Inhalt:

Edward Cullen ist ein erfolgreicher Staranwalt und seit fünf Jahren mit Bella verheiratet. Die beiden leben sich auseinander da er seine junge Frau zu oft alleine lässt. Als ihm auch noch seine attraktive Kollegin Tanya offen Avancen macht eskaliert die Situation. (Edward/Bella Pairing)Happy-End garantiert.

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Montag, 29. November 2010

Kapitel 50 - Maryville

Leise Musik aus dem Autoradio und das gleichmäßige Brummen von Peters BMW waren das Erste was ich hörte, als ich vom Schlaf in die Wirklichkeit zurückkehrte.

Gähnend streckte ich mich und bemerkte aus dem Augenwinkel, wie er zu mir rüber schielte. Dabei richtete sich seine Aufmerksamkeit besonders auf die Region unterhalb meines Halses.

Das war mal wieder so typisch, dachte ich leicht angesäuert. Er beendete unsere kurze Liason, weil er Angst vor seinen eigenen Gefühlen bekam, konnte es aber nicht lassen, mir immer wieder eindeutige Blicke zuzuwerfen. Wie sollte ich ihn denn vergessen, wenn er mich so ansah?

Ich musste wirklich wahnsinnig sein, dass ich mich auf diese Fahrt einließ. Doch meine Sorge um Bella und der Wunsch ihr zu helfen, waren doch größer.

So saß ich also neben ihm im Auto, auf dem Weg nach Maryville und tat alles Menschenmögliche, um nicht den Eindruck zu erwecken, die Situation ausnutzen zu wollen.
Als ob ich das könnte!

Er machte mir nach unseren gemeinsamen Nächten sehr schnell klar, dass es für ihn eine rein körperliche Angelegenheit war. Trotzdem nahm ich all meinen Mut  zusammen und gestand ihm meine Liebe. Tief in meinem Herzen glaubte ich wohl, nur den ersten Schritt machen zu müssen und er würde freudestrahlend meine Gefühle erwidern. Weit gefehlt! Nach meinem Geständnis verließ er fluchtartig meine Wohnung und ließ mich zutiefst bestürzt und geschockt zurück.

Mit so einer ablehnenden Reaktion hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Natürlich war mir bewusst, dass er nicht gerade den Traumkandidaten für Ehe und Familie darstellte. Doch ich war mir so sicher gewesen, dass er zumindest etwas für mich empfand  und es sich nicht nur um Sex handelte.

Unsere Nacht nach Alice´ und Jaspers Verlobung war eine Offenbarung.

Noch nie genoss ich die körperliche Liebe mehr, als mit Peter. Seine jahrelange Erfahrung mit den unterschiedlichsten Frauen, machte ihn zu einem wahren Meister der Verführung  und ich hatte nicht die geringste Chance ihm zu widerstehen.
Durch die Komödie für Joe angestachelt, ließ ich an jenem Abend keine Gelegenheit aus, um ihn mit meinen Berührungen und Worten in den Wahnsinn zu treiben. Wir schafften es nicht mal bis in seine Wohnung, um das erste Mal miteinander zu schlafen.
Er zog mich in einen Nebenraum und wir fielen förmlich übereinander her.

Wir setzten die Nacht dann doch noch in seiner Wohnung fort und es folgten wilde,  zärtliche Stunden, in denen er mir das Herz stahl.
Edwards Anruf störte die Idylle und holte uns in die Realität zurück. Beide waren wir der Meinung, den beiden helfen zu müssen und so ging jeder für sich seinen Nachforschungen nach.

Es wurmte Peter schon, dass ich schneller an brauchbare Informationen kam, doch schlussendlich war es auch ihm wichtig, dass die Ergebnisse zum Ziel führten.

Seit jener Nacht trafen wir uns immer wieder,  nur unter dem Vorwand Informationen auszutauschen, die Tanya betrafen. Und jedes dieser Treffen endete mit leidenschaftlichem Sex, bis zu jenem Abend, als ich ihm meine Gefühle gestand.

Ich lag verträumt auf seiner breiten Brust und lauschte seinem gleichmäßigen Herzschlag. Überwältigt von ihm, richtete ich mich auf und sah in diese grünen Cullen-Augen.

„Ich liebe dich Peter!“, flüsterte ich zärtlich.

Er erstarrte augenblicklich und sein Körper spannte sich abwehrend an. Vorsichtig aber bestimmt, schob er mich von sich runter, stand auf und suchte seine Kleidung zusammen.

