offen zur Schau getragene Hass,  war zuviel für mich und mir wurde schwindelig, während das flaue Gefühl in meinem Magen zu einem unangenehmen Grummeln wurde.

Edward hatte sich völlig auf die verrückte Alte fixiert und bemerkte mein aufsteigendes Unwohlsein nicht.

„Haben Sie auch einen Namen für die Person, die uns angeblich in Unglück stürzen will?“, fragte er.

Sein Ausdruck war abschätzend, als wollte er rausfinden, ob sie glaubwürdig war.

Mrs. Jenkins stieß ein unheimliches Lachen aus und verursachte mir damit eine Gänsehaut. Ich rieb die nackten Arme und unterdrückte das Frösteln, welches sich unaufhaltsam meines Körpers bemächtigte.

Diese Frau machte mir schlichtweg Angst.  Sie schien genau zu wissen, dass wir nach Tanya suchten und ihre Worte bestätigten nur, dass sie schon Bekanntschaft mit ihr gemacht hatte.

Edward zog ein Foto aus der Brusttasche, welches genau diese zeigte und fragte erneut.

„Wie heißt diese Frau wirklich? Sie kennen sie doch, das sehe ich Ihnen an!“

Nora Jenkins starrte das Bild an und fing an zu jammern. Sie hielt die Hände an die Ohren und bewegte ihren Oberkörper schaukelnd vor und zurück, während ihre Augen panisch aufgerissen, immer wieder zum Fenster wanderten.

„Nimm es weg!“, heulte sie auf, “ Nimm es sofort weg! Sie ist eine Teufelin, sie hat mein Kind getötet.“

Hätte sie eine Bombe platzen lassen, wären wir kaum überraschter gewesen. Tanya hatte Mrs. Jenkins  Sohn auf dem Gewissen und damit  auch ihren eigenen Vater.

Das war ein verdammter Alptraum und ich hielt es keine Sekunde länger mit dieser Verrückten in einem Raum aus, deren tobsüchtiges Gekreische mir in den Ohren wehtat.

„Ich will hier raus, Edward! “, keuchte ich und hielt mir die Seite.

Seine Augen wurden groß und rund und  schnell  nahm er meinen Arm um mich zu stützen.

„Bella!“, seine drängende Stimme verriet seine tiefe Besorgnis, “ Ich bring dich hier raus. Ich habe genug gehört. Wir kommen sicher auch anders an ihren echten Namen.“

Fürsorglich führte er mich Richtung Tür, doch die Alte stellte sich uns in den Weg.

„Wer Böses tut, dem ist Böses wiederfahren, vergesst das nie!“, sagte sie drängend.

Eingehend sah ich die alte Frau an.

„Was genau meinen Sie damit? Ist es Tanya, hat man ihr was Böses getan?“, wollte ich wissen.

„Wer Böses tut, dem ist Böses widerfahren!“, wiederholte sie stur und schien in eine völlig andere Welt abzudriften.

Diese Frau war definitiv nicht mehr ganz bei sich. Jeglicher Anschein von Normalität war von ihr abgefallen, wie ein zu großes Kleid und übrig blieb nur eine vom Leben enttäuschte Hülle.
Was immer ihrem Sohn passiert war, es hatte sie ihren Verstand gekostet.

Edward drängte zum Aufbruch und legte den Arm um meine nun füllige Taille. Wir waren schon fast zur Eingangstür hinaus, als ihre kratzige Stimme uns einen letzten Satz hinterherwarf.

„Passt gut auf euer Kindchen auf. Sie wird es sich holen, wenn ihr nicht achtgebt!“

Edward warf einen letzten Blick zurück und strich mir beruhigend über den Rücken.

„Sie wird keinem mehr wehtun! Dafür werde ich persönlich sorgen“, sagte er.

Wieder dieses irre Lachen.

„Wer Böses tut, dem ist Böses widerfahren!“, sang sie mit schauriger Stimme.

Ohne zurückzublicken zog Edward mich zur Tür hinaus und geleitete mich zurück zum Wagen.

Nachdem wir beide angeschnallt waren, startete er und gab Vollgas.
Seufzend lehnte ich mich zurück und blendete alles aus.

