Bella PoV
Eine Woche war mittlerweile seit meinem Geständnis vergangen und bisher hatte Edward sich brav an unsere Abmachung gehalten.
Was auch kein Kunststück war!
Wir hatten im Moment nur telefonischen Kontakt, da ich sehr mit Schreiben und vor allem mit dem Bezug meiner neuen Wohnung beschäftigt war. Heute Abend würden wir uns treffen, damit ich in unserem ehemaligen gemeinsamen Haus ein paar Sachen holen konnte.
Irgendwie fürchtete ich mich davor, weil es ja doch lange unser Zuhause war und voll mit Erinnerungen.
Doch wenn ich einen Neuanfang wollte, dann musste ich auch durch solche Situationen. Es hatte auch etwas tröstliches , dass Edward dabeisein würde.
Seine Freude über das Kind, hatte mich mehr berührt, als ich mir selbst eingestehen wollte. Im Hinterkopf hatte ich doch befürchtet, er würde die Vaterschaft anzweifeln. Doch keine Spur davon. Er war begeistert und euphorisch. Es schien, als hätte er ein Leben lang darauf gewartet Vaterbzu werden.
Seine Reaktion überraschte mich nur so sehr, weil ich nie vermutet hatte, dass er sich Kinder wünschte. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Es schien , als wäre er zu sehr mit seiner Karriere beschäftigt, um sich mit sowas auseinanderzusetzen. Irgendwann hatte ich mich damit abgefunden, dass ich wohl erst in ein paar Jahren Mutter werden würde.
Das Schicksal hatte es anders gewollt und ich war mehr als glücklich darüber. Meine Drohung mit dem Kind zu verschwinden, war nur ein Fake gewesen. Ich musste Edward erstmal auf Abstand halten.
Er wußte genau wie stark ich auf ihn reagierte. Dem musste ich einen Riegel vorschieben, denn nur wenn er mich nicht anfaßte, konnte ich ihm widerstehen. Sonst wäre ich innerhalb kürzester Zeit wieder schwach geworden.
Gerade jetzt spielten meine Hormone völlig verrückt. Ich musste nur an Edward denken, an seinen phantastischen Körper, seine weichen Lippen, seine Küsse, an die Art wie er mich intim berührte und schon stieg verräterische Hitze in mir auf.
Am Anfang der Schwangerschaft hatte ich kein Interesse an derlei Dingen, doch jetzt Mitte des Vierten, schien es als wäre ich nur eine bebende Masse an überschüssigen Hormonen. Das konnte ja heiter werden!
Ich sah mich um, während ich auf Alice wartete. Wir wollten uns hier im Cafe zum Früstück treffen. Da es nicht mehr ganz so früh war, die Sonne schon kräftig schien, und die Luft schön erwärmte, hatte ich beschlossen, auf der Terasse Platz zu nehmen. So konnte ich die Straße und die Leute gut beobachten. Ich hatte einen schönen Blick darauf, wer alles so unterwegs war, die Geschäfte betrat und verließ oder einfach nur das schöne Wetter genoß.
Ein Fröhliches "Guten Morgen" von Alice ließ mich zusammenzucken.
"Meine Güte hast du mich erschreckt", rief ich und legte mir theatralisch die Hand auf die Brust. Sie grinste nur und setzte sich mir gegenüber.
"Stell dich nicht so an Bells", kicherte sie.
Bells, das war seit neuestem ihr Spitzname für mich. Kein Mensch hatte mich je so genannt, aber irgendwie gefiel es mir.
"Ich hab schon bestellt, ich hoffe du hast nichts dagegen."
"Ne, natürlich nicht, ich bin schon am Verhungern. Nächte mit Jasper machen nicht nur müde, sie regen auch enorm meinen Appetit an", grinste sie und ich beobachtete sie neidisch. Sie sah unglaublich glücklich aus und ich gönnte es ihr von ganzem Herzen.
"Du Glückliche", sagte ich etwas kläglich," ich hab nur einen alten Teddy an den ich mich kuscheln kann. Das ist nicht sehr hilfreich, wenn man nachts aufwacht, gerade wenn ich diese Träume habe."