Verwirrt setzte ich mich auf dem Bett auf, irritiert durch seine plötzliche Kälte. Die Bettdecke zog ich schützend über meine Brust.  Irgendwie kam ich mir verloren vor  und wollte mich jetzt  nicht nackt präsentieren.

Mit ruckartigen Bewegungen zog er sich an und warf mir nur einen kurzen Blick zu, bevor er sprach.

„Du verwechselst da was, Shelley. Ich dachte eigentlich, es wäre klar, dass uns nur Sex verbindet. Ich will und suche keine feste Beziehung und  wir sollten diese Geschichte hier schnellstens beenden, bevor es anfängt hässlich zu werden. Ich erwidere deine  Liebe nicht, Shelley und du solltest nicht soviel in diese Sache hineininterpretieren“, schloss er hart.

Ich hielt die Tränen zurück, bis er aus der Wohnung war, doch danach gab es kein Halten mehr. Verletzt verbrachte ich die nächsten Stunden , mich zu bemitleiden. Doch am nächsten Morgen zog ich die Bettwäsche ab, die noch immer so köstlich nach ihm roch und schmiss sie wütend in die Waschmaschine.

Als ob das Beseitigen der Spuren, ihn aus meinem Herzen reißen würde.

Seitdem kamen wir uns nicht mehr nahe, denn er vermied jeglichen körperlichen Kontakt.

Jetzt saß ich hier neben ihm und verbrachte freiwillig die nächsten Tage mit ihm, als ob nichts gewesen wäre.

„Wir sind gleich da!“; meinte Peter als er mein Erwachen bemerkte.

Den Kopf drehend, betrachtete ich sein perfektes Profil. Sein schwarzes Haar umrahmte die perfekten Gesichtszüge. Peter war nicht hübsch im klassischen Sinne, so wie Edward, dazu wirkten seine Züge viel zu maskulin. Aber die harten Linien und das gemeißelte Profil, verliehen ihm eine unglaubliche Attraktivität.

Die Schmetterlinge in meinem Bauch vollführten Freudentänze und mir wurde schwummerig vor Sehnsucht.  Ein untrügliches Zeichen dafür, dass all meine Versuche ihn aus meinem Kopf zu verbannen, gnadenlos scheiterten.

Seufzend sackte ich tiefer in den Sitz.

„Ist was?“, fragte er.

„Nein, nein, alles bestens“, log ich, „ mir tun nur alle Knochen weh von der Fahrerei.“

Ungläubig hob er eine perfekt geformte Augenbraue, sagte aber nichts.

Sein Erstaunen darüber wunderte mich nicht, da wir höchstens seit drei Stunden unterwegs waren. Bei Weitem nicht lange genug, um über schmerzende Glieder zu klagen.

Er überging meine Bemerkung komplett und räusperte sich, als wir das Ortsschild von Maryville passierten.

„Es gibt hier im Ort nur ein Motel. Ich habe zwei Zimmer von meiner Sekretärin buchen lassen, du brauchst dir also keine Sorgen machen. Ich werde dir nicht zu nahe kommen!“

Eindringlich musterte ich ihn.

„Du bist der Einzige der sich sorgt, Peter. Ich habe unsere Affäre nicht beendet und würde jederzeit ein Zimmer mit dir teilen. Doch da du ja offensichtlich meine Nähe nicht ertragen kannst, verspreche ich dir, nicht über dich herzufallen“, erwiderte ich ehrlich und sarkastisch zugleich.
Unbehaglich blickte er stur nach vorne und bog auf den Parkplatz des Motels ein.

Ein kleines Gebäude, in dem man sich die Schlüssel für die Zimmer holen konnte, war noch beleuchtet und wir betraten gemeinsam das Innere.
Peter betätigte mehrmals die Klingel, welche auf dem Tresen stand  und  wurde langsam ungeduldig, weil niemand sich bequemte darauf zu reagieren.

Nach etlichen Minuten schlurfte ein dickbäuchiger Kerl mit fettigen Haaren und einem stoppeligen, grauen Sieben Tage Bart in den Raum und rülpste laut.

Angeekelt  sahen wir uns an.

„Was gibt es denn?“, fragte der schmierige Kerl.

Eine Alkoholfahne schwappte uns entgegen und ich musste an mich halten, um mich nicht auf der Stelle zu übergeben.

„Mein Name ist Cullen! Meine Sekretärin hat bei Ihnen zwei Zimmer reservieren lassen und wir hätten jetzt gerne die Schlüssel.“
Der Kerl grunzte nur undeutlich und wühlte in einem Wust von Papieren. Von Computern schien er nicht viel zu halten und so zog er nach einigen Sekunden einen Wisch aus dem unordentlichen Stapel, der wohl die Reservierungsbestätigung darstellen sollte.

