Bella PoV
Nachdem ich mich von Edward verabschiedet hatte, beschloss ich, noch ein wenig einkaufen zu gehen und steuerte direkt auf einen Dessousladen zu.
Jetzt wo es wieder so gut lief mit Edward, wollte ich so verführerisch wie möglich auf ihn wirken. Ich fühlte mich wieder wie damals mit achtzehn, als wir beide uns kennenlernten. Mir war, als schwirrten Millionen von Schmetterlingen in meinem Bauch herum, wenn ich nur an ihn dachte.
Ich stieß die Ladentür auf und betrat das Geschäft, wo mir schon sehr bald eine Verkäuferin auf den Fersen war.
"Kann ich ihnen behilflich sein?"
"Ich möchte mich erst etwas umschauen. Ich komme dann auf sie zu", sagte ich höflich.
Man merkte sofort, dass hier auf Provision gearbeitet wurde, aber die Verkäuferinnen mussten schließlich auch leben. Seelenruhig durchforstete ich die Auswahl an Reizwäsche und wurde schließlich fündig.
Es war ein zweiteiliges Set in dunkelblau, ziemlich durchsichtig, mit zarten Spitzenapplikationen am Rand. Es wirkte verrucht und unschuldig zugleich.
Das war es!
Ich ließ die Verkäuferin ihren Stempel auf das Etikett drücken und ging anschließend an die Kasse, um zu bezahlen.
"Vielen Dank, für ihren Einkauf!"
Höflich verabschiedete ich mich und überlegte, was ich als nächstes tun wollte. Ich brauchte einen neuen Lippenstift, da mein alter ja verschwunden war. Rechte Lust, noch in eine Parfümerie zu rennen, hatte ich allerdings nicht.
Unschlüssig stand ich vor den Geschäften, als plötzlich mein Handy klingelte.
"Bella Cullen," meldete ich mich.
"Hallo Bella", sagte eine männliche Stimme.
Wer war das? Die Stimme kam mir bekannt vor.
"Wer sind sie?"
"Aber Bella, hast du mich so schnell wieder vergessen. Ich dachte eigentlich, ich hätte einen größeren Eindruck hinterlassen", sagte der Mann und schon fiel der Groschen.
"James!"
Ich konnte nicht fassen, dass er mich anrief! Wollte er es sich endgültig mit Edward verscherzen? Mein Mann konnte sehr unangenehm werden, wenn man ihm in die Quere kam. Diese Unnachgiebigkeit zeichnete sich nicht nur in seinem Beruf ab, sondern zog sich bis in sein Privatleben. Und ich war ohne Zweifel "privat".
"Was wollen Sie von mir? Habe ich ihnen nicht deutlich zu verstehen gegeben, dass ich nichts von ihnen wissen will."
"Was wäre ich für ein Anwalt, wenn ich beim geringsten Widerstand aufgeben würde. Ich sage es ihnen geradeheraus. Ich will sie haben, Bella. Und glauben sie mir, ich werde alles daransetzen sie zu kriegen."
"Sie sind ganz schön dreist. Ich werde jetzt auflegen und wenn sie mich nochmal belästigen, wird das Konsequenzen für sie haben", sagte ich fest.
Ich wollte mich nicht von diesem schmierigen Dreckskerl in die Enge treiben lassen.
"Weißt du, dass es mich noch schärfer macht, wenn du wütend wirst?"
Er besaß doch tatsächlich die Unverschämtheit, zu lachen. Erbost brach ich das Gespräch ab. Es klingelte noch ein Dutzend Mal, doch als ich seine Nummer wiedererkannte, ging ich nicht ran und er gab irgendwann auf.
Wütend fuhr ich nach Hause. Was fiel diesem Kerl überhaupt ein!
Edward würde ich besser nichts davon erzählen. Es würde ihn nur von seinem Prozess ablenken und das konnte er wirklich nicht gebrauchen, da es gerade nicht so gut lief und ich wollte ihn nicht auch noch mit meinen Problemen belasten.
Zuhause, hatte ich James erfolgreich verdrängt und fing mit den Vorbereitungen fürs Essen an. Edward versprach heute zeitiger zu kommen, um uns für die verpatzte Mittagspause zu entschädigen.
Vorsorglich bereitete ich eine kalte Platte mit allerlei Köstlichkeiten zu, die konnte man auch noch essen, wenn er sich verspätete.
Nachdem ich alles im Kühlschrank verstaute, gönnte ich mir ein duftendes Schaumbad. Ich schloss meine Körperpflege ab, indem ich mich mit einer köstlich duftenden Lotion eincremte, bis meine Haut seidig schimmerte. Danach zog ich meine neue, schöne Unterwäsche an, die inzwischen trocken war. Ich hatte sie schnell gewaschen, da man ja nie wusste, wer schon alles die Hände daran hatte.
