http://www.youtube.com/watch?v=P_3pq0XpUsc
Unglücklich saß ich nun im Restaurant und konnte nicht fassen, dass er mich schon wieder hängen ließ.
Was mich besonders wurmte, war die Tatsache, dass er das Büro zusammen mit Tanya vor über einer Stunde verlassen hatte. Er müsste also schon längst hier sein. Das "Angellinis" befand sich in der Nähe der Kanzlei, selbst zu Fuß konnte man es bequem in einer halben Stunde erreichen.
Ich folgte einer plötzlichen Eingebung und rief bei uns Zuhause an. Vielleicht hatte er unsere Verabredung einfach vergessen und war schon längst in unserem Haus. Nervös wählte ich unsere Festnetznummer und der letzte Funke Hoffnung erstarb, als nach minutenlangem Klingeln, keiner abhob. Trotzdem ließ ich es weiterläuten, bis ich aus der Leitung geschmissen wurde.
Wo zum Teufel steckte er?
Er war nicht Zuhause, sein Handy war offenbar ausgeschaltet und im Büro wusste niemand von einem plötzlichen Termin.
Er würde doch nicht mit Tanya....?!
Nein, diesen Gedanken ertrug ich nicht und verdrängte die Bilder, die mir meine Fantasie vorgaukelte.
Edward in den Armen dieser Frau!
Ich musste wohl etwas blass geworden sein, da der Kellner plötzlich neben mir stand.
"Miss!...Miss, geht es ihnen nicht gut? Sie sehen auf einmal so bleich aus", erkundigte er sich besorgt
.
Bei meiner von Natur aus schon sehr hellen Haut war es schon bemerkenswert, dass ihm das auffiel.
"Nein...nein, es ist alles in Ordnung", antwortete ich gezwungen
.
Innerlich musste ich lachen. Nichts war in Ordnung! Rein gar nichts!
"Leider ist meinem Mann etwas dazwischengekommen. Es tut mir unendlich leid, dass ich den ganzen Abend den Tisch blockiert habe."
"Das macht nichts. Kann ich ihnen vielleicht noch etwas bringen?", fragte er freundlich.
"Nein Danke, ich werde jetzt gehen."
Ich drückte dem Kellner ein großzügiges Trinkgeld in die Hand und verließ den Raum in Richtung Garderoben. Wieder angetan mit meiner Jacke, trat ich in die kalte Nachtluft hinaus und zog fröstelnd die Schultern zusammen.
Die dünne Strickjacke war wahrlich nicht das richtige Kleidungsstück, für die nun mehr kühlen, nächtlichen Temperaturen. Aber ich hatte ja auch damit gerechnet, dass Edward bei mir wäre, um mich zu wärmen.
Nicht nachdenken, Bella. Einfach nicht darüber nachdenken. Ich durfte hier nicht in aller Öffentlichkeit zusammenbrechen.
Meine Augen brannten vor Anstrengung, Da ich krampfhaft die Tränen zurückhielt.
Ich versuchte mich abzulenken, indem ich mich auf das klackernde Geräusch meiner Absätze konzentrierte, bis ich endlich am Wagen war. Fast eine halbe Ewigkeit verging, bis ich die Autoschlüssel aus meiner Handtasche fischte und zitternd die Wagentür aufschloss.
Völlig fertig ließ ich mich in die weichen Ledersitze sinken. Meine Stirn legte ich auf das Lenkrad und atmete tief ein und aus. Es dauerte Minuten, bis ich mich soweit im Griff hatte, um loszufahren.
Einigermaßen gefasst startete ich den BMW und fuhr vorsichtig aus der Parklücke.
Ich merkte erst nach einigen Minuten, dass ich nicht den Weg nach Hause eingeschlagen hatte. Ich fuhr geradewegs zu Tanyas Wohnung. Da wir bei ihrer letzten Geburtstagsparty eingeladen waren, wusste ich genau, wo sie wohnte.
Sollte ich das wirklich tun?
Es würde das Ende meines Vertrauens zu Edward bedeuten!
Kurz kam mir der Gedanke einfach umzudrehen, doch ich verspürte den übermächtigen Drang, herauszufinden, ob er bei ihr war.
Schon bog ich die letzte Querstrasse ein und fuhr an ihrem Appartementblock vorbei.
Edwards Wagen war nicht zu übersehen, stand er doch direkt vor dem Eingang des Gebäudes, indem sie wohnte.