„Hm“, nuschelte er und kratze sich am Kopf; „ ich habe hier schon eine Reservierung für Cullen, aber nur für ein Zimmer.“

„Das darf doch wohl nicht wahr sein“, wetterte Peter gleich los.

Ich legte beruhigend die Hand auf seinen Arm und  stoppte so seinen Wutanfall.

„Wir nehmen es, es sei denn, es gibt eine Möglichkeit  noch ein weiteres Zimmer zu buchen!“

Er schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid, Ma´am!“, meinte er  zerknirscht, „ In Maryville findet grad das Treffen der  Schweinezüchter statt und alle Zimmer sind belegt."

Wie um diese Behauptung zu untermauern, betrat eine Horde von etwas schwerfälligen, älteren Männern den Raum und redete laut durcheinander.

Man konnte Brocken ihrer Unterhaltung aufschnappen und sie diskutierten über die Vor -und Nachteile der  Massentierhaltung.

Schmunzelnd registrierte ich Peters genervten Gesichtsausdruck. Er wirkte unglaublich fehl am Platz, mit seinen  Designerklamotten und dem supermodernen Haarschnitt, während sich das Ende, der "Vorne Kurz und Hinten Lang Ära", noch nicht bis hierher herumgesprochen hatte.

„Dann nehmen wir das Zimmer, das für uns vorgesehen ist“, antwortete ich ohne auf Peters Einverständnis zu warten.

Ich streckte die Hand nach dem Schlüssel aus, den dieser Typ auch prompt rausrückte, ließ mir den Weg erklären und schritt energisch zum Ausgang.

„Kommst du oder willst du hier Wurzeln schlagen?“, fragte ich ihn über die Schulter.

Er setzte sich in Bewegung und folgte mir nach.

Die Zimmer befanden sich draußen und sahen aus, wie eine Aneinanderreihung von kleinen Bungalows. Jedes für sich, war über eine kleine Treppe erreichbar.

Ich schloss auf und machte das Licht an. Die Einrichtung war einfach, doch glücklicherweise wirkte alles recht sauber und erinnerte in keinster Weise an das schmuddelige Aussehen seines Besitzers.

Gefrustet setzte Peter sich aufs Bett und betrachtete überheblich die einfache Ausstattung unserer Schlafstätte.

„Das ist nicht gerade das Ritz Carlton“, äußerte er arrogant, „aber für ein paar Nächte wird es schon gehen.“

Er stand wieder auf und drückte probeweise auf die kleine Couch.

„Wenn ich auf dem Ding hier schlafe, dann brauch ich nach unserer Rückkehr als erstes eine Massage.“

Er wollte also nicht mit mir in einem Bett schlafen!

Fein!

War mir doch egal!

„Ich geh duschen und dann ins Bett“, sagte ich mit bemüht höflicher Stimme.

Toll Shelley, dachte ich, jetzt stellt er sich bestimmt vor, wie du nackt aussiehst!

Er musterte mich mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck, sagte aber nichts weiter.

Ich betrat das Bad und stellte erleichtert fest, dass auch dieses sauber und mit ordentlichen Handtüchern ausgestattet war.
Nach einer belebenden Dusche schlüpfte ich in einen völlig unattraktiven Pyjama und traute mich nach einigen Anläufen zurück ins Zimmer.

„Du kannst jetzt auch duschen, ich bin soweit fertig.“

Wortlos ging er an mir vorbei und streifte versehentlich meine Schultern, was bei diesen beengten Verhältnissen kein Wunder war.
Er zuckte erschrocken zusammen und entschuldigte sich murmelnd. Die Tür des Bades knallte zu und ich war allein.

Als hätte ich eine ansteckende Krankheit, dachte ich und war gelinde ausgedrückt, etwas eingeschnappt.

Die Bettdecke um mich schlingend machte ich es mir auf den harten Matratzen  so gemütlich wie möglich und hörte kurz darauf das Rauschen der Dusche.

Er verbrachte eine halbe Ewigkeit da drin, als wollte er sicherstellen, dass ich schon schlief, wenn er zurückkam.
Das leise Zudrücken der Tür und das Qietschen der Sprungfedern im Sofa verriet mir, dass er wieder im Zimmer war.

Es war jetzt dunkel im Raum und nur ein schwacher  Lichtstreifen wurde durch die zugezogenen Gardinen hineingelassen. Ich konnte seinen großen Körper erkennen, der sich auf dem Sofa leidlich ausstreckte. Es sah wahnsinnig unbequem aus  und ich wurde wütend.
Ich schaltete das Licht ein und er richtete sich auf.