Kritisch begutachtete ich mich im Spiegel.
Nicht schlecht, dachte ich und drehte mich mehrmals. Meine Figur war zart und schlank und obwohl ich wirklich nicht sportlich war, wirkte ich nicht schlaff. Das dunkle Blau betonte die durchscheinende Blässe meiner Haut. Früher ärgerte ich mich immer darüber, nicht braun zu werden, doch mittlerweile hatte ich meinen Frieden damit geschlossen. Edward fand das auch viel attraktiver, als die Lederhaut der vielen Solariumschönheiten.
Im Schlafzimmer ging ich zum Kleiderschrank und zog ein einfaches, aber hübsches Kleid heraus. Es ließ meine Schultern frei und wurde von zarten Spaghettiträgern gehalten. Das unschuldige Weis ließ die mahagonifarbenen Reflexe in meinem Haar noch mehr schimmern. Ich war mit meinem Aussehen zufrieden und fühlte mich wohl in meinem Körper.
Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass Edward bald da sein würde, falls er denn tatsächlich pünktlich war. Ich deckte noch den Tisch und stellte den Wein bereit, als ich schon hörte, wie die Haustüre aufgeschlossen wurde. Er trat in das Esszimmer ein und machte große Augen.
"Wow, womit hab ich das denn verdient", rief er und nahm mich in den Arm.
Ich schlang meine Arme um seinen Nacken und stellte mich auf die Zehenspitzen um ihn zu küssen.
"Ich dachte, wir haben uns einen schönen Abend verdient!"
Er lachte und sah mich dann verschmitzt an.
"Ich bin natürlich entzückt, dass du uns so verwöhnst, aber sag mal, hast du nicht gesagt, du bleibst erst noch bei Alice."
Oh Scheiße, die hatte ich ganz vergessen, und meine Entscheidung vorerst nicht zurückzukommen auch. Ich lief knallrot an und schloss entnervt die Augen. Warum musste ich mich auch immer so blamieren! Jetzt konnte er ein herzliches Lachen nicht mehr zurückhalten.
"Ich werde erst mal Alice anrufen und ihr Bescheid sagen, wo ich bin. Und morgen hol ich meine Sachen. Ich denke es wäre jetzt lächerlich, wenn ich noch darauf bestehen würde wegzubleiben."
"Mach das, Liebling. Ich hüpf noch schnell unter die Dusche, während du telefonierst", sagte er und drückte mir einen Kuss auf die Schläfe.
Während ich Alice noch darüber informierte, was gestern auf der Party passiert war, kam auch schon Edward zurück und schlang von hinten seine Arme um mich. Er schob mein Haar zur Seite und legte meinen Hals frei, den er sogleich mit seinen weichen Lippen liebkoste. Ein unglaubliches Lustgefühl durchzog meinen Körper.
"Alice ", sagte ich stockend, „ ich muss jetzt aufhören. Ich... ich...werd dir...oh Gott...werd dir morgen alles...erklären."
Schnell drehte ich mich um, um ihn leidenschaftlich zu küssen.
"Hast du keinen Hunger", flüsterte er leise und fuhr mit seiner Hand unter meinen Rock.
"Ich hab nur Hunger auf dich", wisperte ich und biss ihm in die Unterlippe.
"Ich glaube, dass essen kann warten", stöhnte er und hob mich auf seine Arme.
Nachdem wir uns ausgiebig geliebt hatten, lagen wir im Bett und ließen uns die kalte Platte schmecken. Gegenseitig fütterten wir uns, immer wieder unterbrochen von heißen Küssen.
"Ich habe übrigens eine gute und eine schlechte Nachricht für dich", meinte er plötzlich.
Ich hörte auf zu essen und sah ihn fragend an.
"Was denn?"
"Die schlechte ist, ich muss beruflich nach Port Angeles. Wir haben einen wichtigen Zeugen dort aufgetan. Der kann im Prozess die Wende bringen und braucht nur noch ein bisschen Überredung, um auszusagen. Daher mein Trip dorthin."
"Und die gute Nachricht?"
"Ich werde maximal zwei Tage bleiben", sagte er trocken.
"Was soll daran gut sein! Du wirst nicht hier sein", erwiderte ich leicht schmollend.
Mit blitzenden Augen sah ich ihn an.
"Fährst du allein, oder hast du Begleitung?"
"Falls du damit Tanya meinst, die bleibt hier", grinste er.
Ich gab ihm einen kleinen Stoß.