"Was denn für Träume", fragte Alice verständnislos.
Manchmal war sie wirklich schwer von Begriff.
"Na, Träume eben", sagte ich ungeduldig.
Immer noch stand sie auf dem Schlauch.
"Ich meine Sexträume von Edward und mir", platze ich raus und eine ältere Dame am Nebebtisch krauste empört das Näschen. Alice lachte herzlich.
"Ach so. Nun, dann kann ich mir schon vorstellen, dass du etwas gefrustet bist. Ruf doch Edward an", lachte sie," ich bin sicher er kann dein kleines Problem aus der Welt schaffen. Du hast ja immer gesagt, er ist darin unheimlich talentiert."
Ich schmiss eine zusammengeknüllte Serviette nach ihr und grinste verlegen, da eine tiefe Röte mein ganzes Gesicht überzog.
"Das ist nicht lustig, Alice. Und ich werde ihn ganz sicher nicht um Hilfe bitten. Schließlich hab ich ihn endlich soweit, dass er mich nicht ständig anfällt."
Sie schüttelte amüsiert den Kopf und wollte schon etwas sagen, als sie plötzlich erstarrte. Sie blickte auf einen Punkt hinter meinen Rücken, konnte den Blick nicht abwenden. Ich drehte mich und sah Jasper.
Er war nicht allein und verließ gerade mit einer absolut hinreißenden Blondine einen Juwelier. Er hatte den Arm vertraulich um ihre Hüften gelegt und schien ihr etwas Lustiges ins Ohr zu flüstern. Die Frau kicherte erheitert und strich ihm zärtlich über die Wange. Er schnappte dabei ihre Hand und führte sie an seine Lippen. Ruckartig wandte ich den Kopf wieder um.
Alice saß völlig verloren an ihrem Platz und dicke Tränen hingen an ihren Wimpern. Urplötzlich stand sie so aprupt auf, dass der Stuhl nach hinten flog und flüchtete.
"Alice", rief ich unbedacht laut. Ich merkte das Jasper dieses trotz der Entfernung mitbekommen hatte. Seine Augen weiteten sich schockiert und er kam schnell zu mir gerannt.
"Bella, ich kann das erklären," keuchte er atemlos.
Böse sah ich ihn an. Waren denn alle Männe zu hirnlosen Idioten mutiert?
"Das hoffe ich sehr für dich, denn falls nicht, mache ich dir persönlich das Leben zur Hölle."
"Die Frau eben war meine Halbschwester Shelley. Sie ist zu Besuch und wollte Alice kennenlernen. Außerdem hat sie mir dabei geholfen dies hier rauszusuchen."
Er entnahm seiner Jackentasche ein kleines, quadratisches Kästchen. Vorsichtig öffnete er den Deckel und ich sah einen wunderschönen Ring.
"Der ist für Alice", flüsterte er.
"Oh Jasper", sagte ich gerührt," der ist ja wundervoll. Sie wird außer sicher sein vor Freude. Sie liebt dich so sehr."
Er lächelte zaghaft.
"Es sollte eine Überraschung werden. Ich wollte ihr morgen Abend einen Antrag machen, doch jetzt...."
"Keine Angst, ich werd mit ihr reden, sobald ich weiß wo sie ist. Du wirst deinen Antrag machen können", sagte ich besänftigend.
Ich nahm mein Handy raus und versuchte sie zu erreichen. Sie nahm tatsächlich ab. Man hörte sie deutlich weinen und Jaspers Gesicht verzog sich schmerzhaft.
"Alice Liebes, komm zurück. Es ist nur ein Missverständnis. Die Frau ist seine Schwester."
Ich hörte ihren Worten zu und antwortete wieder.
"Ja, ja es ist alles OK. Komm doch zurück, ihr müsst das klären."
Ich legte auf und sah Jasper an.
"Sie kommt zurück. Versau es nicht."
Freundlich nickte ich ihm und Shelley zu, die inzwischen auch hinzugekommen war. Alice trat wieder auf die Terasse und Jasper breitete die Arme aus. Sie flog geradezu hinein und vergrub das Gesicht in seinem Hemd.
