Bella Pov
Ich betrat das Gebäude des hiesigen Fernsehsenders und steuerte die Aufzüge an. Heute war mein großer Tag! Ich würde durch meine Unterschrift die Zustimmung geben, meine Bücherreihe als Fernsehshow rauszubringen.
Der Vorschlag von Emmet und Rose ließ mich aus allen Wolken fallen. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass mein Buch einmal als Vorlage für eine Kindersendung dienen würde. Dadurch war meine finanzielle Zukunft erst mal gesichert und auch Jasper war sofort Feuer und Flamme für die Show.
Er hatte mir noch einen findigen Anwalt besorgt, damit ich bei den Vertragsverhandlungen nicht über den Tisch gezogen wurde. Dies nahm ich dankend an. Ich war längst nicht mehr so naiv und vertraute auf das Wort von Fremden. Obwohl ich zugeben musste, dass Emmet einen grundsoliden und ehrlichen Eindruck machte. Bald schon stand ich ihm persönlich gegenüber, um die letzten Vertragsbedingungen durchzugehen.
"Bella, meine Liebe, endlich bist du da."
"Hallo Emmet, hast du etwa daran gezweifel?. Ich wäre ja verrückt ,wenn ich mir so eine Gelegenheit entgehen ließe."
Lachend ließ ich mich auf einem Stuhl nieder, als auch schon Rose in den Raum geschwebt kam.
Sie sah wie immer atemberaubend aus mit ihren blonden, langen Haaren und dieser fantastischen Figur. Es war kaum zu glauben, dass sie schon Mutter war.
Die gemeinsame Tochter der beiden war der eigentliche Auslöser dafür, dass ich hier saß. Maggie hatte sich gewünscht, meine Figur persönlich kennenzulernen. Aber wie erklärte man einer Vierjährigen , dass es sich um reine Fantasiegestalten handelte? Also hatte Emmet sich kurzerhand entschlossen, diese zum Leben zu erwecken und damit gleichzeitig Geld zu verdienen. Schlussendlich war er ja auch Geschäftsmann.
Jetzt würden Lunas Reisen in den Märchenwald ,scheinbare Wirklichkeit werden und das Wöchentlich jeden Sonnatg. Rose drückte mir einen Kuss auf die Wange und sah mich lächelnd an.
"Bella, ich bin so froh, dass du einverstanden bist. Das wird ganz sicher eine tolle Erfahrung für uns alle werden."
Die Tür öffnete sich hinter ihr und eine etwas schüchtern wirkende junge Frau betrat den Raum.
"Das ist Victoria, meine persönliche Assistentin", stellte Rose die rothaarige Frau vor.
Victoria lächelte mich zurückhaltend, aber freundlich an. Ich mochte sie auf Anhieb. Sie war keine großartige Schönheit ,aber sie hatte ein aufgeschlossenes und liebes Gesicht mit zarten Sommersprossen. Ich lächelte sie ebenfalls an und nickte ihr zu.
"So", sagte Emmet," jetzt können wir zum offiziellen Teil kommen. Unser neuer Firmenanwalt kommt jeden Moment. Wenn wir den Teil mit den Unterschriften durch haben, wird gefeiert."
Er wirkte total aufgedreht und begeistert.
Wieder öffnete sich die Tür und ein Mann trat ein. Vor Schreck erstarrte ich zur Salzsäule. Es war James! Er schien nicht sonderlich geschockt über die Tatsache, mich hier anzutreffen. Natürlich nicht!
Er hatte die Verträge ja mitvorbereitet.
"Hallo Mrs. Cullen, schön sie wieder wiederzusehen."
"Mr. Foster was für eine Überraschung. Mit ihnen hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Könnte ich sie vielleicht einen Augenblick unter vier Augen sprechen?"
Er nickte zustimmend und unter den verwirrten Blicken der Anderen, verließen wir den Raum. Im Flur standen wir uns allein gegenüber.
"Bevor sie etwas sagen, Bella, möchte ich ihnen etwas erklären. Diese ganze Geschichte tut mir wirklich leid. Ich habe zu spät gemerkt, dass dieses Spiel zu weit ging. Ich wollte wirklich nicht ihr Leben zerstören, aber Tanya kann sehr überzeugend sein und ich war schon zu tief involviert in ihre Intrige. Ich verlange nicht, dass sie mir vergeben, aber ich hoffe, wir können zumindest auf professioneller Ebene hier zusammenarbeiten. Außerdem werde ich die ganze Situation bei Edward richtigstellen. Das ist das Mindeste was ich tun kann."