Übelkeit stieg in mir hoch und hinterließ ein bitteres Gefühl in meiner Kehle.Mit quietschenden Reifen wendete ich mitten auf der Straße und fuhr, sämtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen ignorierend, nach Hause.
Als ich das Haus betrat, war es stockduster, daher nahm ich das Blinken des Anrufbeantworters besonders deutlich wahr. Die Hand ausstreckend, betätigte ich die Wiedergabetaste, und schon hörte ich Edwards Stimme.
"Bella Schatz, es tut mir unendlich leid, aber ich muß das Abendessen absagen. Tanya hatte im Büro einen Schwächeanfall und ich muss sie erst zum Arzt bringen und anschließend nach Hause. Solltest du versuchen, mich auf dem Handy zu erreichen, wirst du keinen Erfolg haben. Ich hab das blöde Ding irgendwo verloren. Es tut mir unendlich leid, dass es wieder nicht geklappt hat, aber ich werde es wieder gutmachen, das verspreche ich dir. Hoch und heilig. Sobald ich Tanya ordentlich versorgt habe, komme ich nach Hause. Ich liebe dich!"
Mit dem Rücken an der Wand, ließ ich mich langsam zu Boden sinken. Tanya, Tanya und immer wieder Tanya. Hatte sie denn niemanden, der sich um sie kümmern konnte? Edward schien sich wirklich um jeden zu Sorgen, nur nicht um mich.
Ein Schluchzen schüttelte meinen Körper. Stimmte das mit dem Schwächeanfall überhaupt? Oder war das nur ein Ablenkungsmanöver?
Eine wahre Sintflut an Tränen strömte aus meinen Augen, mein Körper krampfte, weil ich so zitterte. Endlich ließ ich den Tränen freien Lauf, bis sie versiegten und nur noch von Zeit zu Zeit ein trockenes Schluchzen aus meinem Mund herausbrach.
Teilnahmslos saß ich auf dem Boden, bis ich mich mühsam aufrappelte, in unser Schlafzimmer ging und meinen Koffer aus dem Ankleideschrank zog.
Ich hatte einen Entschluss gefaßt!
Alice POV
Ein lautes Klingeln weckte mich aus meinem tiefem Schlaf. Ich tapste durchs Wohnzimmer zu meiner Haustür und schielte durch den Türspion.
Es war Bella.
Augenblicklich riss ich die Tür auf und stand meiner völlig verheulten Freundin gegenüber. Sie sah furchtbar aus und wirkte völlig fertig. Den Blick nach unten senkend, bemerkte ich den Koffer zu ihren Füßen.
"Kann...kann ich für...für ein paar Tage bei dir bleiben" ,fragte sie mich leise, ihre Stimme rau vom vielen Weinen.
Der Abend mit Edward war wohl nicht so gelaufen wie geplant. In mir machte sich Wut breit über ihn. Was hatte er jetzt schon wieder angestellt? Da hatte er einen solchen Schatz zur Frau und was machte er? Er tat ihr immer wieder weh. Bella hatte ein solches Verhalten einfach nicht verdient.
Sie war so ein lieber Mensch und sorgte sich immer um ihre Freunde. Wie oft hatte ich mich schon bei ihr ausgeheult, wegen Jasper?
Schweigend breitete ich meine Arme aus und sie ließ sich hineinfallen.
"Oh Alice" ,sagte sie bekümmert," er ist nicht gekommen! Er ist einfach nicht gekommen!"
Langsam wurde mir das ganze Ausmaß der Situation klar. Wenn er so einen Abend platzen ließ, dann war die Kluft zwischen den beiden tiefer, als ich angenommen hatte.
"Komm erst mal rein. Und dann erzählst du mir, was passiert ist. Okay?"
Ich zog sie ins Wohnzimmer und parkte sie auf dem Sofa.
"Du wartest hier. Schlüpf in was Bequemes und ich mach dir eine heiße Schokolade."
Ich versuchte autoritär zu klingen, da Mitleid das Letzte war, was sie jetzt brauchen konnte. Schnell bereitete ich die Schokolade in meiner winzigen Küche zu, und als ich zurückkam, hatte sie einen bequemen Jogginganzug an und sah mir kläglich entgegen.
" So, und jetzt erzählst du Tante Alice erstmal was los ist ", meinte ich mütterlich.
Bella seufzte und begann zu sprechen.