„Ist was, Shelley?“

„Das ist doch Blödsinn, wenn du dich auf diesem winzigen Sofa rumquälst, während sich hier ein großes Doppelbett befindet. Hier ist genug Platz für zwei und ich werde deinen Luxuskörper schon nicht  in Anspruch nehmen“, maulte ich ihn an.

Ich schlug die Decke auf der unberührten Seite auf und bedeutete ihm sich hinzulegen.

Zögerlich stand er auf und legte sich zu mir ins Bett. Er rückte auf die äußerste Kante und drehte mir sofort den Rücken zu.

„Gute Nacht!“, murmelte er.

„Gute Nacht, Peter!“

Es dauerte ewig, bis ich einschlief. Doch irgendwann fielen mir, trotz dieser filmreifen Situation, die Augen zu.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich von einem warmen, unbeschreiblich gut duftenden Körper umschlungen. In der Nacht waren wir wohl nah zusammengerückt und schliefen eng nebeneinander. Ich genoss es seine Brust an meinem Rücken zu fühlen und betete, es würde noch dauern bis er aufwachte.

Für einen kurzen Moment gab ich mich der Illusion hin, er wäre so verliebt wie ich und suhlte mich in der Wärme die er ausstrahlte.
Sein  Körper fing an sich zu bewegen und enttäuscht spürte ich, wie er sich mir entzog.

„Entschuldige bitte!“, flüsterte er betreten, „ Ich habe nicht gemerkt, dass ich nachts zu dir gerückt bin.“

„Mach dir nicht ins Hemd, Peter! Wir haben schon ganz andere Sachen miteinander gemacht, als Arm in Arm zusammen aufzuwachen.“

Sein Blick glühte sich in meinen, als er sich daran erinnerte, wie wir uns liebten. Atemlos registrierte ich seinen beschleunigten Atem und das Senken seines Kopfes.  Unsere Lippen waren nur noch Milimeter voneinander entfernt, als die Stimme des Motelbesitzers uns auseinanderfahren ließ.

„Wenn Sie noch ein Frühstück wollen, müssen Sie in der nächsten halbe Stunde kommen, sonst gibt es nichts mehr“, brüllte er durch die Tür.
Der innige Moment war weg, so schnell wie er gekommen war und wir machten uns verlegen fertig, um den Tag zu beginnen.

Wir wollten heute dem Hausmeister einen weiteren Besuch abstatten. Nachdem Peter Versuch etwas herauszufinden nicht funktionierte, wollte er heute noch einen starten.

Zumindest war klar, dass der Mann Tanya kannte, da er eindeutig verängstigt auf ihr Photo reagierte.
Was war das nur für eine schreckliche Person, dass alle Menschen, die Kontakt mit ihr hatten, so eine Furcht vor ihr verspürten?

Auf das Frühstück verzichteten wir und  machten uns sofort auf den Weg in die Schule, um den Hausmeister erneut zur Rede zu stellen.

Das Schulgebäude war neu und wirkte sehr hell und freundlich. Dort  sahen wir nur vereinzelt ein paar Schüler durch die Gänge huschen, da der Unterricht  in vollem Gange war. So konnten wir ungestört nach dem älteren Mann suchen , der die Schule hier in Schuss hielt.

In der Nähe der Jungentoiletten fanden wir ihn, während er an einem Trinkbrunnen rumschraubte, der in unmittelbarer Nähe stand.
Er bemerkte uns schnell und wischte sich die Hände an einem Lappen ab.

„Ich habe Ihnen doch beim letzten Mal schon erzählt, dass ich Ihnen nichts  mehr zu sagen habe“, äußerte er wütend.

Oh oh, da hinterließ  Peter wohl verbrannte Erde.

Dieser war jedoch keineswegs eingeschüchtert und schritt arrogant auf den alten Mann zu.

Innerlich verdrehte ich die Augen.

So würde das nie was werden. Wenn der Mann Angst vor Tanya hatte, konnte Peter ihn sicherlich nicht mit blasierten Fragen aus der Reserve locken.

„Und ich sagte Ihnen, dass ich nicht aufgeben werde! Sie verschweigen etwas und ich werde Sie solange löchern, bis Sie mir sagen, was es mit dieser Frau auf sich hat.“

Eine Durchsage stoppte Peter in seiner Rede und der Hausmeister sah erleichtert auf den Lautsprecher.

„Mr. Fulton, bitte sofort ins Büro des Direktors. Mr. Fulton, bitte“, schallte es dort raus.