Ich war ziemlich überrascht, über seine plötzliche Wandlung. Aber ich war nicht so dumm , ihm einfach so zu glauben. Er musste schon beweisen, dass er seine Reue ernst meinte.
"Nun Mr. Foster die Zeit wird zeigen wieviel ihr Wort wert ist. Aber sparen sie sich die Mühe Edward irgendwas zu erklären. Er hätte mir vertrauen müssen. Ich kann auf seine Entschuldigung verzichten, wenn sie durch Dritte verursacht wurde."
Er schien erleichtert, dass ich ihn nicht gleich zum Teufel jagte.
"Noch etwas Bella! Halten sie sich von Tanya fern. Sie ist eine sehr gefährliche Frau. Ich bin überzeugt davon, dass diese Frau ist zu allem fähig ist. Tanya erweckte in manchen Situationen fast den Eindruck einer Psychopathin. Sie war förmlich besessen von Edward."
Er sagte diese Worte mit großem Ernst und ein eiskalter Schauer fuhr mir durch den Körper. Aber ich hatte ja selbst schon gemerkt, dass mit Tanya etwas nicht stimmte. Ich sollte öfter auf meine Instinkte hören.
"Danke für die Warnung. Ich werde mich daran halten."
Wir betraten wieder das Büro und ich bemerkte, wie Victoria einen verschämten Blick in James Richtung warf. Hoffentlich verguckte sich die Kleine nicht in ihn. Aber vermutlich würde James nicht mal einen zweiten Blick an sie verschwenden und das wäre wirklich das Beste für sie.
Nach Vertragsabschluß wurde noch munter geredet und ein wenig gefeiert. Alles in allem ging es mir nicht schlecht. Beruflich konnte ich endlich einen Erfolg vorweisen, ich erwartete ein Kind und ich hatte neue Freunde gewonnen. Vielleicht würde sogar eines Tages die Liebe in mein Leben zurückkehren.
Edward würde immer meine große Liebe bleiben, aber war ich es meinem Kind nicht schuldig, einen Vater für ihn zu finden?
Sollte ich wieder jemanden kennenlernen, wollte ich jedenfalls nicht verbittert alle Türen schließen. Wer immer er auch sein würde, er würde eine Chance bekommen!
Am Morgen des 23. Mai erwachte ich mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube. Schnell erlannte ich auch warum. Heute war mein Scheidungstermin! Es war alles so rasend schnell gegangen, die Zeit verging wie im Flug und ehe ich mich versah, war es soweit. Alice hatte mir angeboten mich zu begleiten. Doch ich zog es vor, diesen Weg allein zu gehen.
Beim Gedanken an meine liebste Freundin musste ich unwillkürlich schmunzeln. Sie und Jasper waren unwahrscheinlich gücklich und grenzenlos ineinander verliebt. Seit sie die Freuden der körperlichen Liebe entdeckt hatte, war sie kaum noch zu bremsen und verführte Jazz wann immer sie nur konnte. Der arme Kerl war völlig fertig. Wer hätte das vor einem halben Jahr noch gedacht! Jasper Whitlock ,niedergerungen von einer 1,58 cm kleinen Fee. Ich gönnte Ihnen ihr Glück von ganzem Herzen.
Als ich es nicht mehr rauszögern konnte, machte ich mich auf den Weg ins Gerichtsgebäude. Ich kam dort an, immer noch zu früh und gönnte mir noch einen leichten Milchkaffe. Das einzige Laster, dem ich noch frönte, seit ich wusste, dass ich schwanger war.
Eine Stunde später stand ich mit meiner Anwältin vor dem Amtszimmer und wartete auf die Ankunft von Edward und der Richterin. Ihn dann tatsächlich zu sehen, traf mich dann doch völig unvorbereitet. Er kam in Begleitung von Peter und Tanya.
Peter kam sofort auf mich zu und küsste mich auf die Wange. Etwas verwundert begrüßte ich ihn ebenfalls, den Blick aber die ganze Zeit auf Edward gerichtet. Leider sah er wie immer atemberaubend aus. Konnte er nicht wenigstens an so einem Tag schlecht aussehen? Es hätte mir die nächste Stunde wesentlich erleichtert.
Ohne große Gefühlsregung nickte er mir zu, während Tanya mich hämisch angrinste. Die nächsten Minuten gingen völlig an mir vorbei. Das Einzige woran ich denken konnte ,waren Momente mit Edward. Als wir noch glücklich und verliebt waren.
Da saß ich nun nach neun Jahren Beziehung. Sollte es wirklich hier enden? In wenigen Minuten würde ich wieder Bella Swan sein.