Er schaukelte sie beruhigend hin und her, nahm schließlich ihr Kinn und hob ihr Gesicht an.
"Liebling, ich würde dich niemals betrügen. Ich hätte dir sagen müssen, dass sie zu Besuch kommt, dann wär es erst gar nicht zu dem Missverständnis gekommen."
Alice lächelte die schöne Frau zaghaft an, was sofort herzlich erwidert wurde. Diese Shelley schien wirklich sehr nett zu sein.
"Es tut mir leid, dass ich mich wie eine Idiotin verhalten habe", sagte sie mit kratziger Stimme.
Shelley lachte nur.
"Kein Grund sich zu entschuldigen. Ich an deiner Stelle hätte Jazz erst den Kopf abgerissen und hinterher die Fragen gestellt."
Oh ja, ich mochte diese Frau.
"Shelley, was halten sie davon, wenn ich sie mitnehme. Ich glaube die Beiden brauchen ein bisschen Zeit für sich", fragte ich spontan.
Jazz und Alice nahmen uns gar nicht mehr wahr, sahen sich einfach nur tief in die Augen. Shelley nickte zustimmend und hakte sich ganz selbstverständlich bei mir ein. Ich erfuhr, dass sie Single war und überlegte nach Seattle zu ziehen. Es war sehr einsam in New York ohne Familie, auch wenn ihre Arbeit als Krankenschwester sie sehr in Anspruch nahm.
Alles in allem war sie eine sehr sympathische und patente Person. In meinem Gehirn fingen die Rädchen an sich zu drehen. Wäre sie nicht die pefekte Frau für Peter?
Er brauchte dringend jemanden der ihm auch mal kontra gab. Diese endlosen Reihen von hirnlosen Models, die er immer abschleppte, konnten doch keine gleichwertige Partnerin ersetzten. Ich beschloss die beiden einander vorzustellen.
Am Nachmittag verließ ich den Verlag und machte mich auf zum Sender. Edward wollte mich hier am Abend abholen, da er den Van hatte. Diesen würden wir schon brauchen, um meine ganzen Sachen einzuladen. Dass er mir ohne Murren beim Umzug half, rechnete ich ihm hoch an. Ich hatte schon die Befürchtung, er würde mich wieder überreden wollen, zu ihm zurückzukommen. Doch nichts dergleichen. Wie gesagt, er verhielt sich vorbildlich.
Es war schon pervers, dass ich davon enttäuscht war. Ich hatte es doch so gewollt. Wenn das so weiter ging, würde ich noch in der Klapse landen. Ich wusste einfach nicht mehr was ich wollte. Aber anstatt mich damit auseinanderzusetzten, schob ich es einfach auf die Schwangerschaft.
Der Lift trug mich nach oben. Emmets Büro war das Letzte am Ende des Ganges. Leise klopfte ich und trat dann ein. Ein Paar, das sich leidenschaftlich küßte, fuhr entsetzt auseinander. James und Victoria!
Betreten lächelten sie mich an und ordneten hastig ihre Kleidung. Es schien als wäre bei den Beiden alles wieder in bester Ordnung.
"Sorry, ich wollte nicht stören", grinste ich," eigentlich suche ich Emmet."
"Der ist gerade nicht da. Maggie hat sich den Knöchel verstaucht und er hat sie zusammen mit Rose zum Arzt gebracht. Ich dachte, er hätte dir Bescheid gesagt, zumindest hatte er es vor."
Victoria stopfte sich verlegen die Bluse wieder in den Rock, während sie sprach.
"Nein, er hat nicht angerufen. Armer Teddy, er ist bestimmt außer sich vor Sorge. Er soll mir einfach mailen, wenn der neue Termin steht."
Beide nickten und ich verließ das Büro. Ich freute mich sehr für die beiden, okay, eigentlich nur für Victoria. James schien sich tatsächlich geändert zu haben und hatte vorher zumindest den Anstand verlegen auszusehen, nachdem ich ihn und Vicky bei einer wilden Knutscherei während der Arbeitszeit erwischt hatte. Ich seufzte geschlagen. Alle hatten Sex außer mir!
Auf dem Weg nach unten rief ich Edward an.
"Cullen", meldete sich seine tiefe Stimme.
Schon wieder schoß mir Erregung durch den Körper. Das machte mich echt fertig, da er ja nicht mal persönlich anwesend war.
"Hi, ich bins Bella. Kannst du früher kommen? Die Besprechung wurde abgesagt und ich hätte jetzt schon Zeit."
Gespannt wartete ich auf seine Antwort. Früher hätte er vor lauter Arbeit keine Zeit gefunden.
"Klar, kann ich. Wo genau soll ich dich abholen", antwortete er völlig ruhig. Er schien gar nicht zu überlegen, ob es ihm paßte oder nicht.
"Ich warte unten in der Tiefgarage auf dich, dann musst du nicht extra durch den ganzen Sender. In einer halben Stunde?"
"Geht klar, bis gleich."
Er legte auf und ich war aufgeregt bei der Vorstellung ihn gleich zu sehen. Sein Anblick löste immer noch die unglaublichsten Gefühle in mir aus, das würde sich nie ändern. Aber ich durfte meinen Gefühlen noch nicht nachgben. Erst mußte ich hundertprozentig Wissen, dass ich ihm wieder voll vertrauen konnte. Sonst würde es innerhalb kürzester Zeit wieder vorbei sein.
Ich betrat die Tiefgarage, er musste jeden Moment kommen. Ich hatte allerdings keine Ahnung wo er parken würde, also lief ich durch die Garage und sah mich um. Mist, hoffentlich würde er mich finden.
Aber es gab ja zum Glück noch Handys. Gerade als ich es aus der Tasche kramen wollte, um ihn nochmals anzurufen, wurde ich von den Scheinwerfern eines Autos geblendet.
Komisch ich hatte niemanden gehört. Ich dachte ich wäre Mutterseelenallein hier unten. Der Motor des Wagens heulte ohrenbetäubend auf und das Auto setzte sich mit quietschenden Reifen in Bewegung.
Ensetzt registrierte ich, dass das Fahrzeug direkt auf mich zuhielt. Wie gelähmt starrte ich auf das Auto, das immer schneller auf mich zukam.
Bevor ich jedoch überfahren wurde, zog mich eine kräftige Hand zur Seite. Der Fahrer flüchtete und erschrocken sah ich zu meinem Retter auf.
"Edward", brach es aus mir heraus.
Er zog mich an seine Brust und ich versuchte meinen hektischen Atem unter Kontrolle zu bringen.
Beruhigend strich er mir über den Rücken.
"Wer in aller Welt war das? Hat der Kerl keine Augen im Kopf, er hätte dich umbringen können", schimpfte er völlig fassungslos. Die Sorge um mich stand ihm ins gesicht geschrieben und seine Hände an meinem Rücken zitterten.Ich war noch nicht in der Lage zu antworten und klammerte mich immer noch an ihn.
" Baby, ist alles okay mit dir? Komm, ich bring dich zum Arzt. Er soll dich untersuchen! Nicht das durch den Schock was mit dem Baby ist."
Vorsichtig nahm er meinen Arm und führte mich zum Van. Ich ließ es zu, noch völlig benommen von dem Erlebnis. Lieber Himmel, beinahe wäre ich überfahren worden! Meine Stimme zitterte genauso, wie seine Hände, als ich ihm antwortete.
"Ja, es wäre das Beste. Es geht mir zwar soweit gut, aber ich bin furchtbar erschrocken. Konntest du erkennen wer er war, oder das Nummerschild sehen?"
"Leider nicht" ,sagte er bedauernd," es ging alles so schnell. Ich hab nicht gesehen, wer am Steuer saß."
Immer noch geschockt saß ich neben ihm im Wagen. Wer immer in diesem Wagen saß, wollte mich absichtlich über den Haufen fahren. Der Fahrer hätte mich sehen müssen, da ich im vollen Scheinwerferlicht stand.Doch wer hätte Interesse daran mich umzubringen? Die Antwort war einfach.
Tanya!
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