„Ich muss weg, der Direktor ruft mich“, sagte er triumphierend.

„Wir kommen einfach später wieder!“, erwiderte Peter eingebildet.

So langsam fragte ich mich, wie Peter es so weit als Anwalt bringen konnte  und sogar Eigentümer der besten Kanzlei im Land wurde.
Mit dieser Art, konnte  er bei diesem,  älteren Herren keinen Blumentopf gewinnen und schon gar nicht Näheres über diese Tanya in Erfahrung bringen.
Aber ich blieb ruhig und schluckte meine Kritik hinunter. Sollte er doch sein Glück versuchen! Wenn es wieder schief ging, konnte ich ihn immer noch damit  triezen.

Der Hausmeister machte sich davon  und wir standen da wie bestellt und nicht abgeholt.

„Komm!“, befahl er, „ Ich habe in der Nähe ein Schnellrestaurant gesehen, dort können wir in Ruhe frühstücken. Er wird sich nicht ewig beim Direktor verstecken können und bis dahin können wir unsere Mägen füllen. Ich bin am Verhungern!“

Ausnahmsweise stimmte ich ihm zu, denn das Knurren meines eigenen Magens ließ sich nicht mehr ignorieren.

Ihm vorauseilend, setzte ich mich in Bewegung und schaute mich nach ein paar Metern verwundert um. Wo blieb er nur?

Er lief gemächlich hinter mir her, ein fettes Grinsen im Gesicht.

Das durfte ja wohl nicht wahr sein!

„Peter Cullen, starrst du mir etwa auf den Hintern?“, fragte ich entrüstet.

Er lachte schamlos.

„Es ist so ein hübscher Hintern!“, bestätigte er mir ohne Reue.

Ich verkniff mir ein Lächeln. Er war  ja so unverschämt!


Das Restaurant war typisch für einen kleinen, amerikanischen Vorort und das Frühstück, einfach aber schmackhaft.
Danach versuchten wir nochmals unser Glück, doch der Hausmeister blieb unauffindbar.  Ein Schüler verriet uns schließlich, dass Mr. Fulton vorzeitig nach Hause wäre und erst am nächsten Tag wiederkäme.

Wütend fuhr uns Peter in die Stadt und schimpfte dabei wie ein Rohrspatz. Dass er eventuell selbst Schuld an der Flucht des Mannes hatte, kam ihm überhaupt nicht in den Sinn.

Ich wagte einen vorsichtigen Vorstoß, um ihm die Augen zu öffnen, doch er warf mir nur einen bitterbösen Blick zu und ich gab entnervt auf.
In der Stadt zeigten wir in einigen Geschäften Tanyas Foto her, in der Hoffnung, dass irgendjemand sich an sie erinnern konnte. Doch wir stießen auf eine Mauer des Schweigens.

Entweder verneinten sie rundheraus oder fauchten uns böse an, wir sollten uns nicht in fremder  Leute Angelegenheiten mischen. Alles deutete darauf hin, dass Tanya durchaus bekannt war, doch niemand wagte es, uns auch nur das Geringste zu verraten.

Das Ganze wurde immer merkwürdiger und auch diese Stadt war ein Fall für sich. Es gab kaum junge Leute hier und die ganzen Plakate mit den christlichen  Veranstaltungen in der Gemeindehalle zeigten, dass man in Maryville zutiefst religiös war. Es grenzte schon an Fanatismus, denn an jeder Ecke stand ein Prediger, der das Ende der Welt prophezeite und  Jesus Christus pries.

Das alles erzeugte eine unheimliche Atmosphäre und ich erwartete schon halb, dass uns diese Leute einen Exorzisten auf den Hals hetzten, um uns den Dämon auszutreiben, der uns so neugierig machte.

Erfolglos kehrten wir abends ins Motel zurück. Wir verspeisten die Sandwiches, die wir uns holten und schwiegen uns an.
Irgendwann hielt ich diese Stille nicht mehr aus.

„Peter, lass mich morgen mit diesem Fulton sprechen!“, bat ich ihn.

Abschätzend sah er mich an.

„Du meinst also, du kannst es besser als ich, oder?“, fragte er patzig.

Oh, der Herr war beleidigt!

„Allerdings! Du bist viel zu scharf an die Sache rangegangen! Es ist doch kein Wunder, dass der arme Mann ablehnend reagiert hat. Wenn mich jemand so dumm von der Seite anquatscht, dann würde ich auch nichts sagen“, sagte ich.

Auch ich war jetzt wütend und mindestens genauso frustriert über den Verlauf unseres Besuches hier, wie er. Ein deftiger Streit um mich abzureagieren, käme mir gerade recht.