Er sah mich so kalt an. Sicher, er hatte die Scheidung eingereicht, um frei zu sein für Tanya. Aber machte es ihm denn gar nichts aus? Er wirkte ,als ob wir zum Kaffee verabredet wären. Doch ich musste jetzt stark sein! Für mich und das Baby das in mir heranwuchs. Edward durfte nie davon erfahren.
Mit zitternder Hand nahm ich den Kugelschreiber und setzte meine Unterschrift auf die Scheidungsurkunde.
"Nun, dann hätten wir das geschafft," sagte die Richterin erleichtert," da Miss Swan auf alle Ansprüche verzichtet hat, gibt es nun nichts mehr zu sagen. Sie sind nun offiziell geschieden."
"Einen Punkt gäbe es noch," sagte meine Anwältin," und zwar geht es um den Namen. Miss Swan würde gerne den Namen Cullen weiterverwenden, aber nur als Psyeudonym bei ihren Büchern. Es geht da um ihren Wiedererkennungswert."
"Ich habe nichts dagegen," sagte Edward leise und sah mich das erste Mal richtig an. War da Trauer in seinem Blick?
"Nun, es ist ja klar, dass sie das will," höhnte Tanya," als Bella Swan bist du ein Niemand. Nur als eine Cullen wirst du Erfolg haben."
Jetzt reichte es mir.
Ruhig stand ich mit dem Wasserglas in der Hand auf und schüttete ihr den Inhalt in die hämisch grinsende Visage. Danach verließ ich hocherhobenen Hauptes den Amtsraum. Ein Gefühl der Genugtuung erfaßte mich, als ich an ihr fassungsloses Gesicht dachte.
Vor den Aufzügen wartete ich, bis die Türen endlich aufgingen und ich eintreten konnte. Ich kramte in meiner Handtasche nach meinem Handy, als noch eine Person in den Aufzug huschte. Es war mein Ex-Mann.
Er packte mich an den Schultern.
"Sag mal, was hast du dir eigentlich dabei gedacht?"
"Ich hatte es einfach satt, mich von deiner neuen Flamme beleidigen zu lassen. Würdest du bitte die Güte haben und mich loslassen" ,schrie ich wütend.
"Ich lasse dich los, wann es mir paßt. Du wirst dich bei ihr entschuldigen."
"Das könnte dir so passen! Eher friert die Hölle zu. Ich warne dich Edward, lass mich los oder...!"
"Oder was?" flüsterte er heiser.
Mein Blick verfing sich in seinem, wenn er doch nur nicht so verflucht attraktiv wäre.
"Oder... ich...ich..werde...." ,weiter kam ich nicht.
Er packte mich um die Hüften und zog mich grob an sich.
"Verdammt, warum machst du mich immer noch so verflucht wahnsinnig", keuchte er.
" Nein, bitte...Edward lass mich", flehte ich und hoffte doch inständig, dass er es überhören und mich endlich küssen würde.
Mein Flehen wurde erhört. Leidenschaftlich eroberte er meinen Mund, stieß seine Zunge in wildem Rhytmus gegen meine. Ich krallte die Hände in seine Haare und verachtete mich zutiefst für meine Schwäche. Sein Kuss war bittersüß, denn ich wusste, es würde der Letzte sein.
Unsere Körper drängten sich immer enger aneinander, als ich auf einmal etwas anderes wahrnahm.
Es war Tanyas Parfum. Schlagartig wurde ich wieder klar im Kopf. Mit aller Kraft trat ich ihm auf den Fuß und er ließ von mir ab.
"Wag es nie wieder mich zu berühren, Cullen. Du hast jegliches Recht auf mich verwirkt. Mein Gott, es ist keine zehn Minuten her, dass wir unsere Scheidungspapier unterschrieben haben. Wenn du scharf bist, geh zu Tanya, aber steig mir nicht mehr hinterher. Mir wird übel, wenn ich daran denke, dass du wahrscheinlich heut morgen neben deiner "Freundin" aufgewacht bist. Tu mir einen Gefallen und halte dich in Zukunft von mir fern. Ich für meinen Teil, habe dir nichts mehr zu sagen."
"Keine Sorge, ich werde dich nicht mehr belästigen. Ich weiß, wann ich nicht mehr erwünscht bin. Das hast du mir im Four Seasons eindrucksvoll bewiesen."
Die Aufzugtüren öffneten sich und er stieg aus. Aufatmend ließ ich mich gegen die Fahrstuhlwand sinken. Wenigstens hatte ich mir meinen Stolz bewahrt. Warum tat es dann trotzdem so weh?
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