Edwards Pov
Ein Kitzeln an meiner Nasenspitze weckte mich aus tiefem Schlaf. Mit einem unwilligen Brummen öffnete ich die Augen und entdeckte den Übeltäter. Es war eine Haarsträhne von Bella, die dieses Kitzeln verursacht hatte, weil ich mein Gesicht im Schlaf in ihrem Nacken vergraben hatte.
Ich mußte unwillkürlich lächeln und zog sie fester in meine Umarmung. Sie murmelte leise im Schlaf und drückte ihren Rücken noch näher an mich heran.
Wie wundervoll war doch das Gefühl, aufzuwachen, seine Liebste im Arm zu haben und die wunderbare Wärme zu genießen, die von ihr ausging.
Sie fing an sich zu bewegen und drehte sich gähnend auf den Rücken. Den Ellbogen aufgestützt, lag ich da und beobachtete, wie sie langsam erwachte.
Sie schlug die dunklen Augen auf und lächelte strahlend, als sie mich erblickte.
"Guten Morgen," flüsterte sie zart.
"Dir auch einen guten Morgen," erwiderte ich nicht minder zärtlich.
Mich über ihren Mund beugend, registrierte ich, dass sie meinen Nacken mit ihren schlanken Armen umschlag und gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss.
Sie durchwühlte mein Haar und zog mich enger an sich.
"Wir müssen aufzustehen, sonst wird das nichts mehr mit Forks," sagte ich bedauernd.
Sie seufzte ergeben und setzte sich auf.
"Ich weiß! Wir müssen ja noch packen. Wir lange wollen wir dort bleiben? Ich muß ja noch Jasper Bescheid sagen und Emmett muß ich auch informieren."
"Ein paar Tage nur, da ich danach noch nach Maryville fahren möchte."
"Hmm, aber laß bitte genug Zeit verstreichen. Peter hatte schon Recht. Sie erwartet mit Sicherheit, dass du dort auftauchst."
Leicht strich sie über meinen Arm.
"Ich werde vorsichtig sein und nichts überstürzen. Das verspreche ich dir. Schließlich möchte ich ja noch was von dir und dem Baby haben."
"Da ist noch was, Edward. Es geht um die Show. Es wäre mir lieber, wenn du deinen Auftritt dort absagst. Ich habe Angst, dass sie es als Provokation ansehen könnte, wenn du dort als Gast auftrittst."
"Wenn du dich damit besser fühlst," meinte ich beruhigend und sie atmete erleichtert aus.
Ich schwang die Beine aus dem Bett und erhob mich. Die Hand nach ihr ausstreckend, lächelte ich sie lockend an.
"Komm, laß uns duschen gehen."
Ihr Blick verdunkelte sich und sie ergriff meine Hand.
Die Dusche dauerte länger als geplant, weil wir die Finger nicht voneinander lassen konnten. Doch irgendwann schafften wir es doch uns anziehen, ein kleines Frühstück zu uns zu nehmen und zu packen.
Bella informierte alle über unser Vorhaben, während ich unser Gepäck im Auto verstaute. Sicherheitshalber sah ich unter den Wagen, weil ich schon halb, eine tickende Bombe darunter erwartete.
Natürlich fand ich nichts dergleichen. Den Kopf über mich selbst schüttelnd, wartete ich auf Bella, die schon nach ein paar Minuten das Haus verließ und auf mich zukam.
Die Sonne zauberte rote Reflexe in ihr Haar und sie sah einfach zauberhaft aus, in ihrem weißen Schwangerschaftskleid. Die Schwangeschaft stand ihr ausgesprochen gut und ich fand sie nie schöner als jetzt. Etwas aus der Puste stand sie dann vor mir.
"Wir können jetzt los. Jasper und Emmett sind informiert. Emmett war auch nicht böse, weil du nicht an der Show teilnimmst. Durch deine Mithilfe, haben wir soviel Ersatzmöglichkeiten, dass es kein Problem sein wird, die Lücke zu füllen."