„Ich meine nicht nur, ich weiß es!“, schrie ich ihn an.

Er baute sich drohend vor mir auf und stemmte die Fäuste in die Hüfte.

„Du wirst schön die Füße still halten, Fräulein, sonst….“

„Sonst was?“, fragte ich auffordernd.

„Sonst zeig ich dir was passiert, wenn man einem Cullen in die Parade fährt!“

„Ich fahre dir nicht in die Parade, Cullen. Ich rette dich vor deiner eigenen  Dummheit.“

Seine Nasenflügel blähten sich vor Wut auf und er hatte sich kaum noch unter Kontrolle. Schritt für Schritt kam er auf mich zu und  ich wich meinerseits zurück.

Ich knallte mit dem Rücken an die Wand und wurde von seinen Armen, die mich flankierten, gefangen gehalten.

„Nimm das zurück, Shelley“, flüsterte er gefährlich heiser.

Stur wie ich war, hätte ich mir lieber die Zunge abgebissen, als nachzugeben.

„Niemals!“, wisperte ich zurück.

Sein Gesicht kam immer näher und ich konnte nicht anders, als auf seinen sinnlichen Mund zu starren, der mir solches Vergnügen bereitet hatte.

„Du bist so schön!“, stöhnte er unvermittelt und presste seinen Mund auf meinen Hals.

Hingebungsvoll bog ich ihn zurück und erleichterte ihm den Zugang zu meiner Haut.  Voller Sehnsucht krallte ich mich in sein Hemd und in seine Haare, zwang ihn dazu, seinen Mund auf meinen zu legen.

Gierig schob er die Zunge in meine Mundhöhle, stieß sie immer wieder hinein und brachte mich damit schier um den Verstand.
Ohne Zögern zog ich seinen Gürtel aus den Hosen und den Reißverschluss auf. Sofort schob ich meine Hand in den Bund seiner Shorts und berührte ihn schamlos.

Er wand sich wild unter meiner Hand und reagierte, indem er mir die Bluse mit einem Ruck aufriss. Sein Mund heftete sich auf meinen Busen, umkreiste mit der Zunge die empfindliche Brustspitze, die sich sofort hart zusammenzog. Erregt nippte er immer wieder an ihr, während ich seine Härte mit gleichmäßigen Bewegungen massierte.

Schon nach kürzester Zeit streckten wir uns nackt auf dem Bett aus und liebkosten uns gegenseitig. Sein Eindringen führte mich direkt ins Paradies und  bebend genoss ich jede Bewegung seines  Körpers. Er hob und senkte seine Hüften in gedehntem Rhythmus und schon nach kurzer Zeit kam ich explosionsartig. Schnell folgte er mir  nach und brach auf meinem Körper zusammen.

Verschwitzt  und die Gliedmaßen ineinander verschlungen lagen wir im Bett, bis uns wieder die Lust aufeinander überkam. Immer wieder liebten wir uns in dieser Nacht  und ich fühlte mich dem Himmel näher als je zuvor.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und wollte mich zu Peter drehen, nur um festzustellen, dass ich allein im Bett lag.
Seine Sachen waren weg und eine kleine Notiz klebte am Nachttisch.


Bin schon beim Frühstück. Bis dann!  Peter


Irritiert las ich die Nachricht und verstand nicht, warum er nicht bei mir war. Nach letzter Nacht konnte er doch nicht mehr leugnen was uns verband. Oder?

Ich nahm die schnellste Dusche meines Lebens und machte mich eilig auf den Weg zu ihm. Er saß an einem kleinen Ecktisch und trank gedankenverloren seinen Kaffee. Ich nahm aufgeregt all meinen Mut zusammen und trat an den Tisch, während ich versuchte, mir meine Nervosität nicht  allzu sehr anmerken zu lassen.

„Guten Morgen, Peter!“, flüsterte ich leise und setzte mich auf meinen Stuhl.

„Guten Morgen!“

Er beobachtete mich genau und schien nach den passenden Worten zu suchen, um unser längst überfälliges Gespräch zu beginnen.

„Wir sollten uns schnellstens auf den Weg zur Schule machen, damit uns der Kerl nicht wieder durch die Lappen geht. Ich habe darüber nachgedacht, ob es besser wäre dich sprechen zu lassen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es wohl das Beste wäre. Er wird bestimmt zugänglicher sein, wenn du die Fragen stellst.“

Entsetzt schluckte ich die aufsteigenden Tränen runter.

Kein Wort zu letzter Nacht! Er war so kühl wie davor und ging einfach zur Tagesordnung über. Während der anderen Male war es okay für mich, dass er es so locker nahm, schließlich wusste er zu diesem Zeitpunkt nichts über meine Gefühle. Doch gestern war ihm bekannt, dass ich ihn liebte und trotzdem schlief er mit mir, machte mir somit Hoffnungen. Jetzt fühlte ich mich nur noch benutzt und abgelegt.

„Was anderes hast du mir nicht zusagen?“, fragte ich mit erstickter Stimme.

„Shelley, das letzte Nacht war wunderschön, aber es war doch mehr, um Dampf abzulassen. Wir waren beide wütend und frustriert, haben heftig gestritten und das heizt einem eben ein. Du liebst mich nicht, das bildest du dir nur ein. Eines Tages wirst du mir dankbar dafür sein, dass ich dich vor einer unglücklichen Beziehung gerettet habe. Ich bin kein Mann für eine Frau! Einst glaubte ich die Richtige gefunden zu haben und bin neun Jahre lang einem Trugbild hinterhergerannt. Diesen Fehler mache ich kein zweites Mal.“

„Nur weil du einmal falsch lagst, heißt das noch lange nicht, dass  du für eine feste Beziehung nicht geeignet  bist, Peter“, sagte ich leise, „ aber ich kann dich nicht dazu zwingen, einen neuen Versuch zu starten.“

„Ich bin froh, dass du das so siehst. Ich mag dich Shelley, aber glaub mir, ich würde dich nur unglücklich machen.“

Er stand auf um die Rechnung zu bezahlen.

„Das hast du schon!“, wisperte ich tonlos.

Doch er konnte mich nicht hören.
Später betrat ich allein das Schulgebäude und suchte nach Mr.Fulton.  Ich wurde schnell fündig  und trat leise auf ihn zu.

„Mr. Fulton?“, sagte ich mit zarter Stimme.

Er drehte sich um und sah mich skeptisch an.

„Sie waren doch gestern mit diesem Trottel unterwegs, oder?“

„Ja!“, antwortete ich, ohne auf den Trottel einzugehen, „ Es geht um ein wirklich schwerwiegendes Problem, bei dem ich dringend Ihre Hilfe benötige.“

„Ich habe Mr. Cullen beauftragt, diese Frau zu finden““, sprach ich und zog noch mal ein Foto von Tanya raus, „ Es ist unglaublich wichtig für mich.“

„Warum?“, fragte er misstrauisch.

Okay, wahrscheinlich musste ich nach dieser Lüge  zwanzig mal den Rosenkranz rauf und runter beten, aber es blieb mir nichts anderes übrig, als durch eine erfundene Leidensgeschichte sein Mitleid zu wecken. Mr. Fulton schien ein anständiger Mensch zu sein und hatte das Herz auf dem rechten Fleck. So war es durchaus möglich, dass er doch mit ein paar Informationen rausrückte.

„Mr.Fulton“, fing ich mit zittriger Stimme an und quetschte mir ein paar falsche Tränen raus, „ich habe allen Grund zur Annahme, dass es sich hier um meine verschollene Schwester handelt. Wir wurden als Babies zur Adoption freigegeben und dadurch getrennt.“

Erstaunt blickte er mich an und ich fuhr fort.

„Bei mir wurde eine schwere Krankheit festgestellt und ich brauche eine Knochenmarkspende, um das nächste halbe Jahr zu überleben“, log ich schamlos, „ leider habe ich keinerlei lebende Verwandte mehr und diese Frau ist meine einzige Chance auf Heilung. Das Einzige, was ich von den Schwestern im Heim  in Erfahrung bringen konnte, war ihr Nachname. Sie heißt jetzt wohl Hogan. Einen Vornamen habe ich jedoch nicht.“

Mitfühlend sah mich der Mann an und seufzte schwer. Er nahm mir das Foto aus der Hand und betrachtete seltsam wehmütig das Bild mit der hübschen jungen Frau, die eigentlich so ein Monster war.

„Rebecca“, sprach er plötzlich, „ ihr Name ist Rebecca Hogan.“

Ich sog scharf die Luft in meine Lungen. Mit soviel Entgegenkommen hatte ich im Traum nicht gerechnet.

„Sie war so ein liebes, junges Ding“, sprach er leise und zog mit den Fingerspitzen die Konturen des Gesichtes auf dem Foto nach.

„Der  Prediger Hogan adoptierte sie und sie wuchs in einer Familie voller  religiöser Fanatiker auf.  Es war ein offenes Geheimnis, dass er sie zwang,  jeden Tag, bis zu zwei Stunden auf dem harten Kirchenboden zu knien, um für ihr Seelenheil zu beten. Doch niemand half dem armen Mädchen.  Prediger Hogan und seine Frau sahen in ihr die Verkörperung der Sünde, weil sie so wunderschön war und bildeten sich ein, Satan hätte sich ihrer bemächtigt. Dabei war sie das liebenswerteste Wesen, das ich jemals kennenlernen durfte.“

Fasziniert lauschte ich seinen Ausführungen und der charakterlichen Darstellung jener Frau, die vermutlich mehrere  Menschenleben auf dem Gewissen  hatte.

„Es wurde schlimmer je älter sie wurde“, riss mich seine Stimme aus meinen Gedanken, „ und es wurde gemunkelt, dass Prediger Hogan dieser Versuchung nachgegeben hätte. Eine Zeitlang kam sie fast täglich grün und blau geschlagen in die Schule, weil seine Frau sie vor Eifersucht fast totprügelte. Doch immer noch half ihr keiner. Prediger Hogan ist ein sehr mächtiger Mann in der Stadt, auch heute noch und er darf auch niemals von diesem Gespräch hier erfahren.“

Ich nickte zustimmend und versprach ihm Verschwiegenheit. Doch eines interessierte mich noch brennend.

„Mr. Cullen erwähnte, Sie wären so furchtbar erschrocken bei dem Anblick des Fotos. Warum? Sie scheinen sie sehr gemocht zu haben.“

„Nun, ich weiß nicht wie ich es erklären soll, ohne dass Sie mich für irre halten.“

„Versuchen Sie es einfach. Ich verspreche, ich werde Sie weder für verrückt erklären, noch Sie auslachen.“

„Rebecca veränderte sich!“, begann er, „ Sie wurde boshaft, gemein und gefährlich. Alle die sie hänselten, hatten irgendwann Unfälle, die sie lahmlegten oder  sie bekamen Drohungen. Doch das war nicht direkt Rebecca“, versuchte er zu erklären.

Verständnislos schüttelte ich den Kopf.

„Können Sie mir das genauer erklären?“

„Es war irgendwie komisch. Manchmal war sie Rebecca und dann wieder, war sie einen andere. Oh Mann, Lady, ich habe keine Ahnung von solchen Dingen, ich bin nur ein einfacher Hausmeister. In Rebecca steckte noch jemand anderes, wissen Sie, jemand abgrundtief Böses und wenn diese Person herausbrach, war es besser, ihr nicht zu nahe zu kommen, oder ihr negativ aufzufallen.“

„Wollen Sie damit sagen, dass Rebecca sich so veränderte, dass sie auch eine völlig andere Person hätte sein können?“

„Ja, ich glaube, so könnte man es ausdrücken. Selbst der Prediger und seine Frau ließen sie fortan in Ruhe, Ich weiß nicht was sie machte, aber beide bekamen plötzlich eine Heidenangst vor ihr. Bis heute zucken sie zusammen, wenn Rebeccas  Name erwähnt wird und auch viele andere in dieser Stadt bekreuzigen sich, wenn sie an sie erinnert werden. Es hat sich durchaus rumgesprochen, dass zwei Fremde da sind, die nach ihr suchen.“

„Wissen Sie, wo Rebecca sich jetzt aufhält?“

Er verneinte kopfschüttelnd.

„Niemand weiß das und mit Verlaub, Lady, ich glaube es wäre besser für Sie, wenn Sie ihr niemals begegnen. Rebecca wurde immer schwächer und das Böse in ihr nahm überhand. Sie war  zum Ende hin kaum noch sie selbst. Eines Tages verschwand sie spurlos, nachdem sie davor immer wieder einige Tage in der Großstadt war. Seitdem hat niemand mehr was von ihr gehört und sie verwischte alle Spuren, die hier an sie erinnern könnten. Es brach ein Feuer in der Schule aus und alle Unterlagen verbrannten. Das war sie, mit Sicherheit.“

Müde fuhr er sich mit einem Taschentuch über die schweißnasse Stirn und betrachtete mich mitfühlend.

„Ich wünschte, ich könnte Ihnen mehr helfen, aber das ist wirklich alles, was ich weiß.“

Ich lächelte ihn freundlich an.

„Machen Sie sich keine Sorgen. Sie haben mir wirklich sehr weitergeholfen.“

Nach meiner Verabschiedung ging ich zurück zu Peter, der schon am Auto auf mich wartete.

„Peter, wir müssen so schnell wie möglich zurück nach Seattle. Ich weiß jetzt, was mit Tanya los ist.“

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