Edwards POV
Ich fuhr so schnell ich konnte nach Hause, nachdem ich Tanya versorgt hatte. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es schon nach eins war.
Oh Mann, Bella würde ausflippen! Das konnte ich nicht mit einem simplen Abendessen aus der Welt schaffen.
Leider war heute einer dieser Tage, an denen alles schief ging. Erst verschwand mein Handy spurlos, die Gerichtsverhandlung lief in eine völlig falsche Richtung und ich bekam immer mehr Zwiefel an seiner Unschuld.
Der neue Zeuge belastete meinen Mandanten schwer und die Blicke der Geschworenen wurden immer missbilligender. Malloy wurde heute erstmals in den Zeugenstand gerufen und verwickelte sich mehrfach in Widersprüche.
Das Ganze war eine absolute Katastrophe und ich würde all mein Geschick einsetzen müssen, um ihn da wieder rauszupauken.
Der Tag war laut und hektisch, da die Presse sich mit Wonne auf die neuesten Entwicklungen stürzte und als der Abend heranbrach, freute ich mich ehrlich auf den gemeinsamen Abend mit Bella.
Ich wußte, es war gerade nicht leicht für sie, trotzdem war ich verstimmt darüber, dass sie mir solche Vorwürfe machte.
Das Einzige, was ich mir vorzuwerfen hatte, war, dass ich tatsächlich wenig Zeit zu Hause verbrachte. Bellas Vermutung, ich hätte was mit Tanya war völlig absurd. Sie war eine Kollegin und eine enge Freundin. Da ich manche Dinge, aufgrund der Schweigepflicht, nicht mit Bella besprechen durfte, und Tanya als meine Co-Anwältin in alles eingeweiht war, konnte ich mich nunmal nur mit ihr darüber austauschen.
Tanya war mir sehr ähnlich. Sie liebte ihre Beruf ebenso leidenschaftlich wie ich, trotzdem hatte ich keine Affäre mit ihr. Sicher, Tanya war verflucht attraktiv und wenn Bella nicht wäre...
Aber es gab Bella und ich würde meine Ehe nicht für eine Liebelei aufs Spiel setzen. Egal, wie groß die Versuchung auch manchmal war.
Der Gedanke, an meine liebenswerte Frau, trieb mir sämtliche Flausen aus dem Kopf.
Auch nach neun Jahren Beziehung fand ich sie noch unglaublich sexy. Ihr seidiges, braunes Haar, die großen, dunklen Augen und dieser zierliche, wohlpropotionierte Körper. Die Vorstellung von Bellas süßen Brüsten ließ das Blut in südlichere Regionen strömen und ich trat das Gaspedal voll durch.
Es dauerte nicht lange, bis ich endlich am Ziiel war. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, lief ich über die Treppe nach oben, in unser gemeinsames Schlafzimmer, um kurz vor der Türe zu stoppen. Schließlich wollte ich sie nicht zu Tode erschrecken, indem ich wie ein Sondereinsatzkommando des FBI in unser Schlafzimmer stürmte. Vorsichtig öffnete ich die Tür und trat ein.
Das Bett war leer!
Ungläubig sah ich, dass ihr Kleiderschrank offen war und merkte natürlich sofort, dass einige Kleidungsstücke daraus fehlten.
Fassungslos schaltete ich das Licht an und sah sofort den Brief der an meiner Nachtischlampe lehnte.
Mein liebster Edward,
ich glaube, es wäre besser, wenn wir uns ein paar Tage nicht sehen, da ich mir über einige Dinge klar werden muss. Ich hätte dir meine Gedanken und Gefühle gerne persönlich mitgeteilt, aber du warst wie üblich nicht für mich da.
Vielleicht solltest du die Zeit selber nutzen und darüber nachdenken, ob ich noch die Frau bin, mit der du dein Leben teilen willst.
Im Moment glaube ich nicht daran.
Ich werde dich trotzdem immer lieben.
Deine Bella
Erschüttert ließ ich den Brief sinken.
Wie konnte ich es nur soweit kommen lassen?
Seit Monaten stimmte es nicht mehr zwischen uns beiden, doch ich hatte die Vorzeichen erfolgreich ignoriert, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie mich tatsächlich verlassen würde.
Ich war im Begriff, meine Fau für immer zu verlieren, doch das würde ich nicht zulassen.
Ich war ein Cullen und würde niemals aufgeben.
Ich würde mir meine Frau zurückholen!
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