Ich zog sie an mich, um sie nochmal leidenschaftlich zu küssen, bevor die Fahrt losging. Gern ließ sie sich darauf ein und es dauerte weitere fünf Minuten, bis wir endlich angeschnallt im Auto saßen.
Während der ganzen Fahrt lag ihre Hand an meinem Nacken, den sie zärtlich kraulte.
Diese vertraute Geste ließ mein Herz höherschlagen und ich hätte vor Glück platzen können. Früher hatte sie das immer gemacht, in den ersten Jahren unserer Beziehung. Doch in den letzten Monaten dieser Ehe, war es irgendwie eingeschlafen. Kein Wunder, dachte ich ironisch. Wir waren ja kaum noch zusammen unterwegs gewesen.
Ich schwor mir , dass ich es nie wieder soweit kommen lassen würde. Lieber schmiss ich meinen Job hin, als Bella nochmals zu verlieren.
"Woran denkst du gerade?" fragte sie mich neugierig.
Sie merkte sehr wohl, dass ich mit meinen Gedanken beschäftigt war und ich ließ sie gerne daran teilhaben.
Ich nahm ihre kleine Hand von meinem Nacken und küßte sie auf die Handfläche.
"Ich dachte daran, wie sehr ich solche Zärtlichkeiten vermißt habe. Und damit meine ich nicht nur während der Zeit unserer Trennung. Wir haben uns schon davor voneinander entfernt. Ich will das nie wieder zulassen, Bella."
Warm lächelte sie mich an .
"Wenn wir nicht aufhören miteinander darüber zu reden, was uns auf dem Herzen liegt, dann wird es auch nie wieder dazu kommen."
Den Rest der Zeit, verbrachten wir plaudernd und lachend und schneller als uns lieb war, sichteten wir das Ortschild von Forks, unserer Heimatstadt.
Das Haus von Carlisle und Esme lag etwas außerhalb von Forks, nahe der dichten Wälder. Ich fuhr den langen Weg zum Anwesen entlang und obwohl die Umgebung durch das schlechte Wetter düster und bedrohlich aussah, überkam mich ein Gefühl von Frieden. Forks hatte schon immer die höchste Niederschlagsrate im ganzen Land und der bewölkte Himmel und die Nebelschwaden, die nie ganz zu verschwinden schienen, waren ein vertrauter Anblick für mich. Auch Bella wurde von der seltsamen Stimmung gefangengenommen, die uns immer beschlich, wenn wir hier waren. Manchmal bekam ich das Gefühl mich in einer völlig anderen Welt zu befinden, dieses kam besonders auf, wenn wir unserer Lichtung einen Besuch abstatteten. Leider konnten wir diesmal nicht dorthin, da der Weg für Bella zu anstrengend werden würde.
"Es ist schon merkwürdig," sagte sie plötzlich," wir haben hier solange gelebt und trotzdem, ist es immer wieder faszinierend für mich hierher zurückzukehren. Dieser Ort ist etwas Besonderes und ich würde gerne eines Tages wieder hier leben. Selbst Mum konnte sich dem nicht entziehen."
Ich mußte lachen, doch bei dem Gedanken an Bellas Dad verging mir das Lachen schnell wieder.
Er war nicht gerade gut auf mich zu sprechen und nach der Scheidung drohte er, mich mit seinem Gewehr zu erschießen, sollte ich seiner geliebten Tochter wieder zu nahe kommen.
"Wissen deine Eltern eigentlich, dass wir wieder zusammen sind?" fragte ich unbehaglich.
Sie sah mich interessiert an und mußte schmunzeln.
"Kann es ein, dass du Schiß vor Dad hast?" lachte sie dann.
"Du hast gut reden. Dir hat er ja auch nicht mit einem qualvollen Tod gedroht," brummte ich.