Grenzenlose Erschöpfung machte sich in mir breit, die Beine waren schwer, der Rücken schmerzte unerträglich und mein Geist war träge. Edwards Hand griff nach meiner, sodass eine tiefe Ruhe mich überkam. Ich drückte mich tiefer in die Polster und erwiderte den Druck seiner Hand. Mit Edward zusammen konnte mir nichts passieren.

„Was sollen wir jetzt machen?“, fragte ich leise.

Er blies sich eine Haarsträhne weg, die sich auf seine Stirn verirrt hatte und zuckte mit den breiten Schultern.

„Keine Ahnung! Dass die Frau so abgedreht ist, hätte ich nicht erwartet. Wir haben keine brauchbaren Informationen, außer der Mutmaßung,  dass Tanya ihren eigenen Vater um die Ecke gebracht hat. Das ist nicht besonders viel. Nimm ihren letzten Satz nicht ernst, Bella. Sie wollte uns nur Angst machen. Ich lasse nicht zu, dass jemand unserem Kleinen was tut.“

Ich nickte leicht, denn ich war überzeugt davon, dass Edward in der Lage war uns zu beschützen.


Die Augen noch immer geschlossen, konzentrierte ich mich auf meine Atmung, das wurde mir von meiner Hebamme empfohlen, damit ich meinen jagenden Puls unter Kontrolle bekam. Eigentlich war diese Art von Meditation für normale Alltagssorgen gedacht, und keineswegs dafür, sich von einer wildgewordenen Psychopatin zu erholen.

Nach einer Weile hob ich die schweren Lider und sah meinen Mann blinzelnd an.

„Wir müssen morgen Abend zu Mom und Dad. Er wird uns vielleicht helfen, an bestimmte Details heranzukommen, was Arthur Jenkins Tod angeht. Vielleicht bringen wir so in Erfahrung, wie er zu Tode kam. Am Ende ist er noch eines natürlichen Todes gestorben und seine Mutter bildet sich alles nur ein.“

Edward grinste schräg.

„Scheiße, ich hatte ganz vergessen, dass noch ein Besuch bei Charlie und Renée ansteht. Ich weiß nicht was schlimmer ist, dein Dad oder Nora Jenkins.“

Angesäuert schlug ich ihn auf den Arm und sah aus dem Augenwinkel wie circa fünfhundert Meter weiter eine vermummte Gestalt auf die Straße trat.

„Edward, pass auf!“, brüllte ich und er bremste hart.

Durch die Wucht wurden wir nach vorne gepresst, nur die Autogurte hielten uns noch an Ort und Stelle.

Die Person stand wie angewurzelt auf der Straße und wurde von den vorderen Scheinwerfern beleuchtet. Es war nicht zu erkennen, welches Geschlecht der-oder diejenige hatte.

Edward schnallte sich ab und machte Anstalten aus dem Wagen zu steigen. Schnell packte ich seinen Arm und hielt ihn zurück.

„Was denkst du eigentlich, was du da machst, Edward?“, schimpfte ich.

„Ich will wissen, wer das ist? Und genau aus diesem Grund, werde ich jetzt aussteigen und nachfragen.“

Während unserem kurzen Austausch hielten wir  unsere Gesichter einander zugewandt und keiner achtete mehr auf die Straße. Als wir wieder  aufsahen, war die Gestalt verschwunden.

„Sie ist weg!“, flüsterte ich, unbewusst die weibliche Form wählend.

Edward kniff die Augen zusammen und versuchte in der Dunkelheit etwas auszumachen, doch es war vergeblich. Die Straße säumte ein dichter Wald und man konnte problemlos darin verschwinden.

„Verdammt!“, fluchte er, was ihm einen tadelnden Blick von mir einbrachte.

„Du sollst doch ….. “, weiter kam ich nicht.

Ein dumpfer Schlag und das Bersten von Glas ließ uns in den Sitzen hochfahren.

Schnell wandten wir die Köpfe nach hinten und sahen den Übeltäter. Es war ein faustgroßer Stein, der in  zerknittertes, weißes Papier eingewickelt worden war.

Edward zögerte nicht lange, sondern startete umgehend  und trat das Gaspedal durch.  Mit einem Höllentempo preschte er über die einsame Landstraße, um uns so schnell wie möglich weit weg zu bringen.

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