"Das ist nicht witzig. Denk dran, wie eifersüchtig du auf Foster warst."
Augenblicklich verfinsterte sich sein Blick.
" Wenn der Kerl dir zu nahe kommt, kann er sich warm anziehen. Ich kann ihn nicht ausstehen, weil er so ein Prolet ist. Heute hat er jedem seine neue Rolex gezeigt, als ob sich jemand dafür interessieren würde", sagte er verächtlich.
Beruhigend strich ich ihm über den Arm.
"Hey, lass uns nicht an diesen Kerl denken. Genießen wir lieber diese Nacht. Schließlich muss ich dich morgen für zwei Tage hergeben."
Ich setzte mich auf seinen Schoss und nahm ihn nochmal in mich auf. Wir brauchten kein ausgiebiges Vorspiel. Seit er heute Abend das Haus betreten hatte, waren wir in einem Zustand andauernder Erregung.
Es war sanft und zärtlich und wir küssten uns ohne abzusetzen. Mein Atem ging in seinen über und als wir zum Orgasmus kamen, hielten wir uns gegenseitig fest, als wäre es das letzte Mal.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns und ich machte mich auf zur Arbeit. Der Tag verging wie im Flug, da Alice unglaublich gute Laune hatte. Ihr Bemühungen Jasper in den Wahnsinn zu treiben, trugen erste Früchte.
Er sah sie an, als wäre sie seine nächste Mahlzeit und es würde nicht mehr lange dauern, bis er fällig war.
Alice konnte es nicht fassen, wie gut ihre Verführungsversuche funktionierten. Sie hielt sich nie für eine Femme Fatale, aber sie wuchs förmlich über sich hinaus. Ein paar dezente Andeutungen, gepaart mit heißen Blicken oder Gesten, machten aus Jasper langsam aber sicher einen willenlosen Slaven. Sie war auch nicht böse, dass ich wieder nach Hause ging. Nachdem ich meine Sachen aus ihrer Wohnung geholt hatte, fuhr ich heim.
Gerade wollte ich mir etwas zu essen machen als es an der Haustür klingelte. Wer war denn das? Ich erwartete niemanden! Neugierig geworden, ging ich zur Tür und stand Tanya und James gegenüber.
"Hallo Bella", flötete sie, „dürfen wir reinkommen?"
Völlig überrascht ließ ich beide eintreten.
"Edward ist nicht da. Er ist in Port Angeles. Das musst du doch wissen?"
"Wir sind nicht wegen Edward hier. James hat sich mir anvertraut und mir gesagt, er hätte dich belästigt. Ich hab ihn begleitet, weil er wusste, du würdest ihn allein nicht anhören."
"Ich bin hier, um mich bei Ihnen zu entschuldigen, Bella. Mein Verhalten war unverzeihlich. Ich war so geblendet von ihnen, dass ich die Kontrolle und meine gute Erziehung vergessen habe."
Verblüfft sah ich ihn an. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
"Nun ja", stammelte ich, „ ich will mal nicht so sein. Ich denke, wenn es ihnen ehrlich leid tut, kann ich darüber hinwegsehen."
Er sah erleichtert aus.
"Danke Bella, das bedeutet mir wirklich viel. Sagen sie, könnte ich kurz ihre Toilette benutzen?"
"Ja, natürlich. Die Treppe rauf und dann die zweite Tür links."
Er verschwand nach oben und ich war mit Tanya allein.
"Ich bin so froh, dass das geklärt ist. Es wäre mir wirklich arg gewesen, wenn es zum Streit gekommen wäre. Vor allem, da ich es war, die James empfohlen hat."
"Nun ich denke, wenn er sich von jetzt an am Riemen reißt, wird es keine Probleme geben."
Tanya war viel zu freundlich. Irgendwas stimmte hier nicht! Aber vielleicht war ich auch nur zu empfindlich. James war in der Zwischenzeit zurück und die beiden verabschiedeten sich freundlich.
Das war schon alles sehr merkwürdig und es dauerte lange, bis ich einschlafen konnte. Erstens vermisste ich Edwards warmen Körper neben mir und auch mein Besuch ging mir nicht aus dem Kopf. Schließlich schaffte ich es doch einzuschlummern und träumte von meinem Mann.
Am nächsten Morgen wurde ich heftig an der Schulte gerüttelt.
"Bella, wach auf", hörte ich Edwards Stimme.
Er klang verärgert.
Ich setzte mich auf und sah ihn verwundert an. Warum war er so böse? Er hielt mir eine goldene Rolex unter die Nase.
"Kannst du mir vielleicht verraten, wie die hierher kommt", fragte er mich mit klirrender Kälte.
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