Nur allzu gut konnte ich mich an die Nachricht auf meinem Anrufbeantworter erinnern, die er hinterlassen hatte.
"Edward, ich schwöre dir, ich werde mit ihm reden. Da wir sie sowieso in die ganze Situation einweihen müssen, wird er seine Wut auf dich schnell vergessen und sich in die Nachforschungen stürzen. Er wird gar keine Zeit haben dich umzubringen," neckte sie mich.
"Vielen Dank auch," murrte ich und sie brach endgültig in herzhaftes Lachen aus.
"Du bist so süß wenn du schmollst," brachte sie nur noch japsend raus.
Ich verdrehte nur die Augen. Ich hasste es, wenn man mich süß nannte.
Mit lautem Hupen parkte ich den Wagen direkt vor dem Haus. Die Tür wurde aufgerissen und Esme kam mit federleichten Schritten und ausgebreiteten Armen die Stufen hinunter.
"Oh mein Gott, endlich seid ihr da."
Strahlend umarmte sie erst mich und wandte sich dann an Bella.
Diese stand etwas schüchtern vor meiner Tante und wartete die Reaktion auf ihren Babybauch ab. Wir hatten keinem in Forks von der Schwangerschaft erzählt. Außer ihren Eltern wußte es keiner und die hatten es, auf Bellas Wunsch hin, niemandem erzählt.
Mit leuchtenden Augen betrachtete Esme Bellas Bauch und drückte sie mit ihren zierlichen Armen fest an sich.
"Ihr bekommt ja ein Baby," schluchzte sie überglücklich," oh wie ist das schön. Kommt doch rein, ihr holt euch noch den Tod hier draußen."
Den Arm fürsorglich um Bellas Schultern gelegt, griff sie mit der anderen Hand nach meiner und führte uns ins Hausinnere. Sofort fühlte ich mich wieder heimisch und genoß den Duft von Schokoladenkeksen, der die Luft durchzog. Die mochte ich besonders gerne und Esme ließ es sich nicht nehmen, sie jedesmal für mich zu backen, wenn ich heimkam.
"Küche oder Wohnzimmer," fragte sie uns freundlich.
"Küche! " antworteten wir synchron. Es war mit Abstand der gemütlichste Ort im Haus und wir erinnerten uns beide, an so manchen schönen Familienabend, den wir dort verbracht hatten.
Wir setzten uns an den großen überdimensionalen Holztisch und sahen Esme dabei zu, wie sie uns Kaffee und Kekse servierte.
"Du trinkst doch noch Kaffee," wollte sie von Bella wissen.
Diese nickte eifrig und ignorierte meinen tadelnden Blick. Genüßlich sog sie das Aroma des Kaffees ein und genehmigte sich einen ordentlichen Schluck.
"Mmmmh, der ist köstlich. Du machst den besten Kaffee den ich jemals getrunken habe."
Esme gesellte sich zu uns an den Tisch und sah uns fragend an.
"Also, was ist der Grund eures Besuchs. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass es nicht nur um eure Wiedervereinigung geht oder um Bellas Schwangerschaft. Da ist noch was anderes, hab ich Recht?"
Esme hatte schon immer eine feine Antenne für die Dinge um sich rum. Sie hatte sofort gespürt, dass da noch was im Busch war.
"Es stimmt, wir sind nicht nur wegen uns hier. Aber ich möchte warten bis Carlisle wieder da ist, bevor ich davon erzähle. Wann kommt er aus der Klinik?"
Esme sah auf ihre Uhr.
"Wir haben jetzt kurz vor sechzehn Uhr. Er müßte eigentlich in zwei Stunden heimkommen."
Ich nickte und erhob mich.
"Ich bring schon mal unser Gepäck nach oben, dann könnt ihr Zwei noch ein bißchen ungestört reden."
Ich verließ die Küche und ließ die beiden Frauen allein.
