Bella Pov
Helle Sonnenstrahlen weckten mich auf. Etwas orientierungslos setzte ich mich auf und streckte mich.
Je wacher ich wurde umso schneller kam die Erinnerung an den letzten Abend zurück. Ich schluckte schwer und sah zur Seite.
Edward war nicht mehr neben mir.
Der heftige Streit kam wieder in mir hoch und ich dachte daran wie er geendet hatte.
Das hatte nichts mehr mit Liebe zu tun gehabt. Es war nur Sex.
Sehr guter und hemmungsloser Sex. Edward war ein Meister darin meinen Körper zum Singen zu bringen.
Trotzdem hatte ich mich danach so einsam gefühlt wie noch nie in meinem Leben. Er lag neben mir und ich fühlte das sich etwas Grundlegendes geändert hatte.
Das er mir ins Gesicht sagte er würde Tanya mehr vertrauen als mir hatte etwas in meinem Inneren zerbrochen.
Zwar hatte ich versprochen zu bleiben um einen letzten Versuch zu starten aber ich hatte solche Zweifel.
Ich zweifelte nicht an meiner Liebe zu ihm. Die würde Bestand haben solange ich lebte. Kein anderer Mann würde es schaffen das für mich zu sein was Edward war. Aber ob Liebe allein reichte. Ich bezweifelte es stark.
Was war Liebe schon ohne Vertrauen. Würde ich jetzt jedesmal wenn er länger wegblieb denken es wäre wegen Tanya?
Würde er jedesmal ausflippen wenn James mir Blicke zuwarf?
So unsicher war ich noch nie in meinem Leben gewesen.
Mir war klar das meine Ehe nach nur fünf Jahren vor dem Aus stand.
Guter Sex würde daran auch nichts ändern.
Seufzend erhob ich mich, putzte mir schnell die Zähne, und ging runter in die Küche. Duschen würde ich später.
Edward war noch da.
Er stand am Küchentresen und starrte aus dem Fenster.
Er war tief in Gedanken und bemerkte mich nicht. Ich nutzte die Gelegenheit um ihn zu betrachten.
Er war wirklich ein Bild von einem Mann.
Groß. Breite Schultern und schmale Hüften. Sein Po in seiner Anzugshose machte sicher mehr Frauen als nur mich verrückt.
Das Profil seines Gesichts war einfach nur perfekt. Eine gerade Nase und ein energisches Kinn gaben seinen Zügen eine klassische Schönheit. Sein voller Mund lud zum Küssen ein, war aber im Moment fest zusammengepresst. Er sah auch nicht glücklich aus.
Ich sehnté mich danach ihn in den Arm zu nehmen, aber ich konnte nicht. Mein letzter Rest an Stolz hielt mich davon ab.
Ich dachte daran wie er gestern mit dem Blumenstrauß vor mir stand. Ich mußte beinahe lachen. Hatte er wirklich geglaubt ein paar lächerliche Blumen würden mich vergessen lassen was er sagte. Kein Geschenk der Welt konnte seine Worte rückgängig machen.
Ich räusperte mich. Sein Blick schoss zu mir und er sah mich unsicher an.
Nachdem wir miteinander geschlafen hatten wollte er mich in seine Arme ziehen, doch ich hatte es nicht zugelassen. Ich konnte seine Zärtlichkeit einfach nicht annehmen. Zu tief war die Wunde die er mir zugefügt hatte.
In dem Augenblick hatte er wohl erst registriert wie es um mich stand, ihm wurde klar das es keine wirkliche Versöhnung war. Wir waren weiter voneinander entfernt als jemals zuvor.
"Guten Morgen Bella," sagte er leise und vorsichtig.
"Guten Morgen," antwortete ich genauso leise.
Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und ging langsam auf mich zu.
Als er direkt vor mir stand sah er auf mich runter, und hob seine Hand um eine widerspenstige Haarsträhne aus meinem Gesicht zu streichen.
"Es tut mir leid was ich gestern gesagt habe. Das tut es wirklich. Du hast mir nie einen Grund gegeben an dir zu Zweifeln, im Gegensatz zu mir. Trotzdem warst du stark genug mir zu glauben, während ich mich von einer dämlichen Uhr und James Unverschämtheit aus dem Konzept bringen lasse. Ich hab das alles nicht so gemeint, Bella. Ich schwöre dir ich werde alles tun damit du mir wieder vertraut."
Er hatte also gemerkt das mein Vertrauen erschöpft war. Nicht in seine Treue, die bezweifelte ich nicht mehr. Dafür war Tanyas Blick auf ihn zu hungrig. Sie hatte ihn nicht gehabt. Aber ich zweifelte an seiner Liebe zu mir. Das letzte was ich wollte war das er aus Bequemlichkeit und Gewohnheit bei mir blieb. Oder schlimmer noch aus Mitleid.
"Vielleicht kann ich dir irgendwann wieder glauben das du mich ehrlich liebst Edward. Aber jetzt bin ich zu verletzt. Deine Worte haben mich tief getroffen. Ich glaube dir nicht das du es nicht ernst gemeint hast. Wir haben gestritten und du hast in deiner Wut einfach deine Gedanken rausgelassen. Du vertraust Tanya mehr als mir. Du hast nur einmal die Wahrheit gesagt. Es jetzt abzustreiten ist sinnlos. "
"Bella, nein....,"unterbrach er mich.
Doch ich schüttelte nur den Kopf. Abwehrend hob ich die Hand als er mich umarmen wollte.
"Du solltest jetzt gehen. Tanya wartet bestimmt schon sehnsüchtig auf dich. Ich will dich nicht daran hindern den Tag mit deiner Lieblingsvertrauten zu verbringen. Ich hoffe sie ist das auch wert," sagte ich sarkastisch.
Schnell drehte ich mich um und verließ die Küche . Edward blieb mit schmerzlichem Blick zurück.
Nachdem Edward das Haus verlassen hatte versuchte ich mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Mit dem Thema Edward würde ich mich heute abend wieder beschäftigen.
Ich hatte heute eine Verabredung mit Lila Stanhope. Es wunderte mich schon das sie mich so schnell kontaktierte, aber sie war auf der Party schon begeistert von der Aussicht ihrer Enkelin eine Lesung zu organisieren.
Ich würde es sehr gerne tun. Es war immer total niedlich wenn ich die kleinen Leser mit staunenden und gespannten Gesichtern vor mir sitzen sah.
Ich liebte Kinder und nutzte jede Gelegenheit um mit welchen zusammenzusein.
Ich wünschte mir schon seit langem ein Baby, aber es schien irgendwie nie der richtige Zeitpunkt dafür.
Jetzt war ich froh darüber. Nicht auszudenken wenn ein so ein kleines Würmchen in den Mittelpunkt solcher Streitereien kommen würde.
Sorgfältig machte ich mich zurecht. Es würde warm werden heute, also entschied ich mich für ein einfaches aber elegantes Etuikleid. Das kombinierte ich mit schicken Sandaletten.
Geschminkt war ich wie immer nur dezent. Als ich mit meinem Äußeren zufrieden war machte ich mich auf den Weg ins Four Seasons.
Nach einer knappen Stunde parkte ich meinen Wagen vor dem Hotelgelände und begab mich ohne Umschweife in Richtung Rezeption.
"Guten Tag mein Name ist Isabella Cullen. Ich bin mit Mrs. Stanhope verabredet. "
"Ah ja, auch ihnen einen schönen Tag. Hier ist die Karte für die Suite.
Sie sollen schon mal hochgehen. Mrs. Stanhope wird dann in Kürze zu ihnen stoßen."
Der freundliche Portier reichte mir die Schlüsselkarte und erklärte mir noch wie ich Suite finden würde. Ich wollte nicht das mich ein Page begleitet. Den Weg würde ich ja wohl noch allein finden.
Der Aufzug brachte mich in den 10. Stock und öffnete sich mit einem leisen "bling". Meine Schuhe machten kein Geräusch auf dem weiche Teppich als ich gezielt auf Zimmer Nr.130 zuging. Die Karte zog ich durch den Schlitz und mit einem leisen Summen öffnete sich die Tür.
Ich trat in die Suite ein und sah mich beeindruckt um. Überall standen opulente Möbel, und der Raum strahlte durch die cremefarbene Einrichtung eine unglaubliche Eleganz aus. Es waren noch andere Türen zu sehen die in weitere Räume führten. Aber ich war zu schüchtern um reinzuschauen. Schließlich waren das irgendwie schon Privaträume.
Also setzte ich mich auf die kuschelige Couch und wartete. Ich schloß ein wenig die Augen und ließ meine Gedanken kreisen als ich plötzlich ein zusätzliches Gewicht spürte daß das Sofa sinken ließ. Ich öffnete die Augen und erstarrte vor Entsetzen.
Es war James der nur mit einem Handtuch bekleidet war.
"Hallo Bella," sagte er ," wie schön das du den Weg hierhergefunden hast."
Er grinste schmierig.
"Was soll das hier? Was für ein Spiel wird hier gespielt? Wo ist Mrs. Stanhope?"
"Aber Bella, hast du es denn noch immer nocht verstanden? Mrs. Stanhope wird nicht kommen mein Schatz. Sie weiß nicht mal das du hier bist. Und jetzt sei ein liebes Mädchen und gib James einen Kuss."
"Sie sind ja wahnsinnig," keuchte ich und die Angst packte mich," niemals werde ich sie freiwillig anrühren. Lassen sie mich gehen!"
Er hatte mich in der Zwischenzeit um die Taillie gepackt und an sich gezogen.
"Aber aber mein Täubchen warum denn so unkooperativ. Wir beide könnten ne Menge Spaß haben. Tanya hat sich auf jeden Fall noch nie beschwert."
"Hören sie auf," schrie ich als er anfing meinen Rock hochzuziehen und strampelte vergeblich. Ekel erfaßte mich und mir wurde übel.
Da hörte ich Stimmen im Flur. Anstatt beunruhigt zu sein grinste er nur und sagte.
"Showtime!"
Er drückte seinen Mund auf meinen und preßte mich auf die Couch. Er hielt mich fest wie in einem Schraubstock und ich hatte keine Möglichkeit mich zu wehren. Er war einfach zu stark. Er schob sich zwischen meine Schenkel und in dem Moment öffnete sich die Zimmertür.
Ich konnte nicht erkennen wer es war. Ich war einfach nur so erleichtert das ich aufhörte mich zu wehren, es würde eh gleich vorbei sein.
"Oh mein Gott Edward, " hörte ich auf einmal Tanyas Stimme," es tut mir leid. Ich wußte nicht das James sich hier mit ihr trifft. Ich hätte es dir so gern erspart."
James ließ von mir ab.
"Ooops," sagte er nur und grinste wieder ," da haben wir uns aber in flagranti erwischen lassen meine Süße."
Schnell stand ich auf und zog meinen Rock runter. Ich lief zu Edward der mich geschockt anstarrte.
"Gott sei Dank bist du hier. Er hat mich unter einem Vorwand hierher gelockt und ist über mich hergefallen."
Beschwörend sah ich ihn an und hoffte er würde mir glauben, ich konnte mir ja denken wie das hier aussah.
Sein Blick wirkte unsicher aber er schien darüber nachzudenken. Es war also nicht alles verloren.
Er sah von mir zu James. Der zuckte nur die Schultern.
Da schaltete sich Tanya wieder ein.
"Edward ich wollte dir das wirklich ersparen,aber da ich das jetzt so hautnah mitbekomme kann ich nicht mehr ruhigen Gewissens alles für mich behalten."
Er sah zu Tanya. Immer noch hatte er kein Wort gesagt. Es schien als würde er unter Schock stehen.
"Edward ich habe dir die Wahrheit gesagt als ich Bellas Geschichte bestätigte. Ich habe James tatsächlich zu ihr begleitet. Was ich dir verschwiegen habe ist das ich allein gegangen bin. Er ist noch geblieben. Und jetzt wird mir klar warum. Die beiden haben eine Affäre," schloss sie und sah mir triumphierend in die Augen.
"Nein," schrie ich verzweifelt ," sie lügt doch. Siehst du das denn nicht. Das ist doch alles ein abgekartetes Spiel. Sie will dich für sich. Die haben das doch alles gemeinsam geplant."
Das erste mal seit er den Raum betreten hatte sagte er was.
"Halt deinen Mund," schrie er und er bebte vor Zorn.
"Wie konntest du nur Bella. Die ganze Zeit machst du mir Vorwürfe während du fröhlich mit James in die Kiste steigst. Das war ja wohl zu eindeutig. Du hast dich ja nicht mal gewehrt."
Kalt sah er mich an. So wütend hatte ich ihn noch nie erlebt.
"Ich werde jetzt nach Hause fahre und meine Sachen holen. Du wirst von Peter hören. Ich denke unter diesen Umständen ist es das Beste wenn wir unsere Ehe beenden. Das werde ich dir niemals verzeihen Bella. Ich möchte dich bis zum Scheidungstermin weder sehen noch sprechen. Du bist für mich gestorben."
Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ die Suite.
"Nein, Edward," weinte ich," du darfst nicht gehen. Bitte hör mir doch zu.Du mußt mir glauben."
Ich griff nach seinem Arm doch er stieß mich von sich, und ging ohne mir noch einen weiteren Blick zu gönnen.
Tanya beugte sich zu mir und flüsterte.
"Mit mir legt man sich nicht ungetraft an. Bald ist er Wachs in meinen Händen. Der arme berogene Ehemann. Ich werde mir die größte Mühe geben ihn zu trösten."
Lachend wandte sie sich ab und folgte Edward aus dem Raum.
Jetzt war ich wieder allein mit James. Ich sah ihn mit tränenüberströmten Gesicht an und flüsterte unglücklich.
"Warum? Tanya kann ich verstehen, aber warum sie. Ich hab ihnen nie was getan."
Er erwiderte meinen Blick und zum ersten Mal entdeckte ich in seinem Gesicht sowas wie eine menschliche Regung.
Schämte er sich etwa?
"Wieso tun sie Menschen so etwas Böses an? fragte ich erneut.
Er senkte den Blick als könnte er meinen jämmerlichen Anblick nicht mehr ertragen.
"Vielleicht weil mir noch nie ein Mensch was Gutes getan hat,"sagte er ganz leise.
Für Reue war es jetzt zu spät.
"Bitte gehen Sie. Lassen sie mich allein."
Nachdem er sich wieder angezogen hatte ging er zur Tür. Bevor er ging sagte er so leise das ich es kaum hören konnte.
"Es tut mir leid."
Ich schluchzte auf und gab mich vollends meinem Schmerz hin.
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