Während Bella sich mit Esme unterhielt, brachte ich die Koffer nach oben und sah eine Weile aus dem Fenster. Mein altes Zimmer war noch genauso wie damals und viele schöne Erinnerungen verbanden mich mit diesem Raum. Wie oft hatten wir uns hier in den Armen gelegen, von der Zukunft geträumt, uns geliebt und gestritten. Ich war ganz vertieft in meinen Gedanken, als sich Bellas Arme um meinen Bauch schlangen.
Ich zog sie an meine Seite und wir betrachteten gemeinsam den Nieselregen der auf Forks und seine Wälder niederschlug. Wir sprachen nicht, sondern genossen nur die friedliche Atmosphäre, die ein Teil von diesem Ort zu sein schien.
"Glaubst du sie wissen was?"fragte sie plötzlich.
"Ich habe nicht die geringste Ahnung. Aber sollten sie was wissen, werden sie uns die Wahrheit sagen. Die Situation ist zu gefährlich, als dass sie uns etwas verschweigen würden."
Sie schmiegte sich fester in meine Arme und ich legte das Kinn auf ihrem Kopf nieder. So standen wir noch eine Weile, ehe uns Esmes Stimme nach unten rief.
Gemeinsam betraten wir das Wohnzimmer, wo wir schon von Carlisle erwartet wurden. Er kam auf uns zu und drückte erstmal Bella an seine breite Brust, strich ihr liebevoll über den Bauch und küßte ihre Stirn.
"Bella, du weißt nicht wie glücklich wir über diese freudige Nachricht sind. Esme hat mich sofort im Krankenhaus angerufen und mir die Neuigkeit erzählt. Ich muß aber sagen, dass ich schon enttäuscht bin, dass wir erst jetzt davon erfahren."
Bella errötete verlegen und ich sprang für sie in die Bresche.
"Carlisle, du kennst doch die Umstände. Wäre ich nicht so ein Idiiot gewesen, hätte sie es nicht verheimlichen müssen. Ich selbst weiß es auch noch nicht sehr lange, wie sollte sie es dann euch erzählen."
Verständnisvoll sah er Bella an.
"Verzeih mir, ich habe es nicht so gemeint wie es vielleicht klang. Ich freue mich einfach, dass du wieder ein Teil dieser Familie bist."
"Carlisle," sagte Esme," sie war immer ein Teil dieser Familie. Scheidung hin oder her. Komm her, Liebes, du solltest dich setzen."
Mein Onkel und Ersatzvater klopfte mir kräftig auf die Schulter.
"Junge, das hast du gut gemacht. Ich befürchtete schon, du würdest nie zur Vernunft kommen. Bella ist das Beste in deinem Leben. Als du die Scheidung eingereicht hast, habe ich ernsthaft an deinem Verstand gezweifelt."
Ich mochte gar nicht mehr daran zurückdenken. Im Nachhinein konnte ich es nicht fassen, wie dumm ich gewesen war. Dass Bella mir tatsächlich verziehen hatte, erschien mir wie ein Wunder.
Im Eßzimmer setzten wir uns an unsere gewohnten Plätze und Esme tischte reichlich auf. Hackbraten, Kartoffelpüree, Mais und Gemüse in Hülle und Fülle.
Mit offenem Mund sah ich zu, wie Bella in kurzer Zeit eine Riesenportion hinunterschlang und nochmal nachlegte. Vor lauter Staunen vergaß ich selber zu essen, während Esme mit Mühe ein Kichern unterdrückte.
Bella schob sich gerade eine vollbeladene Gabel mit Kartoffelpüree in den Mund, als sie meinen fassungslosen Ausdruck bemerkte. Sie schluckte und grinste dann etwas verlegen.
"Das Baby hat Hunger," kicherte sie mädchenhaft und ich konnte sie nur noch hingerissen anstarren.
"Also Edward," störte Carlisle," Esme hat mir erzählt, ihr seid noch aus einem anderen Grund hier. Was gibt es denn?"
Ich blickte ihn an und fing an zu erzählen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen